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SEITEN-HINWEIS

Ein Buch-Blog

Herzlich Willkommen auf meinem Buch-Blog. Ich habe mich entschieden, hier ausschließlich Werke von Autorinnen vorzustellen, um Schriftstellerinnen zu unterstützen und die weibliche Perspektive, vorhandene Diversität und interessante Frauenfiguren besser sichtbar zu machen. Wie schön, dass ihre Bücher so unterschiedlich und vielseitig sind wie die Frauen, die sie schreiben!

Daher hoffe ich, dass es Dir niemals langweilig wird, zeitgenössische oder andere, womöglich ein wenig in Vergessenheit geratene, Schriftstellerinnen gemeinsam mit mir zu entdecken.

„Verleugnen“ von Tsitsi Dangarembga

Es ist ein schmerzhaftes Buch, ein schmerzhafter Prozess, in dem es um die Jugend der jungen Tambu geht, die in Rhodesien auf eine weiße Nonnenschule geht, während im Land der Befreiungskrieg tobt. „Ich saß jetzt tief in der Maschine, die Menschen den Tod brachte, und ich war unerträglich versteinert, weil ich mich im Bauch des…

„Waren wir doch Teile voneinander -Geschichten von berühmten Schwestern“ von Gunna Wendt

In diesem Buch, das ganz besonders durch seine wunderschönen Illustrationen von Hannah Kolling überzeugt, porträtiert Gunna Wendt die Geschwisterbeziehungen von vierzehn Schwestern- und zwei Schwester-Bruder-Paaren. Dabei werden die gemeinsame Kindheit beschrieben sowie die Biografien der beiden jeweils kurz umrissen und durch Zitate ergänzt. Auf diese Weise lernen wir beispielsweise Jenny von Droste-Hülshoff kennen, die ältere…

„Schöne Mutanten“ von Deborah Levy

Ich liebe die Romane von Deborah Levy und mit diesem, ihrem ersten Roman überhaupt, hat sie mich wieder einmal überrascht, herausgefordert und begeistert: Eine große Verlassenheit treibt Lapinski um, die Protagonistin dieses merkwürdig apokalyptischen Romans, die fremd in der Welt ist, seit sie als Waise von Moskau nach London kam. Eine ihrer Freundinnen ist Dichterin…

„Das Wunder von Bahnsteig fünf“ von Clare Pooley

Also der Titel hat mich eher abgeschreckt, aber da ich eine begeistere Erste-Seite-Leserin bin, haben mich der Ton und die Schreibe dann doch zur Lektüre verführt. Und, was soll ich sagen: ein gelungener Feel-Good-Roman durch und durch. Inclusive Humor und Britishness. Frau Pooley könnte glatt als Vorbild für mein eigenes Schreiben dienen: Liebevoll ausgearbeitete Charaktere…

„Diese wilde Freude in mir“ von Samantha Silva

Die Konstruktion des Plots dieses historischen Romans über die Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft hat mich sofort überzeugt, denn es mischt sich der Bericht der alten Hebamme, die sie gerade von ihrer zweiten Tochter Mary (die spätere Autorin von „Frankenstein“) entbunden hat, mit der Ich-Erzählung von Wollestonecraft selber, die ihre Lebensgeschichte ihrem neugeborenen „Vögelchen“  darlegt, bevor sie…

„Nicht mein Ding“ von Jamie Attenberg

Andrea ist neununddreißig Jahre alt, New Yorker Jüdin und Single. Und in diesem Roman erfahren wir ihre Familiengeschichte in springenden Volten, die sich an der kurzen Gegenwart ihrer Nichte entlang entrollen, ihrer Nichte, die bereits todkrank zur Welt kam und niemals wirklich eine Chance auf Leben hatte. Andrea erzählt von ihrem drogensüchtigen Vater, der charismatischen…

„Die Pachinko Kugeln“ von Elisa Shua Dusapin

Ich war sehr gespannt auf dieses Büchlein und mochte den Stil der Autorin einer poetischen Kargheit und Verdichtung sehr gerne. Er spiegelt die Orientierungslosigkeit der Protagonistin sehr gut, die koreanische Wurzeln hat und in der Schweiz lebt und nun nach Japan gereist ist zu ihren Großeltern, die dorthin im Koreakrieg geflohen waren. Sie spricht wenig…

„Unertrunken- Was ich als Schwarze Feministin von Meeressäugetieren lernte“ von Alexis Pauline Gumbs

Es geht nicht nur ums Atmen – aber sehr viel. Alexis Pauline Gumbs beschreibt in ihrem poetisch reflektierenden Buch, ihre Beziehung zu den Meeressäugetieren, den verfolgten, exotischen Lebewesen, die sich in den Untiefen der Meere, im Salzwasser und zwischen Netzen und Jägern behaupten, überleben, aufsteigen und Atmen. Immer weiter atmen. Dieses Atmen wird zu Metapher…

„Snowflake“ von Louise Nealon

Debbie White wird von ihrer Mutter „Snowflake“ genannt, doch ihre Mutter ist häufig nicht richtig anwesend. Debbie wächst ohne Vater in einer dysfunktionalen Familie auf einer Milchfarm in Irland auf, die ihr Onkel Billy führt, der in einem Wohnwagen auf dem Grundstück wohnt. Einerseits ist er ein Intellektueller, der all sein Wissen an seine Nichte…

„Liebe Sophie, liebe Valborg“ Briefe von Selma Lagerlöf 

In diesem wunderbaren Buch sind zahlreiche Briefe von Selma Lagerlöf (1858-1940) versammelt, die tiefe Einblicke in ihr Leben und Lieben geben. Denn die Literatur-Nobelpreisträgerin von 1909, die Lehrerin war und lange Zeit mit ihrer Mutter und Schwester zusammenlebte, lernte mit 35 Jahren die verwitwete Sophie Erkan kennen und verliebte sich Hals über Kopf in sie.…

„Aufklärung“ von Angela Steidele

Dorothea Bach, Johann Sebastian Bachs älteste Tochter, legt als Protagonistin und Zeugin Einspruch ein gegen die in ihren Augen falsche Biografie ihrer Freundin Luise Gottsched, die der Ehemann nach deren Tod verfasste. Und so schreibt sie dagegen an, berichtet über die Jahre in Leipzig zwischen 1725 und 1764. Aus streng weiblicher Perspektive reflektiert sie die…

„Café Leben“ von Jo Leevers

Wer einen leichten Feel-Good-Roman erwartet, der wird womöglich enttäuscht sein, doch ich fand das Buch gelungen! Wir lernen die hochsensible Sozialphobikerin Henrietta kennen, eine Mit-Dreißigerin mit schlechtem Kleidergeschmack und einem unerzogenen Hund, die den Job, in einer Klinik die Lebensgeschichten von Krebspatienten aufzuzeichnen, nur aus Geldmangel annimmt.  Dort trifft sie Annie, Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, die…

„Black Artists Now“ von Ann Mbuti

Dies ist ein wunderbar buntes, diverses, literarisches und kunstvolles Buch, in dem die Autorin Ann Mbuti 15 Schwarze Künstler*innen vorstellt, die mensch wirklich kennen sollte. Denn ja, es ist erkannt worden, dass die europäische, die weiße Kunstgeschichte nur eine der vielen Kunstgeschichten ist, die es weltweit gibt und hier finden sich zeitgenössische Kunstwerke, die andere…

„Der Torso“ von Elisabeth Langgässer

Elisabeth Langgässer (1899-1950) war eine deutsche, halbjüdische Schriftstellerin, die vor dem Krieg als avantgardistische Autorin magisch-realistischer Textverfahren galt. Sie schrieb teils mystisch-christliche Texte und wurde nach dem Krieg mit dem Roman „Das unauslöschliche Siegel bekannt“. Dieser Band mit Kurzgeschichten erschien zuerst 1947 und wurde vom Anaconda-Verlag 2022 wieder aufgelegt. Hier finden sich kurze und längere…

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„Das Leben ist kein Abgrund“ von Jean Stafford

Die Pulitzer-Preisträgerin Jean Stafford (1915-1979) breitet in ihren preisgekrönten Storys sehr unterschiedliche Leben vor uns aus. Dabei wirf sie immer nur ein kurzes Schlaglicht auf eine Situation, die Erinnerungen und innere Regungen provoziert, und ihre Protagonist*innen kurz und prägnant aufleuchten lässt, bevor sie in ihr dunkles Leben zurückfallen. Ganz besonders gut gefiel mir die Geschichte…

„Mary“ von Anne Eekhout

Mary Shelley, von Geburt an Waise, da ihre berühmte Mutter, die Frauenrechtlerin Mary Wollestonecraft, im Kindbettfieber starb, verbringt mit ihrem Mann Percy Shelley, ihrer Stiefschwester Claire und Lord Byron sowie seinem Arzt John einen Sommer am Genfer See. Die Schilderung dieser trinkfreudigen Kommune, in der ihr Roman „Frankenstein“ erste Gestalt annahm, wechselt sich ab mit…

„Vor aller Augen“ von Martina Clavadetscher

Ein wunderbares „Kunst-Buch“ voller origineller Perspektiven und sprachlicher Spielereien! In diesem Werk erdichtet die Autorin die Persönlichkeiten hinter den weiblichen Porträts der großen Meister. Sie gibt den Modellen einen Namen und ein Leben, eine eigene, unvergleichliche Stimme. Und in chronologischer Folge lernen wir so beispielsweise die gefeierte Malerin Christine Kaufmann, eine nach Frankreich verpflanzte ehemalige…

„Der Klang der Erinnerung“ von Jo Browning Wroe

Ich habe es geliebt, dieses Buch. Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte von William gefesselt, der eigentlich eine etwas egozentrische Persönlichkeit zu haben scheint und gleichzeitig liebenswert ernsthaft an die Dinge herangeht. Schon als kleiner Junge verwöhntes, geliebtes Einzelkind und Halbwaise, lernt er im Gesangsinternat wahre Freundschaft kennen, als er dort auf…

„Die Kunst des Fallens“ von Danielle McLaughlin

Eine Frau in der Krise – ziemlich effektiv stürzt uns die Autorin direkt in das Lehrergespräch von Nessa mit Miss Thompson, der Klassenlehrerin ihrer Tochter Jennifer, und sofort geht es ans Eingemachte: Jennifer mobbt ihre ehemals beste Freundin Mandy, weil ihr Vater, Nessas Ehemann Philip, mit Mandys Mutter Cora eine Affäre hatte. Alle Welt weiß…

„Geschichte eines Kindes“ von Anna Kim

Der unehelich Sohn der jungen Carol, der 1953 in Amerika geboren wird, wirft Fragen nach der Herkunft des Vaters auf. Carol verwickelt sich in Widersprüche und wir folgen den Einträgen des Sozialamtes, dessen Mitarbeiterinnen wild über seine Abstammung und Ethnizität spekulieren. Indianische oder polnische Herkunft oder hat das Kind nicht doch eher negroide Züge?Der kleine…

„Die Sonne so strahlend schwarz“ von Chantal-Fleur Sandjon

Ein Vers-Roman, packend und poetisch, neu und altmodisch in seiner an Jamben und Hexametern orientierten Gestalt, erzählt er ganz modern die uralte Geschichte der Liebe. Die biethnische Protagonistin Nova ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Cosmos aus häuslicher Gewalt vor dem weißen Vater geflohen. Im Haus einer Freundin beginnt sie ihr neues Leben zwischen…

„Strega“ von Johanne Lykke Holm

Neun Mädchen in einem Hotel in den Bergen. Sie werden ausgebildet und werden gezüchtigt, an diesem merkwürdige verlassenen Ort oberhalb der Stadt Strega, was auf Italienisch „Hexe“heißt, zwischen Nonnenkloster und gefährlich spiegelndem See. Sie wurden von ihren Familien geschickt, um zu guten Haus- und Ehefrauen zu werden. Da spielt es keine Rolle, dass im Hotel…

„Welt der Wunder“ von Aimee Nezhukumatathil

Von Seenüssen, die tausende von Regenbögen unter Wasser erzeugen können, Vampir-Tintenfischen, die Meeresschnee essen, Glühwürmchen, die synchron pulsieren wie in einem geheimen Code oder den großen Blättern des Catalpa-Baumes, hinter dem sie ihr BiPOC-Kindergesicht verstecken konnte, davon erzählt die Autorin in wunderhübschen kleinen Anekdoten in diesem Buch. Es sind meist wenige Seiten, die sie einem…

„Zami. Eine neue Schreibweise meines Namens“ von Audre Lorde.

„Zami. Auf Carriacou ein Name für Frauen, die als Freundinnen und Liebende zusammenhalten.“ Audre Lorde berichtet in diesem Memoir offen, authentisch und immer wieder sehr poetisch über ihre Kindheit im Harlem der Dreißiger Jahre, ihre Jugend in den Vierziger und ihre Entwicklung zu der schwarzen, lesbischen Kämpferin, die wir in ihren Büchern entdecken können, in…

„Die Odyssee“ von Lara Williams 

Ein seltsamer, fremder und befremdlicher Roman über Orientierungslosigkeit und Selbstwertverlust, der an Bord eines Kreuzfahrtschiffs spielt, auf dem Ingrid und ihre Freunde zur Crew gehören. Es bleibt vieles im Ungefähren, während man Ingrid bei ihrem alltäglichen Schichtdienst zunächst im Bord-Shop und später im Nagelstudio folgt. In ihrer Freizeit hängt sie mit Mia und Ezra ab…

„Am liebsten sitzen alle in der Küche“ von Julia Karnick

Almut, die frisch geschiedene Hausfrau, kocht gern und richtet ihre kleine Wohnung, die sie nach der Scheidung bezieht, wie in „Schöner wohnen“ ein. Tille, alleinerziehende Urologin, die sich auf Männerpenisse spezialisiert hat, um ihre Eltern zu ärgern, muss sich mit einer Anzeige des unsympathischen Syphilis-Verbreiters Frederik herumschlagen. Yeliz, superassimiliertes „Ausländerkind“ und erfolgreiche Werbefachfrau setzt sich…

„Lehne deine Einsamkeit sanft an meine“ von Klara Hveberg

Eine Liebesgeschichte zwischen Mathematikern kann nur etwas ganz Besonderes sein. So besteht  dieser Roman aus  unzähligen Textfragmenten, die Klara Hveberg zu einer Art geometrischen, künstlichen Figur zusammensetzt, dieser etwas anderen Liebesgeschichte, die sie  auch als Einsamkeitsgeschichte bezeichnet. Rakel ist nicht nur Mathematikerin, sie ist Musikerin und liebt die Sprache und Literatur. Zudem leidet sie an…

„Linden Hills“ von Gloria Naylor

Die Amerikanische Autorin Gloria Naylor (1950-2016) stand in der Tradition von Ann Petry und Toni Morrison und gewann den American Book Award und den National Book Award mit ihren Büchern über die Black Community.  In diesem Roman schreibt sie über die Freunde Lester und Willie, die in den Achtziger Jahren in Linden Hills, einem Wohngebiet…

„Double booked – wenn die Liebe zweimal kommt“ von Lily Lindon

Ein absolut umwerfender Roman. Witzig, spannend und auch mal traurig. Ein ständiges dramatisches Auf und Ab, denn nichts Geringeres als die sexuelle Identität einer bisexuellen Musikerin wird hier verhandelt. Und das ist kompliziert und liest sich lustig, rührend, ironisch, streckenweise überspitzt und sehr empfehlenswert. Georgina ist seit sieben Jahren mit ihrem Freund Doug zusammen, als…

„Die leise Last der Dinge“ von Ruth Ozeki

Ein interessantes Konstrukt ist dieser Roman, der dieses Jahr mit dem Womens Prize for Fiction ausgezeichnet wurde und in dem das Buch, das wir lesen, in einen Dialog mit seiner Haupt-Figur tritt. Benny, dessen japanischstämmiger Vater, Jazzmusiker und große Liebe von Bennys Mutter, tot ist, hört Stimmen und seine Geschichte wird durch dieses Buch erzählt,…

„Was wir mit uns tragen“ von Amanda Gorman

In diesem eindrucksvollen Band sind die neuesten Gedichte der Ausnahmelyrikerin Amanda Gorman versammelt. Sie ist eine Art Shooting-Star der amerikanischen Schwarzen Lyrik geworden, seitdem sie eins ihrer Gedichte zur Inaugurationsfeier von Joe Biden 2021 vortragen durfte. Hier finden sich nun die zeitgemäßen Pandemie-Gedichte mit ihren eindringlichen Bildern von Isolation und innerem Rückzug. Doch es bleibt…

„Alles was bleibt – Mein Leben mit dem Tod“ von Sue Black

Sue Black ist forensische Anthropologin und sie hat ein wunderbares, lehrreiches und tatsächlich sogar unterhaltsames Buch über ihre Arbeit mit den Toten geschrieben. Darin lässt sie uns an ihrem eigenen Anatomie-Präpkurs genauso teilhaben wie an den Todesfällen in ihrer Familie und ihren persönlichen Gedanken zum Thema Sterben und Tod. Sie stellt uns den noch lebenden…

„Die Hundert Jahre von Lenni und Margot“ von Marianne Cronin

Was für ein wundervolles Buch! So liebevoll wie hier ist wohl selten vom Sterben erzählt worden. Lenni ist siebzehn und trifft auf der Palliativstation Margot, die dreiundachtzig ist und ebenfalls unheilbar krank. Sie treffen sich in der Kunsttherapie und beginnen, ihre Leben in Bildern zu erzählen und dabei lernen sie sich gegenseitig und wir Leser*innen…

„Die Liebenden von Bloomsbury -Virginia und die neue Zeit“ von Stefanie H. Martin

Als ich mich zuletzt an einen historischen Roman über eine meiner Lieblingsautorinnen (Jane Austen) gewagt habe, wurde ich ziemlich enttäuscht. Skepsis ist ein gnadenloser Euphemismus für das Gefühl, mit dem ich nun diesen ersten Band einer Trilogie über die Bloomsbury-Frauen beäugte. Es geht immerhin um Virginia Woolf, eine meiner Schrifstellerinnen-Ikonen! Aber ich konnte einfach nicht…

„Atemschaukel“ von Herta Müller

In diesem eindrucksvollen Werk erzählt die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller die Geschichte eines jungen Mannes, der kurz vor Kriegsende 1945 im Alter von 17 Jahren aus Rumänien nach Russland verschleppt wird und fünf Jahre im Zwangsarbeitslager verbringen muss. Dieser Roman ist mit den Erinnerungen Oscar Pastiors angereichert und der Erinnerung an ihre aus dem Arbeitslager entkommenen…

„Es hört nie auf, dass man etwas sagen muss“ von Antje Rávik Strubel

In diesen Texten, die teilweise überarbeitete Vorträge, Essays oder Artikel sind, die zwischen 2003 und 2022 entstanden, zeigt sich Antje Rávik Strubel unnachgiebig reflektiert in Fragen der Sprache, der Identität, der Gesellschaftskritik. „Vielleicht gefällt mir daran vor allem, dass das * kein Wort ist, keine Benennung im herkömmlichen Sinne, kein weiteres Label, das ein Leben…

„Intimitäten“ von Katie Kitamura

Die ganze Welt erscheint in diesem beeindruckenden Roman fremd, voll versteckter Demütigung und Zwang zu sein. Nicht nur im internationalen Gerichtshof, wo die Protagonistin als Übersetzerin arbeitet, auch hinter der gemütlichen Fassade Den Haags, auch in der Kunst, in Beziehungen, in Freundschaft. Es ist ein ruhiges Buch, dessen Bedrohlichkeit sich subtil und unausgesprochen zwischen den…

„Schiffsfieber“ von Andrea Barrett

In diesen meisterhaften Erzählungen, die u.a. mit dem National Book Award ausgezeichnet wurden, verknüpft die Autorin die großen Namen historischer Forscher wie Carl Linné, Mendel oder Darwin mit fiktiven Einzelschicksalen auf sowohl literarische als auch lehrreiche Art und Weise. Dabei nimmt sie beispielsweise die Perspektive der Enkeltochter eines Freundes von Mendel ein, oder die zweier…

„Die karierten Mädchen“ von Alexa Hennig von Lange

Dieses Buch lässt mich sehr zwiegespalten zurück. Einerseits bin ich der Meinung, dass Bücher zu Mitläufertum des Nationalsozialismus, wie es in unserem Land gang und gäbe war, wichtig und mutig sind, und einer besonderen literarischen Form bedürfen. Zudem finde ich die Grundkonstellation spannend, da die Rahmenhandlung mit den auf Kassette aufgenommenen Erinnerungen der Großmutter real…

„Herr Göttrup setzt sich hin“ von Sharon Dodua Otoo

Was für ein Freude, in diesem schmalen Büchlein Ada wiederzubegegnen, die ich aus dem fantastischen Roman „Adas Raum“ kannte. Ebenso die Körperlose Erzählstimme einer Kraft, die ihre Form wechseln kann. „Manchmal wache ich auf und denke: Heute bin ich ein Ei.“ Die Ähnlichkeiten zu diesem Buch sind nicht zu übersehen, denn diese Kurzgeschichte ist gewissermaßen…

„Freie Liebe“ von Tessa Hadley

Tessa Hadley geht in diesem Roman gleichzeitig unbarmherzig und nachsichtig mit ihren Figuren um, setzt ihre sympathischen ebenso wie ihre unsympathischen Eigenschaften zusammen zu den eindrücklichen Charakteren, die dieses Buch ausmachen: Phyllis Fisher, eine äußerst angepasste Vorstadtmutter, führt mit ihrem im Außenministerium angestellten Ehemann und ihren Kindern Hugh und Colette ein Vorort-Dasein in Bürgerlichkeit, in…

„Weißdornzeit“ von Melissa Harrison

Dieses ruhige Buch ist eine Ode an die Natur! Es beschreibt in wunderbaren Bildern Felder, Wälder und Wiesen rund um das kleine Örtchen Lodhill und das einfache Leben auf dem Land, das in unseren modernen Zeiten immer schwieriger wird. Dabei wählt Harrison sehr unterschiedliche Perspektiven, die sich zu einem mehrstimmigen Ganzen ergänzen und den kaum…

„Violeta“ von Isabel Allende

Wenn Isabel Allende zu erzählen beginnt, dann senkt sich, ob ich will oder nicht, eine ehrfürchtige Stille über meinem Inneren herab und ich folge ihren Worten, als lauschte ich einem Märchen, als säße ich auf dem Schoß meiner Großmutter, die eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass in diesem Roman eine Großmutter tatsächlich…

„Illusionen“ von Ruth Rehmann

Als Strohuttragender Fensterputzer nähert sich die auktoriale Erzählstimme dem gläsernen Kosmos, in dem die vier Protagonist*innen dieses Romans von Ruth Rehmann arbeiten, vom Fensterputzer beobachtet, analysiert und seziert. Diese ersten Seiten ihres Buches beginnt die Autorin mit der Beschreibung des harten, modernen Büro-Gebäudes, des Arbeitsplatzes ihrer Figuren, und stimmt damit auf ihren besonderen Ton in…

„Eine Feder auf dem Atem Gottes“ von Sigrid Nunez

Zerissenheit, Identität, Heimat und Familie, das sind die großen Themen in diesem autobiografischen Roman von Sirgrid Nunez.  Ein erstes Kapitel widmet sie ihrem chinesischstämmigen Vater, der den Namen seiner hispanisieren Mutter annahm. Er war ein kleiner, verschlossener, arbeitsamer Mensch, der vom Leben im Allgemeinen und seinen Töchtern im besonderen enttäuscht schien. Das zweite Kapitel ist…

„Hotel Seattle“ von Lily King

Sie ist eine außergewöhnliche Erzählerin und in der Kurzform dieser Geschichten, die im neuen Buch von Lily King versammelt sind, hat sie beinahe Perfektion erreicht. Hier gelingt es ihr, mit wenigen Strichen Figuren zu skizzieren, die in kurzweiligen Dialogen an Konturen gewinnen.  Ganz besonders mochte ich die Geschichte des introvertierten Buchhändlers Mitchell und seiner Angestellten,…

„Die Definition von Glück“ von Catherine Cusset

Cover und Titel haben mich bei diesem Buch vollkommen in die Irre geführt. Ich erwartete einen fröhlichen Sommerroman über zwei sich wieder findende Schwestern. Und ich bekam zwei nebeneinander her laufende Leben, eines geprägt von bürgerlicher Moral, eines von sexueller Freizügigkeit, die in Vergewaltigung und häusliche Gewalt führt. Alles beginnt auf der Beerdigung von Clarisse,…

„Dieser Beitrag wurde entfernt“ von Hanna Bervoets

Ein leichtgewichtiges Buch mit schwerem Inhalt. Es sind nur 100 Seiten und mehr braucht es nicht, das Thema zu beleuchten: Was passiert mit Menschen, die täglich gefährlichen, gewalttätigen, pornografischen Kontent aus dem Netz fischen und löschen? Wie geht das Gehirn damit um, dieser Flut an entstellter und entstellender Information ausgesetzt zu sein, ohne psychologische oder…

„Freundin bleibst du immer“ von Tomi Obaro

Ein wunderbarer Roman über Frauenfreundschaft und Sisterhood. Er spielt in Nigeria, wo drei alte Freundinnen sich anlässlich der Hochzeit einer ihrer Töchter nach langer Zeit wieder treffen. Das Buch ist in drei Teil eingeteilt, die mit der Ankunft und der Vorstellung der Personen beginnt. Dabei lässt uns die Autorin tief in eine bunte und lebhafte…

„Rosie“ von Rose Tremain

In diesem schmalen Band berichtet die große alte Dame der englischen Literatur von ihrer Kindheit und Jugend, und wie sie die Ablehnung ihrer Mutter überwinden musste, um sich und ihre Begabung und Passion fürs Schreiben zu finden. Zu ihrem Vater, einem Schriftsteller und Dramatiker, der die Familie verließ, als Rose zehn Jahre alt war, konnte…

„Yinka, wo bleibt dein Date?“ von Lizzie Damilola Blackburn

Eine Schwarze Bridget Jones? Ich hatte mir einiges davon versprochen, aber naja, überzeugen konnte mich dieser Entwicklungsroman nicht richtig. Positiv empfand ich das ganze Setting der Geschichte: Yinka ist eine moderne Londonerin mit nigerianischen Wurzeln, die in einer Investmentbank arbeitet, sich mit diversen weißen Kolleg* innen ebenso trifft wie mit Schwarzen Freundinnen und ihrer Familie.…

„Eine gefährlich Frau“ von Sonia Purnell

Ein Sachbuch, das sich beinahe liest, wie ein Roman! Sonia Purnell gelingt es in diesem exzellent recherchierten Werk, sowohl die komplexe politische Situation Frankreichs, Englands und der USA während des zweiten Weltkrieges darzustellen, aber auch diese junge, unerschrockene Person namens Virginia Hall abzubilden, die nach dem Verlust eines Beines dennoch die effektivste Spionin im besetzten…

„Ich glaube, ich liebe niemanden mehr“ von Francoise Sagan

Ein Tagebuch von Francoise Sagan: wie spannend! Diese weiblichen Nacktzeichnungen: völlig unpassend! Dieses Buch mit dem schönen Cover hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Die zweiundzwanzigjährige skandalöse und elegante Jungautorin Francoise Sagan, die sich gerne an der Geschwindigkeit ihres Aston Martin berauschte, hatte 1957 einen Autounfall und schwebte einige Tage aufgrund eines Schädelbruchs, zahlreicher Frakturen und…

„Hätte ich dein Gesicht“ von Frances Cha

Dieses Buch hat mich wirklich schockiert. Ich wusste nicht, dass es in Korea solche Parallelwelten gibt. Dass junge Frauen sich die Kiefer brechen lassen, um schön zu sein, viele junge Frauen, die davon träumen, reich und berühmt zu werden, die sich diese OPs gar nicht leisten können und durch die Schulden ihr Leben lang an…

„Am Rande der Glückseligkeit“ von Bettina Baltschev

Ein Sachbuch über den Strand, was kann es im Sommer schöneres geben? Allerdings geht es weder um biologische Vielfalt noch um Artensterben. Die Autorin wählt eine völlig andere Herangehensweise an diesen Sehnsuchtsort. Sie erklärt uns diese Küstenabschnitte aus einer kulturhistorischen Perspektive heraus und geht der Begeisterung der Menschen für die sandigen oder steinigen Landstreifen nach.…

„Was das Leben kostet“ von Deborah Levy

Ich liebe Deborah Levys Bücher einfach! Dieses autobiografisch inspirierte Buch über eine Frau um die Fünfzig, die den Neuanfang meistert, wartet mit überraschenden Einblicken, schönen Bildern und einer ständigen Reflexion des eigenen und des schreibenden Ichs auf. Es stellt die Fragen nach der weiblichen „Phantomrolle“ im Leben, im Buch, im Film und formuliert das Bedürfnis,…

„Ich und Jimmy“ von Clarice Lispector

„Die Zukunft, die wir hier eröffnen wollen, ist eine Schnur aus Metall. Etwas vorsätzlich Reduziertes. Von unserem ganzen Leben wird nichts anders bleiben, als diese Schnur.“ Es ist, als lebe die Autorin noch immer unter uns und als habe sie mit diesem ersten Satz einer ihrer großartigen Kurzgeschichten die aktuelle gesellschaftspolitische Situation unserer Zeit vorausgeahnt.…

„Writers & Lovers“ von Lily King

Ein Buch über das Schreiben, das Leben und das Lieben. Insbesondere ein Buch über das Autorinnen-Sein, die Misogynie und die Abwertung, die Bagatellisierung durch männliche Schreibkollegen. Casey hat einen Haufen Schulden, kellnert und ihre Mutter ist kürzlich gestorben. Trauer und Existenzängste treiben sie in summende Panikattacken und auch mit den Männern scheint sie nicht gerade…

„Städte aus Papier“ von Dominique Fortier

Was für ein wundervolles Buch! „Emily, Blütenherz“, so nennt Dominique Fortier die rätselhafte  Dichterin, der sie sich in diesem meisterhaften Text zu nähern sucht. Ein Text, der zwischen den erdichteten Papierwelten Emily Dickinsons und denen, die die Autorin für sie erfindet, schillert, wie ein Schmetterlingsflügel und ebenso leicht daherkommt. Dabei benötigt es Mut und Einfühlungsvermögen,…

„Die letzten Strahlen eines Sterns“ von Amanda Lee Koe

Dies ist ein Buch für Kinofans, das zwischen Hollywood, Paris und Berlin die Karrieren der drei Filmdiven Anna May Wong, Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl auffächert. Dabei werden tiefe Einblicke in die Filmindustrie der Weimarer Republik und Nazizeit gewährt. Beispielsweise durch Anekdoten vom Dreh Leni Riefenstahls „Tiefland“, der wie eine Flucht vor der Realität wirkt…




„Eine Rose allein“ von Muriel Barbery

Rose, die ihren japanischen Vater nie kennengelernt hat, fliegt nach Kyoto zu seiner Testamentseröffnung. Sie fühlt sich fremd, allein, einsam, da ihre Mutter und die geliebte Großmutter auch bereits verstorben sind. Paul, der Assistent ihres Vaters, führt sie, einer genauen Anweisung folgend, tagelang durch Stadt, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, bevor sie am Ende der Woche zum…


„Fishergirl‘s Luck“ von Sharon Gosling

Diesen sommerlichen Feel-Good-Roman habe ich sehr gerne gelesen, obgleich die Handlung vom ersten Kapitel an vorhersehbar war. Dennoch folgte ich Anna gerne nach Crovie, einem winzigen Ort an schottischer Küste, wo sie nach ihrer Trennung ein Haus gekauft hat. Anna ist Ende Dreißig und Sterneköchin und findet sich in unwirtlicher Landschaft in einem winzigen Haus…


„Die kleine Buchhandlung im alten Postamt“ von Rachael Lucas

Wer es leid ist, ständig von schlechten Nachrichten überrascht zu werden, dem kann ich diesen Feel-Good-Roman durchaus empfehlen: Hannah ist die fünfunddreißigjährige Mutter eines Teenagers, die ihr Leben bisher ganz der Familie gewidmet hat. Ihr Mann Phil, mit dem sie seit ihrem neunzehnten Lebensjahr verheiratet ist, arbeitet viel und ist kaum zu Hause. Sohn Ben…


„Gartenkünstlerinnen“ von Editha Weber

Sommerzeit ist Gartenzeit. In diesem hübschen Band stellt uns die Autorin in drei Kapiteln drei gleichermaßen innovative und ungewöhnliche Frauen vor, die ihr Leben der Schönheit von Blumen widmeten. Gertrude Jekyll, die grande Dame der Gartenkunst, begann sich erst im Alter von dreiundvierzig Jahren mit dem Gärtnern zu beschäftigen, nachdem sie zuvor die Malerei ,…




„Amelia“von Anna Burns

Dies ist der Debütroman von Anna Burns, bereits 2001 erschienen und erst jetzt ins Deutsche übersetzt, und er hat es in sich. Denn was als Kindheits- und Jugendgeschichte von Amelia Lovett im Irland der unruhigen Sechziger Jahre beginnt, wächst sich zu einem Alptraum an Gewalt aus. Es ist die gruselige Selbstverständlichkeit, mit der aus kindlicher…



„Annie John“ von Jamaica Kincaid

Jamaica Kincaid(*1949), die große karibisch-amerikanische  Schriftstellerin, hat autofiktionale Werke geschrieben, bevor es das Genre des Memoirs überhaupt gab. In diesem Roman schildert sie die Jugendjahre von Annie, die sie mit ihrer Familie, ebenso wie Kincaid selbst, in Antigua verbringt. Als ihre Mutter sie im Alter von zwölf Jahren als „ junge Dame“ bezeichnet und sich…


„Liebesheirat“ von Monica Ali

Alles scheint sich in diesem Buch um die Hochzeit von Yasmin und Joe zu drehen und Monica Ali weist in einer Einführung darauf hin, wie sehr sie Jane Austen verehrt. Doch die Liebesgeschichte ist nur die äußere Verpackung für diese vielschichtige Story zweier sehr unterschiedlicher Familien im heutigen London. Yasmins Eltern sind Migranten aus Bangladesh,…

„Die ungeduldigen Frauen“ von Djaili Amadou Amal

In diesem Buch, das mit dem Prix Goncourt des Lycéens 2020 ausgezeichnet wurde, werden die miteinander verknüpften Geschichten dreier Frauen aus Kamerun erzählt. Dabei wird die Kinderehe und Polygamie thematisiert, die das strenge patriarchale System des Landes stützen und die Frauen unterdrücken. Ramla hat den höheren Schulabschluss gemacht und träumt davon, Apothekerin zu werden, ihre…





„Aber es wird regnen“ von Clarice Lispector 

In diesem Buch ist der zweite Teil der Kurzprosa der wiederentdeckten, ukrainisch-stämmigen brasilianischen Autorin Clarice Lispector  (1920-1977) versammelt. Ich kannte sie vorher nicht, doch ihre Kurzgeschichten haben mich sofort überzeugt. Humorvoll, dicht und prägnant begegnen wir beispielsweise ihrem kindlichen Ich, das in ihrer Bücherliebe schmerzhaft manipulierbar wird. Andere Texte begleiten schlaglichtartig erst Küsse, Fantasien, Überlegungen…



„Babettes Gastmahl“ von Tania Blixen

Auf diese Neuübersetzung von Tania Blixen im Manesse- Verlag habe ich mich sehr gefreut, es ist eine kurze Erzählung von etwas mehr als 60 Seiten, der ein Nachwort von Erik Fosnes Hansen folgt, das ebenso lang ist. Er ist ein berühmter norwegischer Schriftsteller, hat sich auch als Gastrokritiker hervorgetan, und dennoch muss ich ihm widersprechen.…

„The Quartet“ von Clare Mac Cumhaill und Rachael Wiseman

Zwei moderne Philosophinnen haben hier ein wunderbares Buch über verstorbene Philosophinnen geschrieben, um diesem Fach eine weibliche Perspektive abzuringen, es zurückzuholen in die Wahrnehmung und den Geist moderner junger Frauen. Und es ist beinahe so etwas wie ein Roman geworden, wären da nicht die zahlreichen Verweise, das Namedropping und die Anspielungen, die es zu einer…


„Anna In. Eine Reise zu den Katakomben der Welt“ von Olga Tokarczuk

Olga Tokarczuk ist eine großartige Erzählerin, zurecht mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet, und hier fabuliert sie ebenso lustvoll wie grotesk den 4000 Jahre alten Sumerischen Mythos der Göttin Inanna in eine moderne Dystopie um. Was für eine Gedanken- und Sprachfeuerwerk!  „Die Welt setzt sich aus Gesichtspunkten zusammen, und ich bin einer davon.Ich werde erzählen, von ihnen…



„Papyrus“ von Irene Vallejo

In diesem unvergleichlichen Sachbuch lässt die Autorin die Idee zur großen Bibliothek Alexandrias im Kopf des großen Eroberers, der angeblich auf einer Ausgabe der „Ilias“ schlief, entstehen und die Abgesandten der späteren ägyptischen Könige Bücher rauben und kaufen, Schiffe Kapern und Ernten vernichten, um die Büchergier zu befriedigen und diese Bibliothek zu füllen. Dabei verwebt…


„Aufsässige Leben, schöne Experimente“ von Saidiya Hartmann

Ein bereicherndes, abwechslungsreiches, unterhaltsam kluges und sehr lesenswertes Buch hat Saidiya Hartmann hier verfasst. Anhand von Archivaufnahmen erdichtet die Autorin die Leben abgebildeter Schwarzer Frauen und Mädchen, als Gegenentwurf zu den Stichworten der Verurteilung, Bagatellisierung  und Kriminalisierung, die in dden Akten häufig vorkamen. Was waren die Geschichten hinter den Urteilen und Notizen? Diese Frage stellt…


„Detransition, Baby“ von Torrey Peters

Torrey Peters ist in diesem Buch eine sehr wahrhaftige Heldenreise gelungen. Die packende Geschichte des ehemals lesbisch lebenden trans Frauenpaares Reese und Amy. Sie trennten sich, als Amy wieder als Mann leben wollte, denn Identität, Rollenerwartungen und Verhalten, lösten eine große Unsicherheit bei ihr/ihm aus. „War das nicht die große Lektion seiner Transition und Detransition?…


„Mädchen auf den Felsen“ von Jane Gardam

Ich liebe die unaufgeregte, ruhige Erzählweise von Jane Gardam, die ihren Humor und die leise Ironie, die ihren Texten inne wohnt, niemals ausstellen würde, die ihren Romanen aber den unvergleichlichen Ton verleihen, der irgendwo zwischen Weisheit und Witz oszilliert. In ihrem Debüt- Roman, der erst jetzt auf deutsch erscheint, gelingt es ihr, indem sie überwiegend…


„Vor ihren Augen sahen sie Gott“ von Zora Neale Hurston

In diesem Klassiker der Schwarzen Literatur beschreibt Zora Neale Hurston (1891-1960) das Leben von Janie in den dreißiger Jahren in Amerika und vor allem ihre drei verschiedenen Ehen. Von der Mutter verlassen, da Kind einer Vergewaltigung, wuchs Janie bei ihrer Großmutter auf, mit dem hellen Hautton und den langen Haaren, die sie als Tochter eines…


„The Narrows“ von Ann Petry

Es geht um Männer und Frauen und um die Liebe. Aber da diese Geschichte im Amerika der Fünfziger Jahre spielt, geht es natürlich auch um Schwarz und Weiß, Rassendiskriminierung und Segregation und die gefährliche Grenze, die ein Schwarzer Mann überschreitet, der eine weiße, verheiratete und schwer reiche Frau liebt. Link ist naiv und verwirrt, adoptiert…

„Belles Amours“ von Louise de Vilmorin

Der französische Adelssproß Louise Vilmorin (1902-1969) war mit Antoine St.Exupéry verlobt und lebte mit Jean Cocteau und später mit André Malraux zusammen. In diesem Roman beschreibt sie einen irrwitzigen Liebes-Reigen, der sich um eine junge Frau dreht, die während aller Verwicklungen namenlos bleibt. Sie wird immer nur durch die sie umgebenden Männer definiert: als Braut…


„Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus

Bonnie Garmus hat einen historischen Roman geschrieben, der unterhaltsam, auf intelligente Weise spitzfindig, feministisch und erschreckend zeitgemäß ist. Denn obwohl er den Kampf einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter im Amerika der Sechziger Jahre beschreibt, kommen einem die Überforderung und die Misogynie sehr bekannt vor. „Entweder wollten sie sie kontrollieren, sie berühren, sie dominieren, sie mundtot machen,…


„Eine freie Frau“ von Leila Slimani und Clément Oubrerie

In dieser wunderbaren Grafic Novel geht es um die Ärztin Suzanne Noel (1878-1954), die als eine der ersten Frauen Medizin in Paris studierte und sich auf die ästhetische Chirurgie spezialisierte. Im ersten Weltkrieg verlor sie ihren Mann und danach arbeitete sie mit verschiedenen Mentoren an neuen Transplantationstechniken, um die zerstörten Gesichter der Soldaten wieder herzustellen. …


„Und jetzt Du“ von Tupoka Ogette

Ein ganz ganz wichtiges Buch, dieser Nachfolgeband von Tupoka Ogettes erster Veröffentlichung „Exit racism“! Denn nach einer sehr persönlichen Einführung, kommt sie ohne Umschweife auf ihr Anliegen: Zu zeigen, dass struktureller Rassismus so tief in den Köpfen von uns allen verankert ist, dass man selbst als kritischer Mensch, der Rassismus ablehnt, die Mechanismen dieser Denkmuster…


„Die Gesetzlose“ von Anna North

Dieser Bestseller aus dem Land der Cowboys ist ein feministischer Western, der sich wegliest wie geschnitten Brot. Eine Dystopie, im Jahre 1894 in Dakota angesiedelt, in dem nach einer Grippeepidemie die unfruchtbaren Frauen verfolgt und als Hexen diffamiert und gehängt werden. Ada, die Tochter einer Hebamme, die nach ihrer Hochzeit nicht schwanger wird, wird für…




„Bär“ von Marian Engel

Welch merkwürdig liebevoll-skurrile Geschichte wurde hier wiederentdeckt! Die Bibliothekarin Lou, die für eine Geschichtsgesellschaft in Kanada arbeitet, wird eines Sommers in ein Haus auf eine Insel in Nordkanada geschickt, um dort den Bibliotheksbestand eines Verstorbenen Colonel zu sichten. Es ist ein merkwürdiger Ort: ein oktagonales Haus, umgeben von Wasser, bewacht von einem alten Bären. Während…


„Wovon wir träumen“ von Lin Hierse

Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Tochter-Mutterliebe, die sich nach der Auswanderung von China nach Deutschland und der Geburt ihrer Tochter entwickelt.  Dabei kommen Zerissenheit sowie kulturelle und identitäre Unsicherheiten natürlich zur Sprache, doch es ist keine Erzählung von einer ewig unvollständigen Existenz. Keine Geschichte von Fehlen sondern von Fülle, von Träumen statt Traumata. Und…

„Eine gemeinsame Sache“ von Anne Tyler

Schnörkellos mit leichtem, trockenem Humor nimmt uns Anne Tyler ohne Kitschalarm in das Familienleben der Garrets mit, das von Individualisten und Distanz geprägt ist und das in seiner Rücksichtnahme auf die anderen doch stets den inneren Zusammenhalt und eigene Kraft unterschätzt. Beeindruckend unaufgeregt wirft die Meisterin der Familiengeschichten kurze Schlaglichter auf jeweils ein anderes Familienmitglied.…


„Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy

Was für ein grandioses Buch! Voller Liebe und Empathie für bedrohte und nicht bedrohte Tiere, Hasen und Wölfe und Pferde, voll schmerzhafter Anteilnahme an den Narben, die der Umwelt durch den Menschen geschlagen werden und die selbst einem hartgesottenen Holzfäller die Tränen in die Augen treibt. Und voller Gewalt. Die junge Biologin Inti ist wegen…

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„Mehr als ein Leben“ von Milena Moser

Es ist ein sehr amerikanischer Roman, gerade weil er sich immer wieder in Bezug setzt zur Schweiz, aus der nicht nur die Autorin stammt, sondern auch ihre beiden Hauptfiguren. Eigentlich ist es ursprünglich nur eine Figur, Helen, die sich Elaine nennt oder, in ihrem anderen Leben, Luna. Sie führt, abhängig von einer Entscheidung in ihrer…




„Was weiße Menschen jetzt tun können“ von Emma Dabiri

Als Schwarze Irin hat die Autorin ganz besondere Erfahrungen mit Rassismus in und stereotypen gegen Irland gemacht. Sie holt in weitem Bogen aus, um die Aus- und Nachwirkungen des Kolonialismus Englands, der Sklaverei und Rassentrennung in den USA auf die moderne Gesellschaft zu verdeutlichen. An erster Stelle, so ihre Forderung, sollte die Anerkennung des Rassismus…


„Und keiner spricht darüber“ von Patricia Lockwood

Das Internetportal ist der Ort ihres Ruhms. Dort wurde sie mit einem albernen Post berühmt und hält sich den ganzen Tag dort auf. Sie verbringt mehr Zeit mit dem Handy als mit ihrem Mann, nur nachts hängt sie ihren Kopf an den Haken, betrinkt sich, um abzuschalten, sich fallen lassen zu können. Manchmal hält sie…

„Singe ich, tanzen die Berge“ von Irene Solà

Was für ein wunderbarer Roman! Kraftvoll, poetisch und melancholisch, voller Verhängnis und voller Liebe.  Am Anfang sprechen die  Wolken und eine junge verwitwete Mutter erzählt. Die Geister alter Frauen melden sich zu Wort, ebenso der dichtende Bauer, der gerade vom Blitz erschlagen wurde. In diesem mehrstimmig erzählten Buch entsteht die Geschichte der Pyrenäen, ihrer Wälder…


„D-Zugdritter Klasse“ von Irmgard Keun

Es ist 1937 und Lenchen sitzt mit ihrem Freund Karl und seiner Erbschaft von neuntausend Mark im Zug von Berlin nach Paris. Eigentlich wollen sie weiter in die Schweiz, aber Lenchen soll ihre etwas verrückte Tante Camilla zu einer Tante nach Paris begleiten, die Verwandten in Potsdam mussten sie schon zu lange erdulden. Zudem soll…

„Ein simpler Eingriff“ von Yael Inokai

Was für ein Buch! Aufgrund ihres Mitgefühls wird sie ausgewählt und dieses Mitgefühl ist es, das der Krankenschwester Meret zu schaffen macht. Denn sie wird Komplizin bei dem Persönlichkeitsverändernden Eingriff, der aus wütenden Frauen zahme Lämmlein macht, während Männer, Chirurgen beispielsweise, ihren Jähzorn wie ein besonderes Abzeichen vor sich hertragen. Sich nicht einmal genieren oder…

„Das Mädchen mit dem Drachen“ von Laetitia Colombani

Lena kam nach Indien, um einen Schicksalschlag zu verarbeiten und die Trauer um ihren Mann zu lindern. Die Küste Bengalens war sein Traumziel gewesen und nun sucht sie diesen Ort alleine auf und erkennt schnell ihren Fehler. Die Menschenmengen und das Klima Indiens überfordern sie. Es ist kein Paradies sondern ein überfülltes Land, in dem…

„Meter pro Sekunde“ von Stine Pilgaard

Eine junge Frau verschlägt es nach Westjütland, sie hat gerade ein Baby bekommen, auf dessen Namen sie sich nicht festlegen kann, denn eine große Unsicherheit hat sich ihrer bemächtigt. Ihr Freund wird Lehrer in der Heimvolkshochschule, wo Musik, Literatur, Ökologie und vieles mehr gelehrt wird, sie bekommt den Job als Kummerkastentante beim Lokalblatt und verteilt…


„In all deinen Farben“ von Bolu Babalola

Die Verbrecherkönigin Nofretete, die fliegende Kriegerin Siya, die Medienmanipulatorin Scherezade oder Psyche, die fleißige Assistentin, die eine eigene Show bekommt, sie alle sind starke Frauen und sie stehen auf schöne Männer. Da bleibt kein Auge oder andere Körperregionen trocken, wenn diese muskulös oder musikalisch tanzen, kämpfen oder diskutieren. Sie verlieben und umkreisen sich, necken und…

„Wie sollte man ein Buch lesen?“ von Virginia Woolf

Diesem kurzen Essay über das Lesen und das Beurteilen eines Buches ist das schöne Vorwort der kanadischen Schriftstellerin Sheila Heti vorangestellt, dass freundlich überleitet, einführt, erklärt.  Doch natürlich wirkt auch der großartige Text Virginia Woolfs für sich allein, stellt mit lässigen Bildern und böser Zunge die professionellen Kritiker auf den Prüfstand.  „Da die Kritik zwangsläufig…

„Die Geschichte meiner Sexualität“ von Tobi Lakmaker

Als er diesen Autobiografischen Roman schrieb, hieß der Autor noch Sofie. Das verleiht der ganzen Geschichte den gewissen Glanz, die Faszination eines Perspektivwechsels, der Rollenerwartungen und – Verhalten ironisch bricht.  „Wie schön muss es sein, als Mann durchs Leben zu gehen. Die Leute gucken echt, ob du nickst, wisst ihr, wenn du ein Mann bist.“…


„Die Eistaucher“ von Kaska Bryla

Dieser Roman lässt mich zwiespältig zurück. Einprägsame Figuren, diese jugendlichen  Außenseiter, das sind sie schon: Die schöne Jess, die Frauen liebt, Iga mit ihrem Longboard, die ihre Französischlehrerin liebt. Sasa, der Iga liebt und Ras, der Halluzinationen hat und Gedichte schreibt. Dazu die Lyriknerds, die Mutproben erfinden für diejenigen, die keine Gedichte kennen und bei…

„Der Duft der Blumen bei Nacht“ von Leila Slimani

Dieses Buch über das Schreiben spielt in einem Museum.Leila Slimani hat in der Punta della Dogana in Venedig zwischen modernen Kunstwerken eine schlaflose Nacht verbracht, und was ihr dabei in den Sinn kam, während sie zwischen Skulpturen von Tatiana Trouvé , Objekten von Ethel Adnan oder Photographien von Berenice Abbott wandelte, sind Gedanken über Kunst…

„Der Duft von wilden Erdbeeren“ von Angela Thirkell

Lady Emily versammelt im Sommer gerne ihre Familie um sich,kommt stets zu spät zur Kirche und treibt mit ihrer Kopflosigkeit nicht nur Pater Banister zur Weißglut. Ihr sechzehnjähriger Enkel Martin soll dieses Jahr bei ihrem Mann in die Leitung des Gutes eingeführt werden, denn sein Vater, ihr ältester Sohn starb im ersten Weltkrieg und Martin…

„Ketala“ von Fatou Diome

Memoria ist tot und ihre Habseligkeiten sollen aufgeteilt werden. Sie war als junge Frau nach Frankreich gegangen und erst kürzlich zurück nach Dakar gekommen. Sie hinterlässt keine Familie, weshalb die Aufteilung der Gegenstände, das sogenannte Ketala, eine Woche nach ihrem Tod durch entfernte Angehörige vollzogen werden soll.  Hier nimmt diese originelle Geschichte ihren Anfang, denn…

„Ich, Ellyn“ von Nell Leyshon

Die Geschichte des Bauernmädchens Ellyn, das in Dreck und Matsch lebt und sich danach sehnt, zu singen. Ihre ungewöhnliche Stimme wird bemerkt und sie gibt sich als Junge aus, um im Chor aufgenommen zu werden. Denn Mädchen, nein, Mädchen sind dumm und dreckig, ihnen ist jede Bildung verwehrt. Es ist gewöhnungsbedürftig, dieses Buch, das über…

„Das Ikarus Mädchen“ von Helen Oyeyemi

Dies ist das Debüt von Helen Oyeyemi und es ist so phantasie- und liebevoll geschrieben, dass es mich restlos begeistern konnte: Jessamy fliegt mit ihren Eltern nach Nigeria, der Heimat ihrer Mutter Sarah. Diese war nach England geschickt worden, um Medizin zu studieren, hatte sich dann aber für Englische Literatur entschieden. Sie ist nun Autorin…

„Harriet Tubman“ von Anne Petry

Manche Bücher haben eine magische Anziehungskraft, und wenn diese einer Biografie innewohnt, ist das wirklich bemerkenswert. Ann Petry gelingt dieses Kunststück. Sie beschreibt hier die Lebensgeschichte der ehemaligen Sklavin, Fluchthelferin und Kämpferin Harriet Tubman so eindringlich und authentisch, so abenteuerlich wie einen Roman. Harriet wird 1820 als Araminta Ross auf einer Sklavenfarm in Maryland geboren…

„Zusammenkunft“ von Natasha Brown

Was für ein Debüt! Alle Hymnen, die in England darauf gesungen wurden, sind wahr, verdient, berechtigt.In schmerzhaft poetischer Sprache transportiert die Autorin eine Subjektivität, die sich um Objektivität bemüht. Die sich selbst relativiert, was umso grausamer ist, weil man dabei zusieht, wie sich das Verderben entwickelt. Was bedeutet Assimilation in der weißen Männerwelt für eine…

„Butter“ von Asako Yzuki

Die Journalistin Rika möchte die Food-Bloggerin Manako Kajii interviewen, die wegen des Verdachts auf Ermordung mehrerer Ihrer Liebhaber im Gefängnis sitzt. Ihr Fall erregte großes Medieninteresse, denn sie ist weder schlank noch schön und schien die Männer mit ihren Kochkünsten verführt zu haben.  Rika ist beeindruckt von ihrem Selbstbewusstsein und der Selbstakzeptanz dieser Frau, die…

„Vita &Virginia“ von Alexandra Lavizzari

„Orlando“ – das ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Freundschaftsbiografie. Dieses Buch, das auch als literarische Liebeserklärung gedeutet wurde von der berühmten englischen Schriftstellerin Virginia Woolf an die ebenso bekannte Romanautorin und Dichterin Vita Sackville-West, dient als Aufhänger, um diese durchaus auch erotische Freundschaft auszuleuchten.  Ein schöner Kniff, denn tatsächlich ist dieses literarisches Denkmal ein…

„Mein Bruder“ von Jamaica Kincaid

Auf der Insel Antigua liegt ihr Bruder im Sterben. Er hat AIDS. „Es war eine Tatsache, dass er an einem Ort lebte, wo die Regierung, die aus Leuten seiner Hautfarbe, seiner Rasse bestand, korrupt war und sich nicht darum kümmerte, ob er oder andere wie er lebten oder starben.“ Jamaica Kincaid, die sich in Vermont…

„Nach Mitternacht“ von Irmgard Keun

Mit der kindlichen Naivität einer jungen Frau, die noch nicht viel gesehen, aber das Herz auf dem rechten Fleck hat, erzählt Irmgard Keun diese Geschichte. Sie schrieb sie 1937 bereits aus dem Exil heraus, da ihre Bücher schon 1933 verboten und verbrannt wurden. Trotz der unterhaltsam-satirischen Herangehensweise zeichnet sie ein düsteres Bild von der heraufziehenden…

„Honey Girl“ von Morgan Rogers

Eine queere Lovestory mit BIPOC Personal und Anklängen an Cinderella hat es in das Programm des dtv geschafft. Wie schön. Und wie unterhaltsam. Aber nicht nur. Denn der Plot ist doch für eine Überraschung gut. Zunächst kommt sie leichtfüßig daher, diese Geschichte: ein wenig Chicklit mit besten Freundinnen, ein wenig Heldenreise und familiäre Beziehungsprobleme mit…

„Manifesto – Warum ich niemals aufgebe“ von Bernardine Evaristo 

Eine britische Lehrerin heiratet Anfang der Fünfziger Jahre einen nigerianischen Arbeiter und bekommt mit ihm acht Kinder, von denen eines Bernardine Mobolaji heißt und zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen wurde. Geprägt von täglichem Rassismus und britischem Klassismus wächst sie in London auf und entwickelt sich zu einer unangepassten Kämpferin. Sie assimiliert sich über die Sprache…

„Die Tochter“ von Kim Hye-Jin

Mutter und Tochter haben sich entfremdet, als die Dreißigjährige aus finanziellen Gründen wieder bei ihrer Mutter einziehen muss. Sie ist Universitätsdozentin und lebt mit ihrer Lebensgefährtin seit sieben Jahren zusammen. Als die beiden bei der Mutter auftauchen, steht die Welt für diese Kopf. Homosexuell? Lesbisch? „Worte, die ich niemals von ihr hören wollte. Sie treffen…

„Montag oder Dienstag“ von Virginia Woolf

Eine Gesellschaft junger Mädchen die sich darin einig sind „dass das Ziel des Lebens darin bestand, gute Menschen und gute Bücher hervorzubringen.“ Es kommt beinahe Pyjama-Party-Stimmung auf, so frech und respektlos ziehen sie über die Männer her. Ein Besuch in einem Geisterhaus, dazwischen spielerische Verbalakrobatik über das Grün und das Blau. Ein Tag in Kew…

„Serge“ von Yasmina Reza

Yasmina Reza ist eine Meisterin des Dialogs und der bourgeoisen jüdischen Familiengeschichten. In diesem Roman erzählt sie von den gealterten Geschwistern Jean, Serge und Nana, die nach dem Tod ihrer Mutter gemeinsam mit Serges Tochter auf deren Wunsch hin nach Auschwitz fahren. Das Andenken an die familiären Opfer, an die Shoah, den Holocaust, war von…

„Löwenzahnwirbelsturm in Orange“ von Tamar Tandaschwili

Es fühlt sich nicht an wie ein Roman, denn dieses Buch ist innerlich unruhig, ich möchte beinahe sagen zerbrochen, ähnlich vielen seiner Protagonisten, die hier nichts als Schmerz und Verachtung erfahren. Als roter Faden zieht sich vielleicht die Person der Psychologin Eka durch das Buch, die hin und wieder auftaucht und der einige dieser teilweise…

„Überwintern“ von Katherine May

Dies ist kein Ratgeber und auch kein Therapiebuch. Es ist eine Essay-Sammlung zum Thema Winter im buchstäblichen und im übertragenen Sinn.   Gedanken zum Leben im allgemeinen und in schwierigen Zeiten, mit wissenswerten Informationen und persönlichen Anekdoten zu einer gut lesbaren Mixtur gebraut, die wie ein literarisches Elixier die Lebensgeister in den dunklen Monaten wachhalten…

„Was du nicht hast, das brauchst du nicht“ von Helen Oyeyemi

Diese Geschichten, die lose miteinander verknüpft sind durch die Protagonisten oder das wiederkehrende Detail eines Schlüssels, erzählen vom Leben unterschiedlichster Menschen in unterschiedlichen Zeiten, Orten, Seelenzuständen. Ihr BIPOC- Personal erlebt keinen Rassismus und die queeren Liebespaare treten so unbehelligt selbstverständlich auf, dass einen ein beinahe Märchenhaftes Gefühl beschleicht. „Für mich ist Rowan männlich, weil er…

„Tea Time bei Mrs. Morland“ von Angela Thirkell

Angela Thirkell (1890-1961) war eine bekannte britische Autorin, die in den 30ger – 50ger Jahren Bestseller schrieb, die im fiktiven Barsetshire Anthony Throllopes spielten. Hierzulande sind von diesen 29 Romanen erst zwei auf deutsch erschienen, doch diese strotzen nur so vor ironischer Britishness und stellen starke Frauenfiguren in den Mittelpunkt. In diesem wunderbaren Winterbuch geht…

„Heisse Milch“ von Deborah Levy

Deborah Leavy hat hier eine wunderbare Mutter-Tochter-Geschichte geschrieben. Unterhaltsam, tiefgründig und schmerzhaft, voller Liebe und Verzweiflung.  Sofia ist Mitte zwanzig und begleitet ihre Mutter nach Spanien zu einem Wunderdoktor, der die unerklärlichen Lähmungserscheinungen ihrer Füße heilen soll. Misstrauisch stellen sie fest, dass er eine ganz eigene Art hat, sich dieser Krankheit zu nähern. Während ihre…

„Hundepark“ von Sofi Oksanen

Ein schwieriges Buch. Nicht nur bezüglich der verknüpften Themen: die Orange Revolution in der Ukraine und der neu aufgeflackerte Krimkrieg mit Russland aus Sicht einer Eizell-Dealerin erzählt. Und es ist ziemlich umständlich erzählt. Ich bin erst gar nicht richtig reingekommen in die Geschichte, die ständig in den Zeiten springt, die wenige Jahre auseinander liegen aber…

„The Hill We Climb“ von Amanda Gorman

Dieses Gedicht ist einzigartig und modern und die Tatsache, dass es von der jüngsten Dichterin, die je bei einer Inauguration vortragen durfte, stammt, macht es zu etwas ganz Besonderem. Die Jugend und Hoffnung zwischen den Zeilen, die in den Abgrund blickten, das auch. Diese Zeilen, die zum Amtsantritt Joe Bidens erklangen und nach Jahren eines…

„Die Anderen“ von Laila Lalami

Wow! Ist das jetzt ein Krimi gewesen? Oder eine Einwandererungsgeschichte? Oder doch ein Familienroman? Auf jeden Fall kommt Liebe drin vor. Aber Hass leider auch. Und Antimuslimischer Rassismus. Es kommt Flucht und Hoffnung vor, Stärke und Schwäche und die schwierigen Kompromisse, die das Leben den Menschen abverlangt. All das hängt an einem Unfall mit Fahrerflucht,…

„Carpentaria“ von Alexis Wright

Wortgewaltig und ausführlich schreibt die Autorin ein Opus über einen Ort in Australien, das von magischem Realismus durchweht wird. Geister, Mythen, Obsessionen finden Platz in dieser Erzählung, die modern und dennoch uralt erscheint und von Rassismus und Unterdrückung und der Kraft und Lebendigkeit der indigenen Bevölkerung Australiens erzählt. Elias, ein Mann aus dem Meer, kommt…

„1000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel

Ich liebe es, wenn Autorinnen Experimente wagen und das hat Olivia Wenzel in ihrem Debütroman „1000 Serpentinen der Angst“ wunderbar furchtlos getan:  Ein verschlungener Weg, eine Geschichte in Kreisen und Kurven, immer wieder auf bestimmte Themen zurückkommend, trotz der Volten zerrissen, mal als Fragende, mal als Befragte. In den Fragen und Antworten dieses Buches steckt…

„Übungen im Fremdsein“ von Olga Tokarczuk 

Diese Autorin hat es mir wirklich angetan. Ich liebe ihren Stil, ihre Bilder und ihre Gedanken. Und daher habe ich auch ihre Essays und Reden verschlungen, die in diesem Buch versammelt sind. Ich folgte begeistert ihren Lektüren und Überlegungen zum Lesen und Schreiben. Natürlich hat Tokarczuk, die als Psychologin arbeitete, viel Psychologisches in ihrem Leben…

„Autobiographie eines Familienfotos“ von Jacqueline Woodson

„Diese Welt kann Millionen Mädchen in ihren Armen halten. Diese Welt kann sie alle fallenlassen.“ In diesem autobiografisch inspirierten Roman wirft die Autorin schlaglichtartig in kurzen Szenen einen Blick auf das Leben eines heranwachsenden schwarzen Mädchens in Brooklyn. Der Vater fährt Taxi, die Mutter leidet an intermittierender Melancholie, der große Bruder versteckt seine Stöckelschuhe und…

„Helles Land“ von Mary E. Garner

Da ich nicht wirklich oft Fantasy lese, habe ich immer ein wenig Mühe, in eine Fantasy-Welt einzusteigen. Es dauert, bis ich mich nicht mehr an einigen Namen oder Strukturen störe und mich an die Umstände gewöhnt habe, die hier so detailreich beschrieben werden. Bei diesem Buch ging es relativ schnell, denn Frauen, die mit Bäumen…

„Jane Austen und die Kunst der Worte“ von Catherine Bell

In diesem Roman lässt die Autorin Catherine Bell eine der bekanntesten Romanautorinnen Englands auferstehen. Sie versucht eine Verbindung herzustellen zwischen dem Leben dieser Pfarrerstochter und ihren Romanen, lässt eins ins andere übergehen, dazwischen sind Absätze von Briefen an Janes ältere Schwester Cassandra gestreut. Natürlich gibt es einen Ball und dann folgen weitere und wir lernen…

„Vom Verachtetwerden oder Drei Guineen“ von Virginia Woolf

In diesem Essay von 1938, einem Nachfolgewerk von „Ein Zimmer für sich allein“, formuliert Virginia Woolf in Form von drei Briefen eine Antwort auf die Frage, wie ein Krieg mit Hilfe gebildeter Frauen zu verhindern sei. Dabei kommt sie zwangsläufig auf die noch immer – trotz Wahlrecht – herrschende Benachteiligung der Frau in Form geringerem…

„Ein eigenes Haus“ von Deborah Levy

Anhand ihres aufkeimenden Wunsches, ein eigenes Haus, ein Refugium zu besitzen, das ihren Bedürfnissen als Schriftstellerin und als alleinstehende Frau entsprach, ein altes Haus mit einem Granatapfelbaum im Garten und einem Flussufer, legt Deborah Levy eine Spur durch ihre Gedanken. Anhand dieser Überlegungen beleuchtet sie ihr Leben im Besonderen und ganz allgemein die Rolle der…

„Freunde und Helden“ von Olivia Manning

Dieser dritte Teil von Olivia Mannings Balkan-Trilogie spielt in Athen, nachdem zunächst Harriet allein und später ihr Mann Guy Pringle aus dem von den Deutschen besetzten Bukarest geflohen sind. Sie arbeiteten dort als britische Expats an der englischen Schule, und als Guy versucht, auch in Athen wieder eine Anstellung zu bekommen, scheitert er zunächst kläglich…

„Tage- und Notizbücher“ von Patricia Highsmith

Patricias Highsmiths Tage- und Notizbücher erstmals auf deutsch! Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Diese komplexe Persönlichkeit hat mich schon immer fasziniert, ganz abgesehen von ihren hochpsychologischen Romanen. Hier also macht sie sich Gedanken über das Lesen und Schreiben, das Leben im allgemeinen und das Lieben im Besonderen. Zunächst noch Highschool-Schülerin, die auf das…

„Von Büchern und Inseln“ von Louise Erdrich

Mit einem alten blauen Minivan macht sich die Autorin mit ihrer kleinen Tochter Kiizhikok „Himmelsfrau“ auf zu den Seen im kanadischen Ojibwe-Gebiet. Die Felsmalereien auf den vielen, vielen Inseln will sie sich ansehen und in ihnen lesen, wie in Büchern. Sie ist auf der Spur dieser alten indigenen Überlieferungen, die lange Zeit unterdrückt, übermalt und…

„Die Blackwell-Schwestern“ von Janice P. Nimura

„Wollte sie ein leuchtendes Beispiel sein, dann durfte sie sich nicht verstecken. Sie hatte nie ein Mann sein wollen, strebte vielmehr danach, als Frau denselben Respekt zu bekommen und dieselbe Freiheit zu genießen, die für Männer selbstverständlich waren.“ In dieser äußerst gut geschriebenen, beinahe wie ein historischer Roman lesbaren und detailliert recherchierten Doppelbiografie der Schwestern…

„Die Unzertrennlichen“ von Simone de Beauvoir

Die erste Liebe ist die zur besten Freundin. Die Eifersucht auf ihren ersten Freund, die Wut auf die strengen Eltern, all dies erlebt Sylvie in ihrer engen Beziehung zu Andrée, die sie als kleines Mädchen im katholischen Collège kennenlernt. In diesem frühen Roman hat Simone de Beauvoir ihrer Freundin Zaza und ihrer Liebe zu ihr,…

„Schwierige Frauen“ von Roxane Gay

Schwierig sind hier nicht die Frauen. Es sind die Umstände. Roxane Gay macht mit ihren kurzen Einblicken in das Leben sehr unterschiedlicher Frauen klar, dass es die Lebenssituationen sind, die Aktionen und Reaktionen der Menschen bestimmen. In diesem Buch die der Mädchen und Frauen. Manche von ihnen erfahren Glück und Liebe, viele von ihnen Rassismus…

„Das Institut in Riga“ von Uta von Arnim

Was für ein beeindruckend konsequentes, persönlich mutiges Buch, das Zeugnis einer familiären Recherche zur Nazivergangenheit des Großvaters! Uta von Arnim ist es geglückt, die grausame Vergangenheit und die Verbrechen ihres Großvaters in einer gelungen Mischung von sachlichem Bericht und persönlichen Einsichten geradezu literarisch aufzubereiten und damit gut lesbar und erfahrbar zu machen. Ein wichtiges Faktum,…

„Oh, William!“ von Elizabeth Strout

„Trauern ist etwas, ja, etwas so Einsames, das ist vielleicht das Schlimmste daran. Als würde man an der Außenseite eines gläsernen Wolkenkratzers herunterrutschen, und keiner merkte es.“ Lucy Barton, eine Figur aus vorhergehenden Romanen von Elizabeth Strout, ist in ihren Sechzigern und kürzlich verwitwet. In diesem sehr psychologischem Buch begleitet sie ihren Ex-Mann William auf…

„Ein strahlendes Licht“ von Audre Lorde

„Ich schreibe hauptsächlich für jene Frauen, die nicht sprechen, die sich nicht mit Worten ausdrücken. Weil sie – weil wir – solche Angst haben. Weil uns beigebracht wurde, die Angst wichtiger zu nehmen als uns selbst.“ Audre Lorde fing früh an, Gedichte zu schreiben, da war sie noch ein Mädchen. Später entwickelte sie sich zu…

„Bitterer Zucker“ von Avni Doshi

Eine herzzerreißende Mutter-Tochter-Geschichte, die das unerklärliche Band einer Liebe illustriert, das auch durch Vernachlässigung und Ignoranz nicht auflösbar erscheint. Atari kümmerst sich um ihre Mutter, die in ihren Fünfzigern an einer Form der Vergesslichkeit leidet, die alle Symptome von Alzheimer aufweist, aber keine entsprechenden Gehirnveränderungen. Wenn es aber nicht die Plaques sind, die sie all…

„Azadi heißt Freiheit“ von Arundhati Roy

In dieser Essaysammlung finden sich Aufsätze und Artikel der großen indischen Schriftstellerin und Denkerin Arundhati Roy, die auch als Friedensaktivistin von sich reden macht und ganz oben auf der langen Liste der Antinationalen ihres Landes geführt wird und das, wie sie sagt, nicht weil ihr Nachname mit A beginnt. „Die Infrastruktur des Faschismus starrt uns…

„Die militante Madonna“ von Irene Dische

Eine erstaunliche Trans-Geschichte erzählt sie hier, die große amerikanisch- österreichische Autorin. Die Geschichte des historischen Chevaliers d`Eon de Beaumont, einer Person, die in der Zeit Ludwigs des XV. lebte, in der Reifröcke und Turm-Perücken die Frauen zur Untätigkeit zwangen, wogegen Degen, Pferd und Stiefel die Unabhängigkeit der Männer in Militär und Gesellschaft ermöglichten. D `Eon…

„Schwarzes Herz“ von Jasmina Kuhnke

„Mein Stiefvater wurde zum ersten Mann, der versuchen sollte, mich zu brechen.“b So beginnt der eindrückliche Roman von Jasmina Kuhnke, der zeigt, was Rassismus und Misogynie in der Seele eines Menschen anrichten. Es ist die Geschichte der Ich-Erzählerin, Wunschkind ihrer kroatischstämmigen Mutter und ihres senegalesischen Vaters, den sie niemals kennenlernen sollte, da er früh verstarb.…

Aphra Behn Werkausgabe

Aphra Behn (1640-1689), die erste Frau, die vom Schreiben lebte, die Referenz-Figur in Virginia Woolfs „Ein Zimmer für sich allein“, war  ganz offensichtlich eine schillernde Person des siebzehnten Jahrhunderts. Sie arbeitete als Spionin für Charles II., verbrachte kurze Zeit im Gefängnis, bevor sie zu einer der wichtigsten Autorinnen ihrer Zeit wurde. Anders als Jane Austen,…

„Landschaft verschluckt“ von Deborah Levy

„Was nutzt ein nach innen gekehrtes Herz? Das ist ein einsames Zuhause. Es kennt jeden Riss in der Decke und jeden Fleck auf dem Teppich. Es muss nach draußen in die Wildnis galoppieren und vielleicht sogar dort sterben.“ Das ist einer der kryptisch poetischen Sätze in diesem kryptisch poetischen Buch, das mehr Fragen aufwirft als…

„Das tätowierte Herz“ von Angela Carter

Skurril und sarkastisch, phantastisch und immer ein wenig mit dem Irrsinn und mit literarischen Verweisen auf Dostojewski, Melville oder Dickens spielend, beschreibt Angela Carter die komplexen Beziehungen dreier junger Menschen. „Sie schlug die Augen auf, und eine Art Hunger, eine Art Verzweiflung in ihrem schmalen Gesicht  griffen nach Lees sehr weichem Herzen.“ Lee, von seinem…

„Quartett im Herbst“ von Barbara Pym

Vier Angestellte Anfang sechzig: der gottesfürchtige Witwer Edwin, der verweichlichte Junggeselle Norman, Marcia, nach dem Tod ihrer Mutter allein und krebskrank und die ledige „Letty, anspruchslos und verwelkt, gediegen und provinziell, immer noch Sorgfalt auf ihre Kleidung verwendend.“  Sie tauschen sich im Büro über Todesarten aus und sammeln Sonderangebote, nutzen die Bibliothek als Aufenthaltsort in…

„Wie schön wir waren“ von Imbolo Mbue

Natur versus Kapital, kleines afrikanisches Dorf gegen amerikanischen Ölkonzern. Ein Drama unter Mangobäumen, das vergiftete Kinder und ermordete Männer beschwört und das ganze Verbrechen amerikanischer Ölkonzerne in Afrika fiktionalisiert beschreibt. „Ich weiß nichts darüber, wie ein Mädchen Männer für ihre Taten bezahlen lässt, aber ich habe noch mein ganzes Leben lang Zeit, es herauszufinden.“ Das…

„Secondhand Time” von Svetlana Alexiewich

Eine zurecht gelobte und 2015 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnete Autorin, mir bis dahin völlig unbekannt, das muss ich vorausschicken!  Diese ihre poetischen Aufzeichnungen der Interviews mit russischen Menschen jeglicher Couleur, dieses vielstimmige Bild, zeigt eindringlich, melancholisch und immer wieder auf die Person fokussiert, tiefe Einblicke in die „russische Seele“, schildert sensibel die schwersten Schicksale und…

„Bestiarium“ von K-Ming Chang

Was für ein irres Buch! Eine Art Phantasiereise in die inneren Welten einer jungen taiwanischen Frau und ihrer Familie, die auf mäandernden, albtraumhaften Bahnen versucht, sich selbst zu begreifen und neu zu erdichten. Ein Großvater, der Goldbarren für die Auswanderung schluckte, die er in USA wieder ausschied , vergrub und beinahe nicht wieder fand. Eine…

„Die andere Hälfte der Welt“ von Christina Sweeney-Baird

Sorgen und Angst, familiäre Todesfälle und Quarantäne, Flugverbot und Ausnahmezustand, Lock-down und OP-Maske im Gesicht. Das sind die Szenarien, die erschreckend vertraut in diesem spannenden Roman über den Ausbruch einer Männermordenden Viruspandemie im nahen Jahr 2025 auftauchen. Multiperspektivisch wird der Kampf der Frauen um ihre Familien, Söhne, Ehemänner und Väter  beschrieben sowie die Verantwortung für…

„Frauen Literatur“ von Nicole Seifert

Oh, Ich bin wütend! Auf eine Gesellschaft, die aufgrund struktureller Misogynie kaum in der Lage scheint, sich zu ändern. Weder Literarisch noch politisch. Und Nicole Seifert zeigt, das sich das gegenseitig begründet und keine Frage ist, ob Frauen nun besser oder schlechter schreiben als Männer. „Vor dem Hintergrund der Sklaverei, der Kolonialgeschichte und der jahrhundertelangen…

„Der Schattenkönig“ von Maaza Mengiste

Was für ein grausames, wundersames Werk literarischen Geschichtsunterrichts!  In diesem außergewöhnlichen Roman wird von dem Anspruch des faschistischen Italien auf Kolonialisierung Äthiopiens und dem Abessinien-Krieg in den dreißiger Jahren erzählt, der sich bereits vor dem zweiten Weltkrieg mit Einverständnis des Völkerbundes dort abspielte.  „Der Krieg ist da. Er hat sich angeschlichen. Er marschiert auf ihn…

„Die letzte Bibliothek der Welt“ von Freya Sampson

Eine Portagonistin, die in ihrem Buchregal Adichie neben Alcott neben Angelou neben Austen stehen hat, ist mir natürlich auf Anhieb sympathisch. June ist Ende zwanzig, Bibliothekarin und lebt seit dem Tod ihrer Mutter, das zurückgezogene Leben eines modernen Blaustrumpfs. „Als Kind hatte sie immer geglaubt, jedes Buch habe seinen eigenen Geruch, je nach Inhalt, und…

„Die nicht sterben“ von Dana Grigorcea

Ein Vampirroman der etwas anderen Art. Atmosphärisch,surreal und politisch: Als die junge Ich-Erzählerin und Künstlerin aus Paris zurück in den kleinen Ort B. in Rumänien kommt, mit dem sie wunderschöne Kindheitserinnerungen verbindet, findet sie bei einer Beerdigung die grauenvoll verstümmelte Leichen eines ehemaligen Kindheitsfreundes. Ihre Großtante wurde im Kommunismus enteignet und bekam später ihre heruntergekommene…

„Der Gesang der Berge“ von Nguên Phan Quê Mai

Dieses Buch hat mich mitgenommen und berührt wie lange keine Familiensaga mehr. Empathisch, sprachmächtig und niemals verbittert erzählt die Vietnamesische Autorin die Geschichte ihres Landes anhand des Lebensweges einer tapferen Frau. „Ich war überzeugt, wenn die Menschen nur bereit wären, einander zu lesen und das Licht anderer Kulturen zu sehen, gäbe es auf der Welt…

„Der Geist von Tiger Bay“ von Nadifa Mohamed

Cardiff ist Anfang der Fünfziger Jahre ein Schmelztiegel internationaler Identitäten. In der walisischen Hafenstadt tummeln sich Matrosen und Arbeiter aus Jamaika, Somalia und anderen afrikanischen Staaten, Russen, Chinesen und jüdische oder westindische Familien, „Mädchen mit Großeltern aus vier Kontinenten“. Hier hält sich der somalische Ex-Matrose Mahmood mit Gelegenheitsjobs und Glücksspiel über Wasser, versucht Geld für…

„Sag dass du mich liebst, Junie Moon“ von Marjorie Kellogg

Wer auf der Suche nach einem Buch ist, das lustig und traurig ist und dennoch glücklich macht, dem kann ich nur diesen Roman von Marjorie Kellog (1922-2005) empfehlen. Sie war eine amerikanische Schriftstellerin und wurde mit diesem Werk 1968 bekannt. Darin schildert sie das Abenteuer dreier von Leben oder Krankheit beeinträchtigter Menschen, die aus der…

„Wo auch immer ihr seid“ von Khuê Pham

Die etwas andere Familiengeschichte, erzählt von einer deutschen Vietnamesin, die zur Testamentseröffnung der Oma zur Familie ihres Vaters nach Amerika fliegt. Sie kennt den Onkel kaum, die Tanten noch weniger, kann Vietnamesisch nur radebrechen und erst recht nicht lesen.  Diese Familie wurde zerrissen durch den Krieg in Vietnam, auf der Welt zerstreut und in großen…

„Wir sind dieser Staub“ von Elizabeth Wetmore

Was einer Vierzehnjährigen widerfährt, die im Texas der Siebziger Jahren zu einem Unbekannten ins Auto steigt und auf die einsamen Ölfelder fährt, bekommen wir gleich zu Anfang dieses Buches von der Autorin in beinahe poetischer Sprache  erzählt: „Eine Wachtel ruft. Es klingt, als sänge sie ihren Namen, und das Geräusch hebelt ganz sanft den Tag…

„Der Nachtwächter“ von Louise Erdrich

Louise Erdrich gelingt es auf sensationelle Weise, die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner zu formulieren, ohne melodramatisch zu werden oder eine Heldensaga zu verfassen. Sie lässt Internatsgeschichten, Alkoholismus im Reservat, den systematischen Missbrauch an indigenen Frauen anklingen, ohne sensationslüstern Einzelheiten auszubreiten. Ganz im Gegenteil. Mit liebevollen Details wie beispielsweise einem Wiegenbrett aus dem Holz des Lebensbaums…

„Geisterwand“ von Sarah Moss

Dieses kleine Buch besitzt eine beängstigende, durch die wunderbare Sprache tief berührende Wucht: Ein Archäologieprofessor möchte ein paar Wochen mit seinen Studenten im Wald in Nordthumberland leben wie in der Eisenzeit. Auch Silvie ist dort mit ihren Eltern, ihr Vater Busfahrer aber passionierter Hobbyhistoriker, ihre Mutter Kassiererin. Sie leben neben den Studenten in einer der…

„In Flammen“ von Megha Majumdar

Ein spannender, auf lakonische Art äußerst brutaler Roman, der im modernen Indien spielt und doch eine geradezu mittelalterliche Geschichte erzählt. Ihr geliebtes Handy hat die junge Jivan dazu verführt, einen regierungskritischen Post auf Face-Book zu veröffentlichen. Sie lebt mit ihren Eltern im Slum und ist stolz darauf, eine Anstellung in einem Bekleidungsgeschäft und eignes Geld…

„Alles wird gut“ von Nina Lykke

Ja, so mag ich das: eine alte Geschichte frisch erzählt, mit einer großen Portion Selbstironie, nicht ohne Sarkasmus und mit ein paar hübschen Metaphern garniert. Dieser Roman mit dem ausgeleierten, überstrapazierten Titel, den man ebenso wie die Protagonistin nicht ganz ernst nehmen sollte, wirft einen hinein in die Lebenskrise der Ärztin Elin. Sie ist über…

„Unsere unendlichen Tage“ von Claire Fuller

Dieser Roman ist vielschichtig und packend, voller Abgründe und Irrsinn. Er erzählt die Geschichte aus der Sicht von Peggy, die mit acht Jahren von ihrem Vater unter dem Vorwand einer Urlaubsreise aus England in eine einsame Hütte im bayrischen Wald entführt wurde, wo sie neun Jahre niemand fand, bis sie eines Tages verletzt in einem…

„Mai heißt Wasser“ von Kayo Mpoyi

Ich liebe kisuaheli, aber ich kannte bisher keine Autorin aus Zaire. Tataa! Das hat sich geändert:   Kayo Mpoyi, die in Kinshasa geboren wurde, lebt zwar seit ihrem 10.Lebensjahr in Schweden und hat mit diesem Debüt gleich einen wichtigen Schwedischen Literaturpreis gewonnen. Zurecht, wie ich finde. Die eingestreuten Swahili-Worte erzeugten einen Nachhall der Erinnerung in…

„Die Leuchtturmwärter“ von Emma Stonex

Dass in einem Leuchtturm nicht viel Action abgeht ist schon klar, irgendwie. Aber dass ich mich so langweilen würde, hätte ich nicht gedacht. Irgendwie bin ich in diesen Roman überhaupt nicht reingekommen. Er konnte mich nicht fesseln und trotz der zahlreichen Perspektivwechsel zog sich die Lektüre für mich wie Kaugummi. Womöglich lag es an dem…

„Alef“ von Katharina Höftmann Ciobotaru

Diese Familiengeschichte hat mich total überrascht, denn ich hatte eher eine Love-Story erwartet. Aber das Buch beginnt bei den Großeltern der in der DDR geborenen Maja und des Israelischen Eitan. So spinnt die Autorin zunächst ein Geflecht aus Familienbiografien, das sich von Deutschland und Bulgarien, über den Irak bis nach Israel erstreckt und aus dem…

„Rahel Varnhagen. Lebensbild einer Salonière“ von Dorothee Nolte

Ein kleines, feines Büchlein über die faszinierende Frau, die „das Leben auf sich regnen“ ließ: Rahel Varnhagen (1771-1833), geb. Levin, führte bereits im Elternhaus einen Salon in Berlin, als es diesen Begriff noch nicht einmal gab. Sie traf Schiller und Goethe, Fürst Pückler, Humboldt und Jean Paul und wurde von den zeitgenössischen Künstlern und Intellektuellen…

„Das Jahr, in dem wir verschwanden“ von Tayari Jones

Ein Buch über kollektive Angst, das wie ein Young Adult beginnt und ganz allmählich Beklemmungen aufbaut. In drei Teilen aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt Tayari Jones die wahre Geschichte eines Serienmordes an schwarzen Kindern im Atlanta der späten Siebziger Jahre.  Es beginnt mit den Schwestern Tasha und DeShaun, die die Trennung ihrer Eltern verkraften müssen,…

„Schöne Welt, wo bist du?“ von Sally Rooney

Deutlich und krass sind die Worte, die Sally Rooney für die Krisensituation findet, in der sich ihre Protagonistin Alice – und nicht nur sie –  bewegt: Klimakrise, politische Krisen, seelische Krise, soziale Krise. „Das 20.Jahrhundert kommt mir wie eine lange Frage vor, an deren Ende wir die falsche Antwort gegeben haben.Ist es nicht ein Unglück,…

„Ich bin dann mal bei mir“ von Verena Carl und Anne Otto

Der Titel ist grauenvoll und hatte mich eine Mischung aus Kalauern und Plattitüden im Susanne-Fröhlich-Stil befürchten lassen. Aber ich kenne die Schreibe von Verena Carl und mochte sie schon immer und wollte diesem Buch eine Chance geben. Ich wurde nicht enttäuscht. Denn in einer Mischung aus Selbstversuchs-Protokoll und populärwissenschaftlichen Erläuterungen in Form eines Briefwechsels gelingt…

„Der Mauersegler“ von Jasmin Schreiber

Ein wunderbares Buch! Eines, das von der Hybris der Menschen handelt, dem Hochmut eines Mediziners und seiner Flucht vor der Verantwortung.  Marvin, der Prometheus genannt werden will, hat seinen kranken Freund Jacob auf dem Gewissen, als er ihn in einer Studie behandelte und ihren Misserfolg vertuschte. Jetzt ist Jakob tot und Prometheus versucht, mit dem…

„Kleine Freuden“ von Clare Chambers

1957 ist Jean Ende dreißig, lebt bei ihrer unselbständigen Mutter und arbeitet als Journalistin bei einer Tageszeitung. Als eine gewisse Gretchen Tilbury sich meldet und behauptet, vor zehn Jahren ihre Tochter per Jungfernzeugung empfangen zu haben, beginnt Jean zu recherchieren. Dabei lernt sie auch die reizende Tochter und den Ehemann von Gretchen kennen und wird…

„Das Mädchen mit der lauternen Stimme“ von Abi Daré

Ein spannender Entwicklungsroman, der die Themen Kinderehe, Versklavung von Hausangestellten und Bildung für Mädchen im Nigeria der Gegenwart behandelt:  Adunni ist vierzehn, als sie die dritte Frau des Taxifahrer Morufu wird, der so alt ist, wie ihr Vater. Ihre Mutter ist tot, die ihr versprach, dass sie zu Schule gehen dürfe, um zu lernen. „Deine…

„Ein Raum aus Blättern“ von Kate Grenville

In diesem fiktiven Tagebuch der Elizabeth Macarthur hat die bekannte australische Autorin Kate Grenville einer der großen Frauenfiguren Australiens ein Denkmal gesetzt. Macarthur war als eine der ersten Frauen 1790 mit ihrem Ehemann in die Strafkolonie gereist und hat den Handel mit Schafswolle etabliert, und damit diesem Kontinent ihren Stempel aufgeprägt. Sie ziert die australischen…

„Der Panzer des Hummers“ von Caroline Albertine Minor

„Ein Zwiebelgeruch steigt aus der Erde auf, und in den lanzettförmigen Knospen der Buchenhecken, die sich farblich nicht von den glatten Zweigen abheben, drängen sich die Blätter zusammen wie Gäste einer Überraschungsparty.“ So klingt es, wenn Caroline Albertine Minor den Frühling beschreibt und ich finde das einfach großartig! In diesem Buch schildert sie, wie sich…

„Komplizinnen“ von Lola Lafon

Ein beeindruckender Roman über Kindesmissbrauch im Tanzmilieu, über Verdrängung und Vergessen, und vor allem das Verzeihen.Sich selbst und anderen: Cléo wohnt im Hochhaus einer französischen Banlieue in den Achtziger Jahren und träumt davon, Tänzerin zu werden. Sie wird von der eleganten Cathy „entdeckt“ und Männern zugeführt, die ihr schmeicheln und sie missbrauchen, ohne dass Cléo…

„Sein Name war Annabel“ von Kathleen Winter

In die enge Gemeinschaft der Trapperfamilien im kanadischen Labrador, zwischen Schneemonaten und heftigen, kurzen Sommern wird Treadway, halb Schotte halb Inuit, und seiner Frau Jacinta das erste und einzige Kind geboren. Es weist sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale auf, die sofort nach der Geburt mit einer Baumwolldecke versteckt und später operativ korrigiert werden, obwohl…

„Heiteres Wetter zur Hochzeit“ von Julia Strachey

Diese scharfzüngige Satire auf das bürgerliche Leben ist eine unterhaltsame Lektüre und für mich eine ganz besondere Entdeckung, da von Virginia Woolf gelobt und verlegt in ihrer Hogart-Press 1939.  Etwas verwirrend ist diese quirlige Hochzeitsgesellschaft zunächst schon, die sich in den zwanziger Jahren im Haus von Mrs. Thatcham am Tag der Hochzeit ihrer ältesten Tochter…

„Ein erhabenes Königreich“ von Yaa Gyasi

Sucht, diese leise schleichende Krankheit, schlängelt sich in das Leben von Familien und zersetzt sie mit ihrem Gift. Sorgt für Ohnmacht, Angst und Scham, die traumatisch und chronisch nicht nur das Leben der Abhängigen zerstören. So geht es Gifty, deren Bruder an einer Überdosis Heroin starb als sie zehn war und die nun als Neurowissenschaftlerin…

„Wieviel von diesen Hügeln ist Gold?“ von Cham Pam Zhang

Warum ein Western, fragte ich mich und doch war es mir sofort klar, als ich die ersten Seiten las. Nichts ist weißer, nichts amerikanischer und nichts männlicher und brutaler als der Goldrausch. Nichts bringt die gefährliche Seite des Kapitalismus, die Zerstörung ganzer Landstriche deutlicher zum Ausdruck als die Stollen, die Besessenheit, die rücksichtslose Gier dieser…

„Blaue Frau“ von Antje Ravik Strubel

„Sie taucht ihre Hände ins Meer. Ihre Augen werden vom Licht auf dem Wasser erfasst, und als sie die Hände hebt, sieht es aus, als würde sie sich ihr Spiegelbild vom Gesicht waschen. Langsam sinkt es auf den Grund.“ Alina lebt in Helsinki in einer unscheinbaren, möblierten Wohnung und plant, eine Anzeige zu machen. Geflohen…

„ Muttermilch“ von Melissa Broder

Rachel ist als eine American Jewish Princess von ihrer Mutter erzogen worden, trägt eine Kalorientabelle ins Hirn tätowiert und einen eigenartigen Selbsthass im Herzen, den sie als Comedian in witzige Pointen verwandelt. Sie arbeitet nach gescheitertem Schauspielstudium als Mädchen für alles in der Unterhaltungsindustrie von LA, doch ihre Mutter, die sie mit Telefonanrufen kontrolliert, ist…

„Blonde Roots“ von Bernardine Evaristo

Ein früheres Werk von Bernardine Evaristo, das ich allen nur empfehlen kann. Denn es ist unbeschreiblich, was sie mit diesem Buch in den Köpfen der Menschen anstellt, wie sie Tatsachen auf den Kopf stellt, Geschichte umschreibt, um neue Perspektiven erfahrbar zu machen. Sie dreht den Spieß einfach um. Schreibt nichts Geringeres als eine Dystopie in…

„Auszeit“ von Hannah Lühmann

Eine junge Frau nimmt wegen Überforderung eine Auszeit. Der Wehrwolf und seine Kulturgeschichte, das ist das Thema von Henriettes Dissertation. Sie steckt fest, kommt nicht weiter. Es ist aber auch ein beängstigendes Thema, man denkt an das große dunkle Tier, eine Art schwarzen Hund, man wundert sich etwas über diese platte Metapher für die Depression,…

„Der französische Gast“ von Dorothy Whipple

Dieses Buch, das erstmals in den Fünfziger Jahren veröffentlicht wurde und jetzt erst auf deutsch erscheint, hat natürlich das zu erwartende nostalgische Flair:  Wie in einem Film beschreibt es das zu perfekte bürgerliche Leben einer englischen Familie auf dem Land, der Vater Avery pendelt als Verleger nach London, die beiden Kinder Hugh und Anne sind…

„Thérèse und Isabelle“ von Violette Leduc

Diese Jugend. Diese Leidenschaft.Dieses Begehren! Violette Leduc ist hierzulande nicht wirklich ein Begriff, dabei war sie Zeitgenossin und Freundin von Simone deBeauvoir, doch ihre Bücher blieben auch in Frankreich lange in deren Schatten. Denn wie sie schrieb schien skandalös. Es waren die Fünfziger Jahre und sie schrieb wie keine Frau vor ihr, nannte die Dinge…

„Strände. Warum sie mich kaltlassen“ von Wanda Coleman

Wanda Coleman (1946-2013) war eine beeindruckende Dichterin, Essayistin und Romanautorin, die als erste afroamerikanische Frau 1999 den Lenore Marshall Poetry Prize der American Academy of Poets erhielt.  In diesem Buch, das erst kürzlich erschien, sind 120 ihrer Gedichte, Essays und „Briefe an eine große Schwester“ in der Übersetzung von Esther Ghionda-Breger versammelt, die eindringlicher und…

„Sommer“ von Ali Smith

Ali Smith, meine geliebte Sprachkünstlerin, hat ihre Tetralogie beendet und mich in faszinierenden Salti und Volten in ihre komplexe Geschichte „Sommer“ entführt.  Es ist ein verwirrendes, manchmal sogar wirres Buch. Und damit Spiegel der Zeit. Ein Buch, in dem einer Lehrerin ein Ziegelstein über den Kopf geschlagen wird, weil sie das ins Englische eingegangene deutsche…

„Miss Island“ von Audur Ava Ólafsdóttir

Die junge Hekla ist nach einem Vulkan benannt und unter ihrer Oberfläche brodelt es. Es ist eine hübsche Oberfläche, die meisten Menschen, insbesondere die Männer, finden Hekla schön. Aber sie lehnt es ab, an einer Miss-Wahl teilzunehmen, sie möchte Geld verdienen, um in Ruhe ihren dritten Roman und einige Gedichte zu schreiben. Es sind die…

„Die Hochzeit“ von Dorothy West

Unterhaltsam und nicht ohne Ironie für den Rassismus sowohl der Weißen als auch der schwarzen Community beschreibt Dorothy West (1907-1998),Mitbegründerin der Harlem Renaissance, den Tag der Hochzeit von Shelby Cole. Diese ist mit einem weißen brotlosen Musiker verlobt, anstatt einen erfolgreichen schwarzen Arzt zu ehelichen und enttäuscht damit beide Seiten ihrer sehr heterogenen Familie, ihre…

„Mr. Fortunes letztes Paradies“ von Sylvia Townsend Warner

Eine gelungene Satire voller Exzentrik in pointiertem und dennoch bildreichem Stil aus der Feder von Sylvia Townsend Wagner (1893- 1978), der Autorin von „Lolly Willows“: Ausgerüstet mit den Insignien britischer Lebensart, insbesondere einer Silbernen Teekanne und dem dazugehörigen Silberputzmittel, begibt sich ein alternder Missionar vor dem ersten Weltkrieg auf die Insel Fanua in Polynesien.  „Wie…

„Was wir scheinen“ von Hildegard E. Keller

Mit diesem beeindruckenden Roman lässt uns die Autorin hinter die Maske von Hannah Arendt schauen, einer Frau, die viel und absichtlich missverstanden wurde. Diese durch ihren Intellekt unnahbar scheinende Denkerin, die ich  Ketterauchend und harsch aus einer Filmbiografie mit Barbara Sukowa kannte und als Autorin durch ihr Buch über Rahel Varnhagen, sie wird in diesem…

„Die Frauen“ von Evie Wyld

Alles beginnt mit einer toten Frau und doch ist dies kein Krimi. Weitere tote Frauen säumen den Weg, den diese Geschichte nimmt. Und die Namenlosigkeit dieser Opfer irritiert nicht nur die Leser*innen, sie geistern durch die Leben und Häuser der Protagonistinnen dieser Erzählung, verwirren diese ebenfalls, teilweise bis hin zur Psychose. Es ist ein starkes…

„Wo niemand uns sehen kann“ von Bryn Chancellor

Dieses Buch hat mich sehr positiv überrascht, obgleich ich schon bei der Leseprobe begriff, dass diese Autorin mit liegt. Ich mag ihren Stil, die verschränkte, vielstimmige Erzählweise und die unmerkliche Art, wie sie ihre Figuren zu guten Bekannten der Leser*innen macht. „Jess schaute nach oben, und plötzlich war die Stille wie weggefegt. Der pechschwarze Himmel…

„Vom Ende eines Sommers“ von Melissa Harrison

Ein Buch, welches poetisch das harte Farmleben, das Ackern, Sähen, Mähen und Dreschen mit Pferdeflug, das Garbenbinden, das Feldausjäten, das Waschen von Hand beschreibt. Eine Geschichte, die einen schwülen Sommer heraufbeschwört, in dem sich für die junge Protagonistin alles verändert. Doch die trägen Tage, das gleichförmige arbeitsame Tagwerk wirken trotz der schönen Sprache langatmig, die…

„Die einzige Strasse“ von Astrid Rosenfeld

Ich liebe Astrid Rosenfelds Stil, seit ihr Trennungs-Roman „12 Mal Juli“ letztes Jahr eines meiner Highlights war. Dort hat sie es bereits geschafft, die Melancholie der Trennung im Einzelnen mit dem Aufspüren von Verbundenheit im Anderen zu lindern. In diesem ebenfalls sehr melancholischen Buch lernt man die Bewohner eines kleinen Bungalow-Parks kennen, die alle mehr…

„Dein ist das Reich“ von Katharina Döbler

Dieses Buch ist UNERTRÄGLICH und gerade deshalb so lesenswert! Die Namenlose Erzählerin führt in der Rahmenhandlung dieser Familiengeschichte Gespräche mit ihren Großmüttern, die in der deutschen Mission in Neuguinea im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts als Missionsbräute lebten. Es wird die Begutachtung und Verschiffung der Frauen wie Vieh im Namen des Herrn beschrieben und der…

„Der Tod des Vivek Oji“ von Akwaeke Emezi

„Ich bin nicht, wofür mich alle halten. Das war ich nie (…) Aber wenn dich niemand sieht, bist du überhaupt noch da?“ Nigeria in den Neunziger Jahren. Nicht gerade ein liberales Pflaster. Die Menschen sind noch geprägt von Bürgerkriegserfahrungen, die Mittelschicht überwiegend christlich erzogen, die Kinder bereiten sich auf ein Studium im Ausland vor, sie…

„Bei den Wölfen“ von Sarah Hall

Ein erstaunliches Buch, kraftvoll und bewegt, obgleich viel beobachtet wird und nur langsame Entwicklungen beschrieben werden. Es erzählt die Geschichte von Rachel, die als Wolfsspezialistin ein Rudel Wölfe in einem Bereich des Lake District auf dem Grundbesitz eines reichen exzentrischen Lords ansiedeln soll. Sie hat eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Bruder und…

„Female Choice – Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ von Meike Stoverock

Dieses sehr empfehlenswerte populäre Sachbuch ist eine unterhaltsame Einführung in die Reproduktionsbiologie und in die Folgen für die menschliche, insbesondere unsere androzentrische Gesellschaft. Auf den ersten Hundert Seiten wird zunächst einmal das Sexualverhalten im Tierreich anhand zahlreicher unterhaltsamer Beispiele erläutert, die Tatsache, dass Female Choice auf einem geringen Angebot an Eizellen und einem Überangebot an…

„Blütenschatten“ Annalena McAfee

Ich wollte dieses Buch mögen, denn eine Künstlerin in London das ist schonmal eine gute Voraussetzung, dass die Story meine wird. Doch irgendwie hat es nicht richtig gefunkt und ich denke, dass es einfach der Stil der Autorin ist, mit dem ich meine Probleme habe. Dabei ist er getragen, die Worte sind wohl gesetzt und…

„Die gefallene Stadt“ von Olivia Manning

Während des zweiten Weltkriegs leben 1940 Guy und Harriet Pringle in Bukarest und scheinen wie hypnotisierte Kaninchen dem zunehmenden Chaos und der Bedrohung der Stadt zuzusehen. Guy gibt Englisch-Kurse, die mit verzweifelt auf Visa wartenden Juden überfüllt sind, die sich in englischsprachige Länder flüchten wollen. Harriet schwankt zwischen abwartender Distanz der braven Ehefrau und dem…

„Such a fun age“ von Kiley Reid

Ein Unterhaltungsroman, der sich um Klassismus und Rassismus dreht, klang in meinen Ohren etwas schräg und anfangs war ich ziemlich unentschieden, ob das eine gute Idee ist. Emira, die schwarze Babysitterin der Weißen Bloggerin und Buchautorin Alix, die von New York nach Philadelphia gezogen ist, wird in einen rassistischen Vorfall verwickelt, als sie in einem…

„Always Happy Hour“ von Mary Miller

„Ich treibe auf einer billigen Luftmatratze, pink und schon etwas schlaff…“ So beginnt eine dieser beeindruckenden Kurzgeschichten, die von jungen Frauen sehr unterschiedlicher Art handeln, die alle auf ihre Art mit dem Leben und der Liebe ringen. Sie sind dysfunktional oder überängstlich, leben in emotionaler Abhängigkeit oder gehen völlig unbewegt oder in fortgeschrittener Einsamkeit durchs…