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Ein Buch-Blog

Herzlich Willkommen auf meinem Buch-Blog. Ich habe mich entschieden, hier ausschließlich Werke von Autorinnen vorzustellen, um Schriftstellerinnen zu unterstützen und die weibliche Perspektive, vorhandene Diversität und interessante Frauenfiguren besser sichtbar zu machen. Wie schön, dass ihre Bücher so unterschiedlich und vielseitig sind wie die Frauen, die sie schreiben!

Daher hoffe ich, dass es Dir niemals langweilig wird, zeitgenössische oder andere, womöglich ein wenig in Vergessenheit geratene, Schriftstellerinnen gemeinsam mit mir zu entdecken.

„Geschichte eines Kindes“ von Anna Kim

Der unehelich Sohn der jungen Carol, der 1953 in Amerika geboren wird, wirft Fragen nach der Herkunft des Vaters auf. Carol verwickelt sich in Widersprüche und wir folgen den Einträgen des Sozialamtes, dessen Mitarbeiterinnen wild über seine Abstammung und Ethnizität spekulieren. Indianische oder polnische Herkunft oder hat das Kind nicht doch eher negroide Züge?Der kleine„„Geschichte eines Kindes“ von Anna Kim“ weiterlesen

„Die Sonne so strahlend schwarz“ von Chantal-Fleur Sandjon

Ein Vers-Roman, packend und poetisch, neu und altmodisch in seiner an Jamben und Hexametern orientierten Gestalt, erzählt er ganz modern die uralte Geschichte der Liebe. Die biethnische Protagonistin Nova ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Cosmos aus häuslicher Gewalt vor dem weißen Vater geflohen. Im Haus einer Freundin beginnt sie ihr neues Leben zwischen„„Die Sonne so strahlend schwarz“ von Chantal-Fleur Sandjon“ weiterlesen

„Strega“ von Johanne Lykke Holm

Neun Mädchen in einem Hotel in den Bergen. Sie werden ausgebildet und werden gezüchtigt, an diesem merkwürdige verlassenen Ort oberhalb der Stadt Strega, was auf Italienisch „Hexe“heißt, zwischen Nonnenkloster und gefährlich spiegelndem See. Sie wurden von ihren Familien geschickt, um zu guten Haus- und Ehefrauen zu werden. Da spielt es keine Rolle, dass im Hotel„„Strega“ von Johanne Lykke Holm“ weiterlesen

„Welt der Wunder“ von Aimee Nezhukumatathil

Von Seenüssen, die tausende von Regenbögen unter Wasser erzeugen können, Vampir-Tintenfischen, die Meeresschnee essen, Glühwürmchen, die synchron pulsieren wie in einem geheimen Code oder den großen Blättern des Catalpa-Baumes, hinter dem sie ihr BiPOC-Kindergesicht verstecken konnte, davon erzählt die Autorin in wunderhübschen kleinen Anekdoten in diesem Buch. Es sind meist wenige Seiten, die sie einem„„Welt der Wunder“ von Aimee Nezhukumatathil“ weiterlesen

„Zami. Eine neue Schreibweise meines Namens“ von Audre Lorde.

„Zami. Auf Carriacou ein Name für Frauen, die als Freundinnen und Liebende zusammenhalten.“ Audre Lorde berichtet in diesem Memoir offen, authentisch und immer wieder sehr poetisch über ihre Kindheit im Harlem der Dreißiger Jahre, ihre Jugend in den Vierziger und ihre Entwicklung zu der schwarzen, lesbischen Kämpferin, die wir in ihren Büchern entdecken können, in„„Zami. Eine neue Schreibweise meines Namens“ von Audre Lorde.“ weiterlesen

„Die Odyssee“ von Lara Williams 

Ein seltsamer, fremder und befremdlicher Roman über Orientierungslosigkeit und Selbstwertverlust, der an Bord eines Kreuzfahrtschiffs spielt, auf dem Ingrid und ihre Freunde zur Crew gehören. Es bleibt vieles im Ungefähren, während man Ingrid bei ihrem alltäglichen Schichtdienst zunächst im Bord-Shop und später im Nagelstudio folgt. In ihrer Freizeit hängt sie mit Mia und Ezra ab„„Die Odyssee“ von Lara Williams „ weiterlesen

„Am liebsten sitzen alle in der Küche“ von Julia Karnick

Almut, die frisch geschiedene Hausfrau, kocht gern und richtet ihre kleine Wohnung, die sie nach der Scheidung bezieht, wie in „Schöner wohnen“ ein. Tille, alleinerziehende Urologin, die sich auf Männerpenisse spezialisiert hat, um ihre Eltern zu ärgern, muss sich mit einer Anzeige des unsympathischen Syphilis-Verbreiters Frederik herumschlagen. Yeliz, superassimiliertes „Ausländerkind“ und erfolgreiche Werbefachfrau setzt sich„„Am liebsten sitzen alle in der Küche“ von Julia Karnick“ weiterlesen

„Lehne deine Einsamkeit sanft an meine“ von Klara Hveberg

Eine Liebesgeschichte zwischen Mathematikern kann nur etwas ganz Besonderes sein. So besteht  dieser Roman aus  unzähligen Textfragmenten, die Klara Hveberg zu einer Art geometrischen, künstlichen Figur zusammensetzt, dieser etwas anderen Liebesgeschichte, die sie  auch als Einsamkeitsgeschichte bezeichnet. Rakel ist nicht nur Mathematikerin, sie ist Musikerin und liebt die Sprache und Literatur. Zudem leidet sie an„„Lehne deine Einsamkeit sanft an meine“ von Klara Hveberg“ weiterlesen

„Double booked – wenn die Liebe zweimal kommt“ von Lily Lindon

Ein absolut umwerfender Roman. Witzig, spannend und auch mal traurig. Ein ständiges dramatisches Auf und Ab, denn nichts Geringeres als die sexuelle Identität einer bisexuellen Musikerin wird hier verhandelt. Und das ist kompliziert und liest sich lustig, rührend, ironisch, streckenweise überspitzt und sehr empfehlenswert. Georgina ist seit sieben Jahren mit ihrem Freund Doug zusammen, als„„Double booked – wenn die Liebe zweimal kommt“ von Lily Lindon“ weiterlesen

„Die leise Last der Dinge“ von Ruth Ozeki

Ein interessantes Konstrukt ist dieser Roman, der dieses Jahr mit dem Womens Prize for Fiction ausgezeichnet wurde und in dem das Buch, das wir lesen, in einen Dialog mit seiner Haupt-Figur tritt. Benny, dessen japanischstämmiger Vater, Jazzmusiker und große Liebe von Bennys Mutter, tot ist, hört Stimmen und seine Geschichte wird durch dieses Buch erzählt,„„Die leise Last der Dinge“ von Ruth Ozeki“ weiterlesen

„Was wir mit uns tragen“ von Amanda Gorman

In diesem eindrucksvollen Band sind die neuesten Gedichte der Ausnahmelyrikerin Amanda Gorman versammelt. Sie ist eine Art Shooting-Star der amerikanischen Schwarzen Lyrik geworden, seitdem sie eins ihrer Gedichte zur Inaugurationsfeier von Joe Biden 2021 vortragen durfte. Hier finden sich nun die zeitgemäßen Pandemie-Gedichte mit ihren eindringlichen Bildern von Isolation und innerem Rückzug. Doch es bleibt„„Was wir mit uns tragen“ von Amanda Gorman“ weiterlesen

„Alles was bleibt – Mein Leben mit dem Tod“ von Sue Black

Sue Black ist forensische Anthropologin und sie hat ein wunderbares, lehrreiches und tatsächlich sogar unterhaltsames Buch über ihre Arbeit mit den Toten geschrieben. Darin lässt sie uns an ihrem eigenen Anatomie-Präpkurs genauso teilhaben wie an den Todesfällen in ihrer Familie und ihren persönlichen Gedanken zum Thema Sterben und Tod. Sie stellt uns den noch lebenden„„Alles was bleibt – Mein Leben mit dem Tod“ von Sue Black“ weiterlesen

„Die Hundert Jahre von Lenni und Margot“ von Marianne Cronin

Was für ein wundervolles Buch! So liebevoll wie hier ist wohl selten vom Sterben erzählt worden. Lenni ist siebzehn und trifft auf der Palliativstation Margot, die dreiundachtzig ist und ebenfalls unheilbar krank. Sie treffen sich in der Kunsttherapie und beginnen, ihre Leben in Bildern zu erzählen und dabei lernen sie sich gegenseitig und wir Leser*innen„„Die Hundert Jahre von Lenni und Margot“ von Marianne Cronin“ weiterlesen

„Die Liebenden von Bloomsbury -Virginia und die neue Zeit“ von Stefanie H. Martin

Als ich mich zuletzt an einen historischen Roman über eine meiner Lieblingsautorinnen (Jane Austen) gewagt habe, wurde ich ziemlich enttäuscht. Skepsis ist ein gnadenloser Euphemismus für das Gefühl, mit dem ich nun diesen ersten Band einer Trilogie über die Bloomsbury-Frauen beäugte. Es geht immerhin um Virginia Woolf, eine meiner Schrifstellerinnen-Ikonen! Aber ich konnte einfach nicht„„Die Liebenden von Bloomsbury -Virginia und die neue Zeit“ von Stefanie H. Martin“ weiterlesen

„Atemschaukel“ von Herta Müller

In diesem eindrucksvollen Werk erzählt die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller die Geschichte eines jungen Mannes, der kurz vor Kriegsende 1945 im Alter von 17 Jahren aus Rumänien nach Russland verschleppt wird und fünf Jahre im Zwangsarbeitslager verbringen muss. Dieser Roman ist mit den Erinnerungen Oscar Pastiors angereichert und der Erinnerung an ihre aus dem Arbeitslager entkommenen„„Atemschaukel“ von Herta Müller“ weiterlesen

„Es hört nie auf, dass man etwas sagen muss“ von Antje Rávik Strubel

In diesen Texten, die teilweise überarbeitete Vorträge, Essays oder Artikel sind, die zwischen 2003 und 2022 entstanden, zeigt sich Antje Rávik Strubel unnachgiebig reflektiert in Fragen der Sprache, der Identität, der Gesellschaftskritik. „Vielleicht gefällt mir daran vor allem, dass das * kein Wort ist, keine Benennung im herkömmlichen Sinne, kein weiteres Label, das ein Leben„„Es hört nie auf, dass man etwas sagen muss“ von Antje Rávik Strubel“ weiterlesen

„Intimitäten“ von Katie Kitamura

Die ganze Welt erscheint in diesem beeindruckenden Roman fremd, voll versteckter Demütigung und Zwang zu sein. Nicht nur im internationalen Gerichtshof, wo die Protagonistin als Übersetzerin arbeitet, auch hinter der gemütlichen Fassade Den Haags, auch in der Kunst, in Beziehungen, in Freundschaft. Es ist ein ruhiges Buch, dessen Bedrohlichkeit sich subtil und unausgesprochen zwischen den„„Intimitäten“ von Katie Kitamura“ weiterlesen

„Schiffsfieber“ von Andrea Barrett

In diesen meisterhaften Erzählungen, die u.a. mit dem National Book Award ausgezeichnet wurden, verknüpft die Autorin die großen Namen historischer Forscher wie Carl Linné, Mendel oder Darwin mit fiktiven Einzelschicksalen auf sowohl literarische als auch lehrreiche Art und Weise. Dabei nimmt sie beispielsweise die Perspektive der Enkeltochter eines Freundes von Mendel ein, oder die zweier„„Schiffsfieber“ von Andrea Barrett“ weiterlesen

„Die karierten Mädchen“ von Alexa Hennig von Lange

Dieses Buch lässt mich sehr zwiegespalten zurück. Einerseits bin ich der Meinung, dass Bücher zu Mitläufertum des Nationalsozialismus, wie es in unserem Land gang und gäbe war, wichtig und mutig sind, und einer besonderen literarischen Form bedürfen. Zudem finde ich die Grundkonstellation spannend, da die Rahmenhandlung mit den auf Kassette aufgenommenen Erinnerungen der Großmutter real„„Die karierten Mädchen“ von Alexa Hennig von Lange“ weiterlesen

„Herr Göttrup setzt sich hin“ von Sharon Dodua Otoo

Was für ein Freude, in diesem schmalen Büchlein Ada wiederzubegegnen, die ich aus dem fantastischen Roman „Adas Raum“ kannte. Ebenso die Körperlose Erzählstimme einer Kraft, die ihre Form wechseln kann. „Manchmal wache ich auf und denke: Heute bin ich ein Ei.“ Die Ähnlichkeiten zu diesem Buch sind nicht zu übersehen, denn diese Kurzgeschichte ist gewissermaßen„„Herr Göttrup setzt sich hin“ von Sharon Dodua Otoo“ weiterlesen

„Freie Liebe“ von Tessa Hadley

Tessa Hadley geht in diesem Roman gleichzeitig unbarmherzig und nachsichtig mit ihren Figuren um, setzt ihre sympathischen ebenso wie ihre unsympathischen Eigenschaften zusammen zu den eindrücklichen Charakteren, die dieses Buch ausmachen: Phyllis Fisher, eine äußerst angepasste Vorstadtmutter, führt mit ihrem im Außenministerium angestellten Ehemann und ihren Kindern Hugh und Colette ein Vorort-Dasein in Bürgerlichkeit, in„„Freie Liebe“ von Tessa Hadley“ weiterlesen

„Violeta“ von Isabel Allende

Wenn Isabel Allende zu erzählen beginnt, dann senkt sich, ob ich will oder nicht, eine ehrfürchtige Stille über meinem Inneren herab und ich folge ihren Worten, als lauschte ich einem Märchen, als säße ich auf dem Schoß meiner Großmutter, die eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass in diesem Roman eine Großmutter tatsächlich„„Violeta“ von Isabel Allende“ weiterlesen

„Illusionen“ von Ruth Rehmann

Als Strohuttragender Fensterputzer nähert sich die auktoriale Erzählstimme dem gläsernen Kosmos, in dem die vier Protagonist*innen dieses Romans von Ruth Rehmann arbeiten, vom Fensterputzer beobachtet, analysiert und seziert. Diese ersten Seiten ihres Buches beginnt die Autorin mit der Beschreibung des harten, modernen Büro-Gebäudes, des Arbeitsplatzes ihrer Figuren, und stimmt damit auf ihren besonderen Ton in„„Illusionen“ von Ruth Rehmann“ weiterlesen

„Eine Feder auf dem Atem Gottes“ von Sigrid Nunez

Zerissenheit, Identität, Heimat und Familie, das sind die großen Themen in diesem autobiografischen Roman von Sirgrid Nunez.  Ein erstes Kapitel widmet sie ihrem chinesischstämmigen Vater, der den Namen seiner hispanisieren Mutter annahm. Er war ein kleiner, verschlossener, arbeitsamer Mensch, der vom Leben im Allgemeinen und seinen Töchtern im besonderen enttäuscht schien. Das zweite Kapitel ist„„Eine Feder auf dem Atem Gottes“ von Sigrid Nunez“ weiterlesen

„Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Durchblick“ von Alexandra Potter

Wirklich ein ziemlich dämlicher Titel, finde ich, aber Bücher über einen Neuanfang haben immer eine gewisse Faszination für mich, daher wollte ich mal genauer wissen, worum es hier geht. In diesem Fall zieht die Londonerin Olivia nach ihrer Scheidung in die Yorckshire Dales, renoviert ein altes Cottage und nimmt einen alten Hund aus dem Tierheim„„Lieber mit dem Kopf durch die Wand als gar kein Durchblick“ von Alexandra Potter“ weiterlesen

„Hotel Seattle“ von Lily King

Sie ist eine außergewöhnliche Erzählerin und in der Kurzform dieser Geschichten, die im neuen Buch von Lily King versammelt sind, hat sie beinahe Perfektion erreicht. Hier gelingt es ihr, mit wenigen Strichen Figuren zu skizzieren, die in kurzweiligen Dialogen an Konturen gewinnen.  Ganz besonders mochte ich die Geschichte des introvertierten Buchhändlers Mitchell und seiner Angestellten,„„Hotel Seattle“ von Lily King“ weiterlesen

„Die Definition von Glück“ von Catherine Cusset

Cover und Titel haben mich bei diesem Buch vollkommen in die Irre geführt. Ich erwartete einen fröhlichen Sommerroman über zwei sich wieder findende Schwestern. Und ich bekam zwei nebeneinander her laufende Leben, eines geprägt von bürgerlicher Moral, eines von sexueller Freizügigkeit, die in Vergewaltigung und häusliche Gewalt führt. Alles beginnt auf der Beerdigung von Clarisse,„„Die Definition von Glück“ von Catherine Cusset“ weiterlesen

„Dieser Beitrag wurde entfernt“ von Hanna Bervoets

Ein leichtgewichtiges Buch mit schwerem Inhalt. Es sind nur 100 Seiten und mehr braucht es nicht, das Thema zu beleuchten: Was passiert mit Menschen, die täglich gefährlichen, gewalttätigen, pornografischen Kontent aus dem Netz fischen und löschen? Wie geht das Gehirn damit um, dieser Flut an entstellter und entstellender Information ausgesetzt zu sein, ohne psychologische oder„„Dieser Beitrag wurde entfernt“ von Hanna Bervoets“ weiterlesen

„Freundin bleibst du immer“ von Tomi Obaro

Ein wunderbarer Roman über Frauenfreundschaft und Sisterhood. Er spielt in Nigeria, wo drei alte Freundinnen sich anlässlich der Hochzeit einer ihrer Töchter nach langer Zeit wieder treffen. Das Buch ist in drei Teil eingeteilt, die mit der Ankunft und der Vorstellung der Personen beginnt. Dabei lässt uns die Autorin tief in eine bunte und lebhafte„„Freundin bleibst du immer“ von Tomi Obaro“ weiterlesen

„Rosie“ von Rose Tremain

In diesem schmalen Band berichtet die große alte Dame der englischen Literatur von ihrer Kindheit und Jugend, und wie sie die Ablehnung ihrer Mutter überwinden musste, um sich und ihre Begabung und Passion fürs Schreiben zu finden. Zu ihrem Vater, einem Schriftsteller und Dramatiker, der die Familie verließ, als Rose zehn Jahre alt war, konnte„„Rosie“ von Rose Tremain“ weiterlesen

„Yinka, wo bleibt dein Date?“ von Lizzie Damilola Blackburn

Eine Schwarze Bridget Jones? Ich hatte mir einiges davon versprochen, aber naja, überzeugen konnte mich dieser Entwicklungsroman nicht richtig. Positiv empfand ich das ganze Setting der Geschichte: Yinka ist eine moderne Londonerin mit nigerianischen Wurzeln, die in einer Investmentbank arbeitet, sich mit diversen weißen Kolleg* innen ebenso trifft wie mit Schwarzen Freundinnen und ihrer Familie.„„Yinka, wo bleibt dein Date?“ von Lizzie Damilola Blackburn“ weiterlesen

„Eine gefährlich Frau“ von Sonia Purnell

Ein Sachbuch, das sich beinahe liest, wie ein Roman! Sonia Purnell gelingt es in diesem exzellent recherchierten Werk, sowohl die komplexe politische Situation Frankreichs, Englands und der USA während des zweiten Weltkrieges darzustellen, aber auch diese junge, unerschrockene Person namens Virginia Hall abzubilden, die nach dem Verlust eines Beines dennoch die effektivste Spionin im besetzten„„Eine gefährlich Frau“ von Sonia Purnell“ weiterlesen

„Ich glaube, ich liebe niemanden mehr“ von Francoise Sagan

Ein Tagebuch von Francoise Sagan: wie spannend! Diese weiblichen Nacktzeichnungen: völlig unpassend! Dieses Buch mit dem schönen Cover hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Die zweiundzwanzigjährige skandalöse und elegante Jungautorin Francoise Sagan, die sich gerne an der Geschwindigkeit ihres Aston Martin berauschte, hatte 1957 einen Autounfall und schwebte einige Tage aufgrund eines Schädelbruchs, zahlreicher Frakturen und„„Ich glaube, ich liebe niemanden mehr“ von Francoise Sagan“ weiterlesen

„Am Rande der Glückseligkeit“ von Bettina Baltschev

Ein Sachbuch über den Strand, was kann es im Sommer schöneres geben? Allerdings geht es weder um biologische Vielfalt noch um Artensterben. Die Autorin wählt eine völlig andere Herangehensweise an diesen Sehnsuchtsort. Sie erklärt uns diese Küstenabschnitte aus einer kulturhistorischen Perspektive heraus und geht der Begeisterung der Menschen für die sandigen oder steinigen Landstreifen nach.„„Am Rande der Glückseligkeit“ von Bettina Baltschev“ weiterlesen

„Was das Leben kostet“ von Deborah Levy

Ich liebe Deborah Levys Bücher einfach! Dieses autobiografisch inspirierte Buch über eine Frau um die Fünfzig, die den Neuanfang meistert, wartet mit überraschenden Einblicken, schönen Bildern und einer ständigen Reflexion des eigenen und des schreibenden Ichs auf. Es stellt die Fragen nach der weiblichen „Phantomrolle“ im Leben, im Buch, im Film und formuliert das Bedürfnis,„„Was das Leben kostet“ von Deborah Levy“ weiterlesen

„Ich und Jimmy“ von Clarice Lispector

„Die Zukunft, die wir hier eröffnen wollen, ist eine Schnur aus Metall. Etwas vorsätzlich Reduziertes. Von unserem ganzen Leben wird nichts anders bleiben, als diese Schnur.“ Es ist, als lebe die Autorin noch immer unter uns und als habe sie mit diesem ersten Satz einer ihrer großartigen Kurzgeschichten die aktuelle gesellschaftspolitische Situation unserer Zeit vorausgeahnt.„„Ich und Jimmy“ von Clarice Lispector“ weiterlesen

„Writers & Lovers“ von Lily King

Ein Buch über das Schreiben, das Leben und das Lieben. Insbesondere ein Buch über das Autorinnen-Sein, die Misogynie und die Abwertung, die Bagatellisierung durch männliche Schreibkollegen. Casey hat einen Haufen Schulden, kellnert und ihre Mutter ist kürzlich gestorben. Trauer und Existenzängste treiben sie in summende Panikattacken und auch mit den Männern scheint sie nicht gerade„„Writers & Lovers“ von Lily King“ weiterlesen

„Städte aus Papier“ von Dominique Fortier

Was für ein wundervolles Buch! „Emily, Blütenherz“, so nennt Dominique Fortier die rätselhafte  Dichterin, der sie sich in diesem meisterhaften Text zu nähern sucht. Ein Text, der zwischen den erdichteten Papierwelten Emily Dickinsons und denen, die die Autorin für sie erfindet, schillert, wie ein Schmetterlingsflügel und ebenso leicht daherkommt. Dabei benötigt es Mut und Einfühlungsvermögen,„„Städte aus Papier“ von Dominique Fortier“ weiterlesen

„Die letzten Strahlen eines Sterns“ von Amanda Lee Koe

Dies ist ein Buch für Kinofans, das zwischen Hollywood, Paris und Berlin die Karrieren der drei Filmdiven Anna May Wong, Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl auffächert. Dabei werden tiefe Einblicke in die Filmindustrie der Weimarer Republik und Nazizeit gewährt. Beispielsweise durch Anekdoten vom Dreh Leni Riefenstahls „Tiefland“, der wie eine Flucht vor der Realität wirkt„„Die letzten Strahlen eines Sterns“ von Amanda Lee Koe“ weiterlesen




„Eine Rose allein“ von Muriel Barbery

Rose, die ihren japanischen Vater nie kennengelernt hat, fliegt nach Kyoto zu seiner Testamentseröffnung. Sie fühlt sich fremd, allein, einsam, da ihre Mutter und die geliebte Großmutter auch bereits verstorben sind. Paul, der Assistent ihres Vaters, führt sie, einer genauen Anweisung folgend, tagelang durch Stadt, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, bevor sie am Ende der Woche zum„„Eine Rose allein“ von Muriel Barbery“ weiterlesen


„Fishergirl‘s Luck“ von Sharon Gosling

Diesen sommerlichen Feel-Good-Roman habe ich sehr gerne gelesen, obgleich die Handlung vom ersten Kapitel an vorhersehbar war. Dennoch folgte ich Anna gerne nach Crovie, einem winzigen Ort an schottischer Küste, wo sie nach ihrer Trennung ein Haus gekauft hat. Anna ist Ende Dreißig und Sterneköchin und findet sich in unwirtlicher Landschaft in einem winzigen Haus„„Fishergirl‘s Luck“ von Sharon Gosling“ weiterlesen


„Die kleine Buchhandlung im alten Postamt“ von Rachael Lucas

Wer es leid ist, ständig von schlechten Nachrichten überrascht zu werden, dem kann ich diesen Feel-Good-Roman durchaus empfehlen: Hannah ist die fünfunddreißigjährige Mutter eines Teenagers, die ihr Leben bisher ganz der Familie gewidmet hat. Ihr Mann Phil, mit dem sie seit ihrem neunzehnten Lebensjahr verheiratet ist, arbeitet viel und ist kaum zu Hause. Sohn Ben„„Die kleine Buchhandlung im alten Postamt“ von Rachael Lucas“ weiterlesen


„Gartenkünstlerinnen“ von Editha Weber

Sommerzeit ist Gartenzeit. In diesem hübschen Band stellt uns die Autorin in drei Kapiteln drei gleichermaßen innovative und ungewöhnliche Frauen vor, die ihr Leben der Schönheit von Blumen widmeten. Gertrude Jekyll, die grande Dame der Gartenkunst, begann sich erst im Alter von dreiundvierzig Jahren mit dem Gärtnern zu beschäftigen, nachdem sie zuvor die Malerei ,„„Gartenkünstlerinnen“ von Editha Weber“ weiterlesen




„Amelia“von Anna Burns

Dies ist der Debütroman von Anna Burns, bereits 2001 erschienen und erst jetzt ins Deutsche übersetzt, und er hat es in sich. Denn was als Kindheits- und Jugendgeschichte von Amelia Lovett im Irland der unruhigen Sechziger Jahre beginnt, wächst sich zu einem Alptraum an Gewalt aus. Es ist die gruselige Selbstverständlichkeit, mit der aus kindlicher„„Amelia“von Anna Burns“ weiterlesen



„Annie John“ von Jamaica Kincaid

Jamaica Kincaid(*1949), die große karibisch-amerikanische  Schriftstellerin, hat autofiktionale Werke geschrieben, bevor es das Genre des Memoirs überhaupt gab. In diesem Roman schildert sie die Jugendjahre von Annie, die sie mit ihrer Familie, ebenso wie Kincaid selbst, in Antigua verbringt. Als ihre Mutter sie im Alter von zwölf Jahren als „ junge Dame“ bezeichnet und sich„„Annie John“ von Jamaica Kincaid“ weiterlesen


„Die ungeduldigen Frauen“ von Djaili Amadou Amal

In diesem Buch, das mit dem Prix Goncourt des Lycéens 2020 ausgezeichnet wurde, werden die miteinander verknüpften Geschichten dreier Frauen aus Kamerun erzählt. Dabei wird die Kinderehe und Polygamie thematisiert, die das strenge patriarchale System des Landes stützen und die Frauen unterdrücken. Ramla hat den höheren Schulabschluss gemacht und träumt davon, Apothekerin zu werden, ihre„„Die ungeduldigen Frauen“ von Djaili Amadou Amal“ weiterlesen





„Aber es wird regnen“ von Clarice Lispector 

In diesem Buch ist der zweite Teil der Kurzprosa der wiederentdeckten, ukrainisch-stämmigen brasilianischen Autorin Clarice Lispector  (1920-1977) versammelt. Ich kannte sie vorher nicht, doch ihre Kurzgeschichten haben mich sofort überzeugt. Humorvoll, dicht und prägnant begegnen wir beispielsweise ihrem kindlichen Ich, das in ihrer Bücherliebe schmerzhaft manipulierbar wird. Andere Texte begleiten schlaglichtartig erst Küsse, Fantasien, Überlegungen„„Aber es wird regnen“ von Clarice Lispector „ weiterlesen



„The Quartet“ von Clare Mac Cumhaill und Rachael Wiseman

Zwei moderne Philosophinnen haben hier ein wunderbares Buch über verstorbene Philosophinnen geschrieben, um diesem Fach eine weibliche Perspektive abzuringen, es zurückzuholen in die Wahrnehmung und den Geist moderner junger Frauen. Und es ist beinahe so etwas wie ein Roman geworden, wären da nicht die zahlreichen Verweise, das Namedropping und die Anspielungen, die es zu einer„„The Quartet“ von Clare Mac Cumhaill und Rachael Wiseman“ weiterlesen


„Anna In. Eine Reise zu den Katakomben der Welt“ von Olga Tokarczuk

Olga Tokarczuk ist eine großartige Erzählerin, zurecht mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet, und hier fabuliert sie ebenso lustvoll wie grotesk den 4000 Jahre alten Sumerischen Mythos der Göttin Inanna in eine moderne Dystopie um. Was für eine Gedanken- und Sprachfeuerwerk!  „Die Welt setzt sich aus Gesichtspunkten zusammen, und ich bin einer davon.Ich werde erzählen, von ihnen„„Anna In. Eine Reise zu den Katakomben der Welt“ von Olga Tokarczuk“ weiterlesen



„Papyrus“ von Irene Vallejo

In diesem unvergleichlichen Sachbuch lässt die Autorin die Idee zur großen Bibliothek Alexandrias im Kopf des großen Eroberers, der angeblich auf einer Ausgabe der „Ilias“ schlief, entstehen und die Abgesandten der späteren ägyptischen Könige Bücher rauben und kaufen, Schiffe Kapern und Ernten vernichten, um die Büchergier zu befriedigen und diese Bibliothek zu füllen. Dabei verwebt„„Papyrus“ von Irene Vallejo“ weiterlesen


„Aufsässige Leben, schöne Experimente“ von Saidiya Hartmann

Ein bereicherndes, abwechslungsreiches, unterhaltsam kluges und sehr lesenswertes Buch hat Saidiya Hartmann hier verfasst. Anhand von Archivaufnahmen erdichtet die Autorin die Leben abgebildeter Schwarzer Frauen und Mädchen, als Gegenentwurf zu den Stichworten der Verurteilung, Bagatellisierung  und Kriminalisierung, die in dden Akten häufig vorkamen. Was waren die Geschichten hinter den Urteilen und Notizen? Diese Frage stellt„„Aufsässige Leben, schöne Experimente“ von Saidiya Hartmann“ weiterlesen


„Detransition, Baby“ von Torrey Peters

Torrey Peters ist in diesem Buch eine sehr wahrhaftige Heldenreise gelungen. Die packende Geschichte des ehemals lesbisch lebenden trans Frauenpaares Reese und Amy. Sie trennten sich, als Amy wieder als Mann leben wollte, denn Identität, Rollenerwartungen und Verhalten, lösten eine große Unsicherheit bei ihr/ihm aus. „War das nicht die große Lektion seiner Transition und Detransition?„„Detransition, Baby“ von Torrey Peters“ weiterlesen


„Mädchen auf den Felsen“ von Jane Gardam

Ich liebe die unaufgeregte, ruhige Erzählweise von Jane Gardam, die ihren Humor und die leise Ironie, die ihren Texten inne wohnt, niemals ausstellen würde, die ihren Romanen aber den unvergleichlichen Ton verleihen, der irgendwo zwischen Weisheit und Witz oszilliert. In ihrem Debüt- Roman, der erst jetzt auf deutsch erscheint, gelingt es ihr, indem sie überwiegend„„Mädchen auf den Felsen“ von Jane Gardam“ weiterlesen


„Vor ihren Augen sahen sie Gott“ von Zora Neale Hurston

In diesem Klassiker der Schwarzen Literatur beschreibt Zora Neale Hurston (1891-1960) das Leben von Janie in den dreißiger Jahren in Amerika und vor allem ihre drei verschiedenen Ehen. Von der Mutter verlassen, da Kind einer Vergewaltigung, wuchs Janie bei ihrer Großmutter auf, mit dem hellen Hautton und den langen Haaren, die sie als Tochter eines„„Vor ihren Augen sahen sie Gott“ von Zora Neale Hurston“ weiterlesen


„The Narrows“ von Ann Petry

Es geht um Männer und Frauen und um die Liebe. Aber da diese Geschichte im Amerika der Fünfziger Jahre spielt, geht es natürlich auch um Schwarz und Weiß, Rassendiskriminierung und Segregation und die gefährliche Grenze, die ein Schwarzer Mann überschreitet, der eine weiße, verheiratete und schwer reiche Frau liebt. Link ist naiv und verwirrt, adoptiert„„The Narrows“ von Ann Petry“ weiterlesen

„Belles Amours“ von Louise de Vilmorin

Der französische Adelssproß Louise Vilmorin (1902-1969) war mit Antoine St.Exupéry verlobt und lebte mit Jean Cocteau und später mit André Malraux zusammen. In diesem Roman beschreibt sie einen irrwitzigen Liebes-Reigen, der sich um eine junge Frau dreht, die während aller Verwicklungen namenlos bleibt. Sie wird immer nur durch die sie umgebenden Männer definiert: als Braut„„Belles Amours“ von Louise de Vilmorin“ weiterlesen


„Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus

Bonnie Garmus hat einen historischen Roman geschrieben, der unterhaltsam, auf intelligente Weise spitzfindig, feministisch und erschreckend zeitgemäß ist. Denn obwohl er den Kampf einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter im Amerika der Sechziger Jahre beschreibt, kommen einem die Überforderung und die Misogynie sehr bekannt vor. „Entweder wollten sie sie kontrollieren, sie berühren, sie dominieren, sie mundtot machen,„„Eine Frage der Chemie“ von Bonnie Garmus“ weiterlesen


„Eine freie Frau“ von Leila Slimani und Clément Oubrerie

In dieser wunderbaren Grafic Novel geht es um die Ärztin Suzanne Noel (1878-1954), die als eine der ersten Frauen Medizin in Paris studierte und sich auf die ästhetische Chirurgie spezialisierte. Im ersten Weltkrieg verlor sie ihren Mann und danach arbeitete sie mit verschiedenen Mentoren an neuen Transplantationstechniken, um die zerstörten Gesichter der Soldaten wieder herzustellen. „„Eine freie Frau“ von Leila Slimani und Clément Oubrerie“ weiterlesen


„Und jetzt Du“ von Tupoka Ogette

Ein ganz ganz wichtiges Buch, dieser Nachfolgeband von Tupoka Ogettes erster Veröffentlichung „Exit racism“! Denn nach einer sehr persönlichen Einführung, kommt sie ohne Umschweife auf ihr Anliegen: Zu zeigen, dass struktureller Rassismus so tief in den Köpfen von uns allen verankert ist, dass man selbst als kritischer Mensch, der Rassismus ablehnt, die Mechanismen dieser Denkmuster„„Und jetzt Du“ von Tupoka Ogette“ weiterlesen





„Bär“ von Marian Engel

Welch merkwürdig liebevoll-skurrile Geschichte wurde hier wiederentdeckt! Die Bibliothekarin Lou, die für eine Geschichtsgesellschaft in Kanada arbeitet, wird eines Sommers in ein Haus auf eine Insel in Nordkanada geschickt, um dort den Bibliotheksbestand eines Verstorbenen Colonel zu sichten. Es ist ein merkwürdiger Ort: ein oktagonales Haus, umgeben von Wasser, bewacht von einem alten Bären. Während„„Bär“ von Marian Engel“ weiterlesen


„Wovon wir träumen“ von Lin Hierse

Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Tochter-Mutterliebe, die sich nach der Auswanderung von China nach Deutschland und der Geburt ihrer Tochter entwickelt.  Dabei kommen Zerissenheit sowie kulturelle und identitäre Unsicherheiten natürlich zur Sprache, doch es ist keine Erzählung von einer ewig unvollständigen Existenz. Keine Geschichte von Fehlen sondern von Fülle, von Träumen statt Traumata. Und„„Wovon wir träumen“ von Lin Hierse“ weiterlesen

„Eine gemeinsame Sache“ von Anne Tyler

Schnörkellos mit leichtem, trockenem Humor nimmt uns Anne Tyler ohne Kitschalarm in das Familienleben der Garrets mit, das von Individualisten und Distanz geprägt ist und das in seiner Rücksichtnahme auf die anderen doch stets den inneren Zusammenhalt und eigene Kraft unterschätzt. Beeindruckend unaufgeregt wirft die Meisterin der Familiengeschichten kurze Schlaglichter auf jeweils ein anderes Familienmitglied.„„Eine gemeinsame Sache“ von Anne Tyler“ weiterlesen


„Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy

Was für ein grandioses Buch! Voller Liebe und Empathie für bedrohte und nicht bedrohte Tiere, Hasen und Wölfe und Pferde, voll schmerzhafter Anteilnahme an den Narben, die der Umwelt durch den Menschen geschlagen werden und die selbst einem hartgesottenen Holzfäller die Tränen in die Augen treibt. Und voller Gewalt. Die junge Biologin Inti ist wegen„„Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy“ weiterlesen

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„Was weiße Menschen jetzt tun können“ von Emma Dabiri

Als Schwarze Irin hat die Autorin ganz besondere Erfahrungen mit Rassismus in und stereotypen gegen Irland gemacht. Sie holt in weitem Bogen aus, um die Aus- und Nachwirkungen des Kolonialismus Englands, der Sklaverei und Rassentrennung in den USA auf die moderne Gesellschaft zu verdeutlichen. An erster Stelle, so ihre Forderung, sollte die Anerkennung des Rassismus„„Was weiße Menschen jetzt tun können“ von Emma Dabiri“ weiterlesen


„Singe ich, tanzen die Berge“ von Irene Solà

Was für ein wunderbarer Roman! Kraftvoll, poetisch und melancholisch, voller Verhängnis und voller Liebe.  Am Anfang sprechen die  Wolken und eine junge verwitwete Mutter erzählt. Die Geister alter Frauen melden sich zu Wort, ebenso der dichtende Bauer, der gerade vom Blitz erschlagen wurde. In diesem mehrstimmig erzählten Buch entsteht die Geschichte der Pyrenäen, ihrer Wälder„„Singe ich, tanzen die Berge“ von Irene Solà“ weiterlesen


„Ein simpler Eingriff“ von Yael Inokai

Was für ein Buch! Aufgrund ihres Mitgefühls wird sie ausgewählt und dieses Mitgefühl ist es, das der Krankenschwester Meret zu schaffen macht. Denn sie wird Komplizin bei dem Persönlichkeitsverändernden Eingriff, der aus wütenden Frauen zahme Lämmlein macht, während Männer, Chirurgen beispielsweise, ihren Jähzorn wie ein besonderes Abzeichen vor sich hertragen. Sich nicht einmal genieren oder„„Ein simpler Eingriff“ von Yael Inokai“ weiterlesen

„Das Mädchen mit dem Drachen“ von Laetitia Colombani

Lena kam nach Indien, um einen Schicksalschlag zu verarbeiten und die Trauer um ihren Mann zu lindern. Die Küste Bengalens war sein Traumziel gewesen und nun sucht sie diesen Ort alleine auf und erkennt schnell ihren Fehler. Die Menschenmengen und das Klima Indiens überfordern sie. Es ist kein Paradies sondern ein überfülltes Land, in dem„„Das Mädchen mit dem Drachen“ von Laetitia Colombani“ weiterlesen

„Meter pro Sekunde“ von Stine Pilgaard

Eine junge Frau verschlägt es nach Westjütland, sie hat gerade ein Baby bekommen, auf dessen Namen sie sich nicht festlegen kann, denn eine große Unsicherheit hat sich ihrer bemächtigt. Ihr Freund wird Lehrer in der Heimvolkshochschule, wo Musik, Literatur, Ökologie und vieles mehr gelehrt wird, sie bekommt den Job als Kummerkastentante beim Lokalblatt und verteilt„„Meter pro Sekunde“ von Stine Pilgaard“ weiterlesen


„In all deinen Farben“ von Bolu Babalola

Die Verbrecherkönigin Nofretete, die fliegende Kriegerin Siya, die Medienmanipulatorin Scherezade oder Psyche, die fleißige Assistentin, die eine eigene Show bekommt, sie alle sind starke Frauen und sie stehen auf schöne Männer. Da bleibt kein Auge oder andere Körperregionen trocken, wenn diese muskulös oder musikalisch tanzen, kämpfen oder diskutieren. Sie verlieben und umkreisen sich, necken und„„In all deinen Farben“ von Bolu Babalola“ weiterlesen

„Wie sollte man ein Buch lesen?“ von Virginia Woolf

Diesem kurzen Essay über das Lesen und das Beurteilen eines Buches ist das schöne Vorwort der kanadischen Schriftstellerin Sheila Heti vorangestellt, dass freundlich überleitet, einführt, erklärt.  Doch natürlich wirkt auch der großartige Text Virginia Woolfs für sich allein, stellt mit lässigen Bildern und böser Zunge die professionellen Kritiker auf den Prüfstand.  „Da die Kritik zwangsläufig„„Wie sollte man ein Buch lesen?“ von Virginia Woolf“ weiterlesen

„Die Geschichte meiner Sexualität“ von Tobi Lakmaker

Als er diesen Autobiografischen Roman schrieb, hieß der Autor noch Sofie. Das verleiht der ganzen Geschichte den gewissen Glanz, die Faszination eines Perspektivwechsels, der Rollenerwartungen und – Verhalten ironisch bricht.  „Wie schön muss es sein, als Mann durchs Leben zu gehen. Die Leute gucken echt, ob du nickst, wisst ihr, wenn du ein Mann bist.“„„Die Geschichte meiner Sexualität“ von Tobi Lakmaker“ weiterlesen


„Die Eistaucher“ von Kaska Bryla

Dieser Roman lässt mich zwiespältig zurück. Einprägsame Figuren, diese jugendlichen  Außenseiter, das sind sie schon: Die schöne Jess, die Frauen liebt, Iga mit ihrem Longboard, die ihre Französischlehrerin liebt. Sasa, der Iga liebt und Ras, der Halluzinationen hat und Gedichte schreibt. Dazu die Lyriknerds, die Mutproben erfinden für diejenigen, die keine Gedichte kennen und bei„„Die Eistaucher“ von Kaska Bryla“ weiterlesen

„Der Duft der Blumen bei Nacht“ von Leila Slimani

Dieses Buch über das Schreiben spielt in einem Museum.Leila Slimani hat in der Punta della Dogana in Venedig zwischen modernen Kunstwerken eine schlaflose Nacht verbracht, und was ihr dabei in den Sinn kam, während sie zwischen Skulpturen von Tatiana Trouvé , Objekten von Ethel Adnan oder Photographien von Berenice Abbott wandelte, sind Gedanken über Kunst„„Der Duft der Blumen bei Nacht“ von Leila Slimani“ weiterlesen

„Der Duft von wilden Erdbeeren“ von Angela Thirkell

Lady Emily versammelt im Sommer gerne ihre Familie um sich,kommt stets zu spät zur Kirche und treibt mit ihrer Kopflosigkeit nicht nur Pater Banister zur Weißglut. Ihr sechzehnjähriger Enkel Martin soll dieses Jahr bei ihrem Mann in die Leitung des Gutes eingeführt werden, denn sein Vater, ihr ältester Sohn starb im ersten Weltkrieg und Martin„„Der Duft von wilden Erdbeeren“ von Angela Thirkell“ weiterlesen

„Ketala“ von Fatou Diome

Memoria ist tot und ihre Habseligkeiten sollen aufgeteilt werden. Sie war als junge Frau nach Frankreich gegangen und erst kürzlich zurück nach Dakar gekommen. Sie hinterlässt keine Familie, weshalb die Aufteilung der Gegenstände, das sogenannte Ketala, eine Woche nach ihrem Tod durch entfernte Angehörige vollzogen werden soll.  Hier nimmt diese originelle Geschichte ihren Anfang, denn„„Ketala“ von Fatou Diome“ weiterlesen

„Harriet Tubman“ von Anne Petry

Manche Bücher haben eine magische Anziehungskraft, und wenn diese einer Biografie innewohnt, ist das wirklich bemerkenswert. Ann Petry gelingt dieses Kunststück. Sie beschreibt hier die Lebensgeschichte der ehemaligen Sklavin, Fluchthelferin und Kämpferin Harriet Tubman so eindringlich und authentisch, so abenteuerlich wie einen Roman. Harriet wird 1820 als Araminta Ross auf einer Sklavenfarm in Maryland geboren„„Harriet Tubman“ von Anne Petry“ weiterlesen

„Zusammenkunft“ von Natasha Brown

Was für ein Debüt! Alle Hymnen, die in England darauf gesungen wurden, sind wahr, verdient, berechtigt.In schmerzhaft poetischer Sprache transportiert die Autorin eine Subjektivität, die sich um Objektivität bemüht. Die sich selbst relativiert, was umso grausamer ist, weil man dabei zusieht, wie sich das Verderben entwickelt. Was bedeutet Assimilation in der weißen Männerwelt für eine„„Zusammenkunft“ von Natasha Brown“ weiterlesen

„Butter“ von Asako Yzuki

Die Journalistin Rika möchte die Food-Bloggerin Manako Kajii interviewen, die wegen des Verdachts auf Ermordung mehrerer Ihrer Liebhaber im Gefängnis sitzt. Ihr Fall erregte großes Medieninteresse, denn sie ist weder schlank noch schön und schien die Männer mit ihren Kochkünsten verführt zu haben.  Rika ist beeindruckt von ihrem Selbstbewusstsein und der Selbstakzeptanz dieser Frau, die„„Butter“ von Asako Yzuki“ weiterlesen

„Vita &Virginia“ von Alexandra Lavizzari

„Orlando“ – das ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Freundschaftsbiografie. Dieses Buch, das auch als literarische Liebeserklärung gedeutet wurde von der berühmten englischen Schriftstellerin Virginia Woolf an die ebenso bekannte Romanautorin und Dichterin Vita Sackville-West, dient als Aufhänger, um diese durchaus auch erotische Freundschaft auszuleuchten.  Ein schöner Kniff, denn tatsächlich ist dieses literarisches Denkmal ein„„Vita &Virginia“ von Alexandra Lavizzari“ weiterlesen

„Nach Mitternacht“ von Irmgard Keun

Mit der kindlichen Naivität einer jungen Frau, die noch nicht viel gesehen, aber das Herz auf dem rechten Fleck hat, erzählt Irmgard Keun diese Geschichte. Sie schrieb sie 1937 bereits aus dem Exil heraus, da ihre Bücher schon 1933 verboten und verbrannt wurden. Trotz der unterhaltsam-satirischen Herangehensweise zeichnet sie ein düsteres Bild von der heraufziehenden„„Nach Mitternacht“ von Irmgard Keun“ weiterlesen

„Manifesto – Warum ich niemals aufgebe“ von Bernardine Evaristo 

Eine britische Lehrerin heiratet Anfang der Fünfziger Jahre einen nigerianischen Arbeiter und bekommt mit ihm acht Kinder, von denen eines Bernardine Mobolaji heißt und zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen wurde. Geprägt von täglichem Rassismus und britischem Klassismus wächst sie in London auf und entwickelt sich zu einer unangepassten Kämpferin. Sie assimiliert sich über die Sprache„„Manifesto – Warum ich niemals aufgebe“ von Bernardine Evaristo „ weiterlesen

„Die Tochter“ von Kim Hye-Jin

Mutter und Tochter haben sich entfremdet, als die Dreißigjährige aus finanziellen Gründen wieder bei ihrer Mutter einziehen muss. Sie ist Universitätsdozentin und lebt mit ihrer Lebensgefährtin seit sieben Jahren zusammen. Als die beiden bei der Mutter auftauchen, steht die Welt für diese Kopf. Homosexuell? Lesbisch? „Worte, die ich niemals von ihr hören wollte. Sie treffen„„Die Tochter“ von Kim Hye-Jin“ weiterlesen

„Montag oder Dienstag“ von Virginia Woolf

Eine Gesellschaft junger Mädchen die sich darin einig sind „dass das Ziel des Lebens darin bestand, gute Menschen und gute Bücher hervorzubringen.“ Es kommt beinahe Pyjama-Party-Stimmung auf, so frech und respektlos ziehen sie über die Männer her. Ein Besuch in einem Geisterhaus, dazwischen spielerische Verbalakrobatik über das Grün und das Blau. Ein Tag in Kew„„Montag oder Dienstag“ von Virginia Woolf“ weiterlesen

„Serge“ von Yasmina Reza

Yasmina Reza ist eine Meisterin des Dialogs und der bourgeoisen jüdischen Familiengeschichten. In diesem Roman erzählt sie von den gealterten Geschwistern Jean, Serge und Nana, die nach dem Tod ihrer Mutter gemeinsam mit Serges Tochter auf deren Wunsch hin nach Auschwitz fahren. Das Andenken an die familiären Opfer, an die Shoah, den Holocaust, war von„„Serge“ von Yasmina Reza“ weiterlesen

„Löwenzahnwirbelsturm in Orange“ von Tamar Tandaschwili

Es fühlt sich nicht an wie ein Roman, denn dieses Buch ist innerlich unruhig, ich möchte beinahe sagen zerbrochen, ähnlich vielen seiner Protagonisten, die hier nichts als Schmerz und Verachtung erfahren. Als roter Faden zieht sich vielleicht die Person der Psychologin Eka durch das Buch, die hin und wieder auftaucht und der einige dieser teilweise„„Löwenzahnwirbelsturm in Orange“ von Tamar Tandaschwili“ weiterlesen

„Überwintern“ von Katherine May

Dies ist kein Ratgeber und auch kein Therapiebuch. Es ist eine Essay-Sammlung zum Thema Winter im buchstäblichen und im übertragenen Sinn.   Gedanken zum Leben im allgemeinen und in schwierigen Zeiten, mit wissenswerten Informationen und persönlichen Anekdoten zu einer gut lesbaren Mixtur gebraut, die wie ein literarisches Elixier die Lebensgeister in den dunklen Monaten wachhalten„„Überwintern“ von Katherine May“ weiterlesen

„Was du nicht hast, das brauchst du nicht“ von Helen Oyeyemi

Diese Geschichten, die lose miteinander verknüpft sind durch die Protagonisten oder das wiederkehrende Detail eines Schlüssels, erzählen vom Leben unterschiedlichster Menschen in unterschiedlichen Zeiten, Orten, Seelenzuständen. Ihr BIPOC- Personal erlebt keinen Rassismus und die queeren Liebespaare treten so unbehelligt selbstverständlich auf, dass einen ein beinahe Märchenhaftes Gefühl beschleicht. „Für mich ist Rowan männlich, weil er„„Was du nicht hast, das brauchst du nicht“ von Helen Oyeyemi“ weiterlesen

„Tea Time bei Mrs. Morland“ von Angela Thirkell

Angela Thirkell (1890-1961) war eine bekannte britische Autorin, die in den 30ger – 50ger Jahren Bestseller schrieb, die im fiktiven Barsetshire Anthony Throllopes spielten. Hierzulande sind von diesen 29 Romanen erst zwei auf deutsch erschienen, doch diese strotzen nur so vor ironischer Britishness und stellen starke Frauenfiguren in den Mittelpunkt. In diesem wunderbaren Winterbuch geht„„Tea Time bei Mrs. Morland“ von Angela Thirkell“ weiterlesen

„Heisse Milch“ von Deborah Levy

Deborah Leavy hat hier eine wunderbare Mutter-Tochter-Geschichte geschrieben. Unterhaltsam, tiefgründig und schmerzhaft, voller Liebe und Verzweiflung.  Sofia ist Mitte zwanzig und begleitet ihre Mutter nach Spanien zu einem Wunderdoktor, der die unerklärlichen Lähmungserscheinungen ihrer Füße heilen soll. Misstrauisch stellen sie fest, dass er eine ganz eigene Art hat, sich dieser Krankheit zu nähern. Während ihre„„Heisse Milch“ von Deborah Levy“ weiterlesen

„Hundepark“ von Sofi Oksanen

Ein schwieriges Buch. Nicht nur bezüglich der verknüpften Themen: die Orange Revolution in der Ukraine und der neu aufgeflackerte Krimkrieg mit Russland aus Sicht einer Eizell-Dealerin erzählt. Und es ist ziemlich umständlich erzählt. Ich bin erst gar nicht richtig reingekommen in die Geschichte, die ständig in den Zeiten springt, die wenige Jahre auseinander liegen aber„„Hundepark“ von Sofi Oksanen“ weiterlesen

„Carpentaria“ von Alexis Wright

Wortgewaltig und ausführlich schreibt die Autorin ein Opus über einen Ort in Australien, das von magischem Realismus durchweht wird. Geister, Mythen, Obsessionen finden Platz in dieser Erzählung, die modern und dennoch uralt erscheint und von Rassismus und Unterdrückung und der Kraft und Lebendigkeit der indigenen Bevölkerung Australiens erzählt. Elias, ein Mann aus dem Meer, kommt„„Carpentaria“ von Alexis Wright“ weiterlesen

„1000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel

Ich liebe es, wenn Autorinnen Experimente wagen und das hat Olivia Wenzel in ihrem Debütroman „1000 Serpentinen der Angst“ wunderbar furchtlos getan:  Ein verschlungener Weg, eine Geschichte in Kreisen und Kurven, immer wieder auf bestimmte Themen zurückkommend, trotz der Volten zerrissen, mal als Fragende, mal als Befragte. In den Fragen und Antworten dieses Buches steckt„„1000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel“ weiterlesen

„Übungen im Fremdsein“ von Olga Tokarczuk 

Diese Autorin hat es mir wirklich angetan. Ich liebe ihren Stil, ihre Bilder und ihre Gedanken. Und daher habe ich auch ihre Essays und Reden verschlungen, die in diesem Buch versammelt sind. Ich folgte begeistert ihren Lektüren und Überlegungen zum Lesen und Schreiben. Natürlich hat Tokarczuk, die als Psychologin arbeitete, viel Psychologisches in ihrem Leben„„Übungen im Fremdsein“ von Olga Tokarczuk „ weiterlesen

„Autobiographie eines Familienfotos“ von Jacqueline Woodson

„Diese Welt kann Millionen Mädchen in ihren Armen halten. Diese Welt kann sie alle fallenlassen.“ In diesem autobiografisch inspirierten Roman wirft die Autorin schlaglichtartig in kurzen Szenen einen Blick auf das Leben eines heranwachsenden schwarzen Mädchens in Brooklyn. Der Vater fährt Taxi, die Mutter leidet an intermittierender Melancholie, der große Bruder versteckt seine Stöckelschuhe und„„Autobiographie eines Familienfotos“ von Jacqueline Woodson“ weiterlesen

„Jane Austen und die Kunst der Worte“ von Catherine Bell

In diesem Roman lässt die Autorin Catherine Bell eine der bekanntesten Romanautorinnen Englands auferstehen. Sie versucht eine Verbindung herzustellen zwischen dem Leben dieser Pfarrerstochter und ihren Romanen, lässt eins ins andere übergehen, dazwischen sind Absätze von Briefen an Janes ältere Schwester Cassandra gestreut. Natürlich gibt es einen Ball und dann folgen weitere und wir lernen„„Jane Austen und die Kunst der Worte“ von Catherine Bell“ weiterlesen

„Vom Verachtetwerden oder Drei Guineen“ von Virginia Woolf

In diesem Essay von 1938, einem Nachfolgewerk von „Ein Zimmer für sich allein“, formuliert Virginia Woolf in Form von drei Briefen eine Antwort auf die Frage, wie ein Krieg mit Hilfe gebildeter Frauen zu verhindern sei. Dabei kommt sie zwangsläufig auf die noch immer – trotz Wahlrecht – herrschende Benachteiligung der Frau in Form geringerem„„Vom Verachtetwerden oder Drei Guineen“ von Virginia Woolf“ weiterlesen

„Ein eigenes Haus“ von Deborah Levy

Anhand ihres aufkeimenden Wunsches, ein eigenes Haus, ein Refugium zu besitzen, das ihren Bedürfnissen als Schriftstellerin und als alleinstehende Frau entsprach, ein altes Haus mit einem Granatapfelbaum im Garten und einem Flussufer, legt Deborah Levy eine Spur durch ihre Gedanken. Anhand dieser Überlegungen beleuchtet sie ihr Leben im Besonderen und ganz allgemein die Rolle der„„Ein eigenes Haus“ von Deborah Levy“ weiterlesen

„Freunde und Helden“ von Olivia Manning

Dieser dritte Teil von Olivia Mannings Balkan-Trilogie spielt in Athen, nachdem zunächst Harriet allein und später ihr Mann Guy Pringle aus dem von den Deutschen besetzten Bukarest geflohen sind. Sie arbeiteten dort als britische Expats an der englischen Schule, und als Guy versucht, auch in Athen wieder eine Anstellung zu bekommen, scheitert er zunächst kläglich„„Freunde und Helden“ von Olivia Manning“ weiterlesen

„Tage- und Notizbücher“ von Patricia Highsmith

Patricias Highsmiths Tage- und Notizbücher erstmals auf deutsch! Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Diese komplexe Persönlichkeit hat mich schon immer fasziniert, ganz abgesehen von ihren hochpsychologischen Romanen. Hier also macht sie sich Gedanken über das Lesen und Schreiben, das Leben im allgemeinen und das Lieben im Besonderen. Zunächst noch Highschool-Schülerin, die auf das„„Tage- und Notizbücher“ von Patricia Highsmith“ weiterlesen

„Von Büchern und Inseln“ von Louise Erdrich

Mit einem alten blauen Minivan macht sich die Autorin mit ihrer kleinen Tochter Kiizhikok „Himmelsfrau“ auf zu den Seen im kanadischen Ojibwe-Gebiet. Die Felsmalereien auf den vielen, vielen Inseln will sie sich ansehen und in ihnen lesen, wie in Büchern. Sie ist auf der Spur dieser alten indigenen Überlieferungen, die lange Zeit unterdrückt, übermalt und„„Von Büchern und Inseln“ von Louise Erdrich“ weiterlesen

„Die Blackwell-Schwestern“ von Janice P. Nimura

„Wollte sie ein leuchtendes Beispiel sein, dann durfte sie sich nicht verstecken. Sie hatte nie ein Mann sein wollen, strebte vielmehr danach, als Frau denselben Respekt zu bekommen und dieselbe Freiheit zu genießen, die für Männer selbstverständlich waren.“ In dieser äußerst gut geschriebenen, beinahe wie ein historischer Roman lesbaren und detailliert recherchierten Doppelbiografie der Schwestern„„Die Blackwell-Schwestern“ von Janice P. Nimura“ weiterlesen

„Die Unzertrennlichen“ von Simone de Beauvoir

Die erste Liebe ist die zur besten Freundin. Die Eifersucht auf ihren ersten Freund, die Wut auf die strengen Eltern, all dies erlebt Sylvie in ihrer engen Beziehung zu Andrée, die sie als kleines Mädchen im katholischen Collège kennenlernt. In diesem frühen Roman hat Simone de Beauvoir ihrer Freundin Zaza und ihrer Liebe zu ihr,„„Die Unzertrennlichen“ von Simone de Beauvoir“ weiterlesen

„Das Institut in Riga“ von Uta von Arnim

Was für ein beeindruckend konsequentes, persönlich mutiges Buch, das Zeugnis einer familiären Recherche zur Nazivergangenheit des Großvaters! Uta von Arnim ist es geglückt, die grausame Vergangenheit und die Verbrechen ihres Großvaters in einer gelungen Mischung von sachlichem Bericht und persönlichen Einsichten geradezu literarisch aufzubereiten und damit gut lesbar und erfahrbar zu machen. Ein wichtiges Faktum,„„Das Institut in Riga“ von Uta von Arnim“ weiterlesen

„Oh, William!“ von Elizabeth Strout

„Trauern ist etwas, ja, etwas so Einsames, das ist vielleicht das Schlimmste daran. Als würde man an der Außenseite eines gläsernen Wolkenkratzers herunterrutschen, und keiner merkte es.“ Lucy Barton, eine Figur aus vorhergehenden Romanen von Elizabeth Strout, ist in ihren Sechzigern und kürzlich verwitwet. In diesem sehr psychologischem Buch begleitet sie ihren Ex-Mann William auf„„Oh, William!“ von Elizabeth Strout“ weiterlesen

„Bitterer Zucker“ von Avni Doshi

Eine herzzerreißende Mutter-Tochter-Geschichte, die das unerklärliche Band einer Liebe illustriert, das auch durch Vernachlässigung und Ignoranz nicht auflösbar erscheint. Atari kümmerst sich um ihre Mutter, die in ihren Fünfzigern an einer Form der Vergesslichkeit leidet, die alle Symptome von Alzheimer aufweist, aber keine entsprechenden Gehirnveränderungen. Wenn es aber nicht die Plaques sind, die sie all„„Bitterer Zucker“ von Avni Doshi“ weiterlesen

„Azadi heißt Freiheit“ von Arundhati Roy

In dieser Essaysammlung finden sich Aufsätze und Artikel der großen indischen Schriftstellerin und Denkerin Arundhati Roy, die auch als Friedensaktivistin von sich reden macht und ganz oben auf der langen Liste der Antinationalen ihres Landes geführt wird und das, wie sie sagt, nicht weil ihr Nachname mit A beginnt. „Die Infrastruktur des Faschismus starrt uns„„Azadi heißt Freiheit“ von Arundhati Roy“ weiterlesen

„Die militante Madonna“ von Irene Dische

Eine erstaunliche Trans-Geschichte erzählt sie hier, die große amerikanisch- österreichische Autorin. Die Geschichte des historischen Chevaliers d`Eon de Beaumont, einer Person, die in der Zeit Ludwigs des XV. lebte, in der Reifröcke und Turm-Perücken die Frauen zur Untätigkeit zwangen, wogegen Degen, Pferd und Stiefel die Unabhängigkeit der Männer in Militär und Gesellschaft ermöglichten. D `Eon„„Die militante Madonna“ von Irene Dische“ weiterlesen

„Schwarzes Herz“ von Jasmina Kuhnke

„Mein Stiefvater wurde zum ersten Mann, der versuchen sollte, mich zu brechen.“b So beginnt der eindrückliche Roman von Jasmina Kuhnke, der zeigt, was Rassismus und Misogynie in der Seele eines Menschen anrichten. Es ist die Geschichte der Ich-Erzählerin, Wunschkind ihrer kroatischstämmigen Mutter und ihres senegalesischen Vaters, den sie niemals kennenlernen sollte, da er früh verstarb.„„Schwarzes Herz“ von Jasmina Kuhnke“ weiterlesen

Aphra Behn Werkausgabe

Aphra Behn (1640-1689), die erste Frau, die vom Schreiben lebte, die Referenz-Figur in Virginia Woolfs „Ein Zimmer für sich allein“, war  ganz offensichtlich eine schillernde Person des siebzehnten Jahrhunderts. Sie arbeitete als Spionin für Charles II., verbrachte kurze Zeit im Gefängnis, bevor sie zu einer der wichtigsten Autorinnen ihrer Zeit wurde. Anders als Jane Austen,„Aphra Behn Werkausgabe“ weiterlesen

„Das tätowierte Herz“ von Angela Carter

Skurril und sarkastisch, phantastisch und immer ein wenig mit dem Irrsinn und mit literarischen Verweisen auf Dostojewski, Melville oder Dickens spielend, beschreibt Angela Carter die komplexen Beziehungen dreier junger Menschen. „Sie schlug die Augen auf, und eine Art Hunger, eine Art Verzweiflung in ihrem schmalen Gesicht  griffen nach Lees sehr weichem Herzen.“ Lee, von seinem„„Das tätowierte Herz“ von Angela Carter“ weiterlesen

„Quartett im Herbst“ von Barbara Pym

Vier Angestellte Anfang sechzig: der gottesfürchtige Witwer Edwin, der verweichlichte Junggeselle Norman, Marcia, nach dem Tod ihrer Mutter allein und krebskrank und die ledige „Letty, anspruchslos und verwelkt, gediegen und provinziell, immer noch Sorgfalt auf ihre Kleidung verwendend.“  Sie tauschen sich im Büro über Todesarten aus und sammeln Sonderangebote, nutzen die Bibliothek als Aufenthaltsort in„„Quartett im Herbst“ von Barbara Pym“ weiterlesen

„Wie schön wir waren“ von Imbolo Mbue

Natur versus Kapital, kleines afrikanisches Dorf gegen amerikanischen Ölkonzern. Ein Drama unter Mangobäumen, das vergiftete Kinder und ermordete Männer beschwört und das ganze Verbrechen amerikanischer Ölkonzerne in Afrika fiktionalisiert beschreibt. „Ich weiß nichts darüber, wie ein Mädchen Männer für ihre Taten bezahlen lässt, aber ich habe noch mein ganzes Leben lang Zeit, es herauszufinden.“ Das„„Wie schön wir waren“ von Imbolo Mbue“ weiterlesen

„Secondhand Time” von Svetlana Alexiewich

Eine zurecht gelobte und 2015 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnete Autorin, mir bis dahin völlig unbekannt, das muss ich vorausschicken!  Diese ihre poetischen Aufzeichnungen der Interviews mit russischen Menschen jeglicher Couleur, dieses vielstimmige Bild, zeigt eindringlich, melancholisch und immer wieder auf die Person fokussiert, tiefe Einblicke in die „russische Seele“, schildert sensibel die schwersten Schicksale und„„Secondhand Time” von Svetlana Alexiewich“ weiterlesen

„Die andere Hälfte der Welt“ von Christina Sweeney-Baird

Sorgen und Angst, familiäre Todesfälle und Quarantäne, Flugverbot und Ausnahmezustand, Lock-down und OP-Maske im Gesicht. Das sind die Szenarien, die erschreckend vertraut in diesem spannenden Roman über den Ausbruch einer Männermordenden Viruspandemie im nahen Jahr 2025 auftauchen. Multiperspektivisch wird der Kampf der Frauen um ihre Familien, Söhne, Ehemänner und Väter  beschrieben sowie die Verantwortung für„„Die andere Hälfte der Welt“ von Christina Sweeney-Baird“ weiterlesen

„Frauen Literatur“ von Nicole Seifert

Oh, Ich bin wütend! Auf eine Gesellschaft, die aufgrund struktureller Misogynie kaum in der Lage scheint, sich zu ändern. Weder Literarisch noch politisch. Und Nicole Seifert zeigt, das sich das gegenseitig begründet und keine Frage ist, ob Frauen nun besser oder schlechter schreiben als Männer. „Vor dem Hintergrund der Sklaverei, der Kolonialgeschichte und der jahrhundertelangen„„Frauen Literatur“ von Nicole Seifert“ weiterlesen

„Der Schattenkönig“ von Maaza Mengiste

Was für ein grausames, wundersames Werk literarischen Geschichtsunterrichts!  In diesem außergewöhnlichen Roman wird von dem Anspruch des faschistischen Italien auf Kolonialisierung Äthiopiens und dem Abessinien-Krieg in den dreißiger Jahren erzählt, der sich bereits vor dem zweiten Weltkrieg mit Einverständnis des Völkerbundes dort abspielte.  „Der Krieg ist da. Er hat sich angeschlichen. Er marschiert auf ihn„„Der Schattenkönig“ von Maaza Mengiste“ weiterlesen

„Die letzte Bibliothek der Welt“ von Freya Sampson

Eine Portagonistin, die in ihrem Buchregal Adichie neben Alcott neben Angelou neben Austen stehen hat, ist mir natürlich auf Anhieb sympathisch. June ist Ende zwanzig, Bibliothekarin und lebt seit dem Tod ihrer Mutter, das zurückgezogene Leben eines modernen Blaustrumpfs. „Als Kind hatte sie immer geglaubt, jedes Buch habe seinen eigenen Geruch, je nach Inhalt, und„„Die letzte Bibliothek der Welt“ von Freya Sampson“ weiterlesen

„Die nicht sterben“ von Dana Grigorcea

Ein Vampirroman der etwas anderen Art. Atmosphärisch,surreal und politisch: Als die junge Ich-Erzählerin und Künstlerin aus Paris zurück in den kleinen Ort B. in Rumänien kommt, mit dem sie wunderschöne Kindheitserinnerungen verbindet, findet sie bei einer Beerdigung die grauenvoll verstümmelte Leichen eines ehemaligen Kindheitsfreundes. Ihre Großtante wurde im Kommunismus enteignet und bekam später ihre heruntergekommene„„Die nicht sterben“ von Dana Grigorcea“ weiterlesen

„Der Gesang der Berge“ von Nguên Phan Quê Mai

Dieses Buch hat mich mitgenommen und berührt wie lange keine Familiensaga mehr. Empathisch, sprachmächtig und niemals verbittert erzählt die Vietnamesische Autorin die Geschichte ihres Landes anhand des Lebensweges einer tapferen Frau. „Ich war überzeugt, wenn die Menschen nur bereit wären, einander zu lesen und das Licht anderer Kulturen zu sehen, gäbe es auf der Welt„„Der Gesang der Berge“ von Nguên Phan Quê Mai“ weiterlesen

„Der Geist von Tiger Bay“ von Nadifa Mohamed

Cardiff ist Anfang der Fünfziger Jahre ein Schmelztiegel internationaler Identitäten. In der walisischen Hafenstadt tummeln sich Matrosen und Arbeiter aus Jamaika, Somalia und anderen afrikanischen Staaten, Russen, Chinesen und jüdische oder westindische Familien, „Mädchen mit Großeltern aus vier Kontinenten“. Hier hält sich der somalische Ex-Matrose Mahmood mit Gelegenheitsjobs und Glücksspiel über Wasser, versucht Geld für„„Der Geist von Tiger Bay“ von Nadifa Mohamed“ weiterlesen

„Sag dass du mich liebst, Junie Moon“ von Marjorie Kellogg

Wer auf der Suche nach einem Buch ist, das lustig und traurig ist und dennoch glücklich macht, dem kann ich nur diesen Roman von Marjorie Kellog (1922-2005) empfehlen. Sie war eine amerikanische Schriftstellerin und wurde mit diesem Werk 1968 bekannt. Darin schildert sie das Abenteuer dreier von Leben oder Krankheit beeinträchtigter Menschen, die aus der„„Sag dass du mich liebst, Junie Moon“ von Marjorie Kellogg“ weiterlesen

„Wo auch immer ihr seid“ von Khuê Pham

Die etwas andere Familiengeschichte, erzählt von einer deutschen Vietnamesin, die zur Testamentseröffnung der Oma zur Familie ihres Vaters nach Amerika fliegt. Sie kennt den Onkel kaum, die Tanten noch weniger, kann Vietnamesisch nur radebrechen und erst recht nicht lesen.  Diese Familie wurde zerrissen durch den Krieg in Vietnam, auf der Welt zerstreut und in großen„„Wo auch immer ihr seid“ von Khuê Pham“ weiterlesen

„Wir sind dieser Staub“ von Elizabeth Wetmore

Was einer Vierzehnjährigen widerfährt, die im Texas der Siebziger Jahren zu einem Unbekannten ins Auto steigt und auf die einsamen Ölfelder fährt, bekommen wir gleich zu Anfang dieses Buches von der Autorin in beinahe poetischer Sprache  erzählt: „Eine Wachtel ruft. Es klingt, als sänge sie ihren Namen, und das Geräusch hebelt ganz sanft den Tag„„Wir sind dieser Staub“ von Elizabeth Wetmore“ weiterlesen

„Der Nachtwächter“ von Louise Erdrich

Louise Erdrich gelingt es auf sensationelle Weise, die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner zu formulieren, ohne melodramatisch zu werden oder eine Heldensaga zu verfassen. Sie lässt Internatsgeschichten, Alkoholismus im Reservat, den systematischen Missbrauch an indigenen Frauen anklingen, ohne sensationslüstern Einzelheiten auszubreiten. Ganz im Gegenteil. Mit liebevollen Details wie beispielsweise einem Wiegenbrett aus dem Holz des Lebensbaums„„Der Nachtwächter“ von Louise Erdrich“ weiterlesen

„Geisterwand“ von Sarah Moss

Dieses kleine Buch besitzt eine beängstigende, durch die wunderbare Sprache tief berührende Wucht: Ein Archäologieprofessor möchte ein paar Wochen mit seinen Studenten im Wald in Nordthumberland leben wie in der Eisenzeit. Auch Silvie ist dort mit ihren Eltern, ihr Vater Busfahrer aber passionierter Hobbyhistoriker, ihre Mutter Kassiererin. Sie leben neben den Studenten in einer der„„Geisterwand“ von Sarah Moss“ weiterlesen

„In Flammen“ von Megha Majumdar

Ein spannender, auf lakonische Art äußerst brutaler Roman, der im modernen Indien spielt und doch eine geradezu mittelalterliche Geschichte erzählt. Ihr geliebtes Handy hat die junge Jivan dazu verführt, einen regierungskritischen Post auf Face-Book zu veröffentlichen. Sie lebt mit ihren Eltern im Slum und ist stolz darauf, eine Anstellung in einem Bekleidungsgeschäft und eignes Geld„„In Flammen“ von Megha Majumdar“ weiterlesen

„Mai heißt Wasser“ von Kayo Mpoyi

Ich liebe kisuaheli, aber ich kannte bisher keine Autorin aus Zaire. Tataa! Das hat sich geändert:   Kayo Mpoyi, die in Kinshasa geboren wurde, lebt zwar seit ihrem 10.Lebensjahr in Schweden und hat mit diesem Debüt gleich einen wichtigen Schwedischen Literaturpreis gewonnen. Zurecht, wie ich finde. Die eingestreuten Swahili-Worte erzeugten einen Nachhall der Erinnerung in„„Mai heißt Wasser“ von Kayo Mpoyi“ weiterlesen

„Alef“ von Katharina Höftmann Ciobotaru

Diese Familiengeschichte hat mich total überrascht, denn ich hatte eher eine Love-Story erwartet. Aber das Buch beginnt bei den Großeltern der in der DDR geborenen Maja und des Israelischen Eitan. So spinnt die Autorin zunächst ein Geflecht aus Familienbiografien, das sich von Deutschland und Bulgarien, über den Irak bis nach Israel erstreckt und aus dem„„Alef“ von Katharina Höftmann Ciobotaru“ weiterlesen

„Rahel Varnhagen. Lebensbild einer Salonière“ von Dorothee Nolte

Ein kleines, feines Büchlein über die faszinierende Frau, die „das Leben auf sich regnen“ ließ: Rahel Varnhagen (1771-1833), geb. Levin, führte bereits im Elternhaus einen Salon in Berlin, als es diesen Begriff noch nicht einmal gab. Sie traf Schiller und Goethe, Fürst Pückler, Humboldt und Jean Paul und wurde von den zeitgenössischen Künstlern und Intellektuellen„„Rahel Varnhagen. Lebensbild einer Salonière“ von Dorothee Nolte“ weiterlesen

„Das Jahr, in dem wir verschwanden“ von Tayari Jones

Ein Buch über kollektive Angst, das wie ein Young Adult beginnt und ganz allmählich Beklemmungen aufbaut. In drei Teilen aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt Tayari Jones die wahre Geschichte eines Serienmordes an schwarzen Kindern im Atlanta der späten Siebziger Jahre.  Es beginnt mit den Schwestern Tasha und DeShaun, die die Trennung ihrer Eltern verkraften müssen,„„Das Jahr, in dem wir verschwanden“ von Tayari Jones“ weiterlesen

„Schöne Welt, wo bist du?“ von Sally Rooney

Deutlich und krass sind die Worte, die Sally Rooney für die Krisensituation findet, in der sich ihre Protagonistin Alice – und nicht nur sie –  bewegt: Klimakrise, politische Krisen, seelische Krise, soziale Krise. „Das 20.Jahrhundert kommt mir wie eine lange Frage vor, an deren Ende wir die falsche Antwort gegeben haben.Ist es nicht ein Unglück,„„Schöne Welt, wo bist du?“ von Sally Rooney“ weiterlesen

„Ich bin dann mal bei mir“ von Verena Carl und Anne Otto

Der Titel ist grauenvoll und hatte mich eine Mischung aus Kalauern und Plattitüden im Susanne-Fröhlich-Stil befürchten lassen. Aber ich kenne die Schreibe von Verena Carl und mochte sie schon immer und wollte diesem Buch eine Chance geben. Ich wurde nicht enttäuscht. Denn in einer Mischung aus Selbstversuchs-Protokoll und populärwissenschaftlichen Erläuterungen in Form eines Briefwechsels gelingt„„Ich bin dann mal bei mir“ von Verena Carl und Anne Otto“ weiterlesen

„Der Mauersegler“ von Jasmin Schreiber

Ein wunderbares Buch! Eines, das von der Hybris der Menschen handelt, dem Hochmut eines Mediziners und seiner Flucht vor der Verantwortung.  Marvin, der Prometheus genannt werden will, hat seinen kranken Freund Jacob auf dem Gewissen, als er ihn in einer Studie behandelte und ihren Misserfolg vertuschte. Jetzt ist Jakob tot und Prometheus versucht, mit dem„„Der Mauersegler“ von Jasmin Schreiber“ weiterlesen

„Kleine Freuden“ von Clare Chambers

1957 ist Jean Ende dreißig, lebt bei ihrer unselbständigen Mutter und arbeitet als Journalistin bei einer Tageszeitung. Als eine gewisse Gretchen Tilbury sich meldet und behauptet, vor zehn Jahren ihre Tochter per Jungfernzeugung empfangen zu haben, beginnt Jean zu recherchieren. Dabei lernt sie auch die reizende Tochter und den Ehemann von Gretchen kennen und wird„„Kleine Freuden“ von Clare Chambers“ weiterlesen

„Das Mädchen mit der lauternen Stimme“ von Abi Daré

Ein spannender Entwicklungsroman, der die Themen Kinderehe, Versklavung von Hausangestellten und Bildung für Mädchen im Nigeria der Gegenwart behandelt:  Adunni ist vierzehn, als sie die dritte Frau des Taxifahrer Morufu wird, der so alt ist, wie ihr Vater. Ihre Mutter ist tot, die ihr versprach, dass sie zu Schule gehen dürfe, um zu lernen. „Deine„„Das Mädchen mit der lauternen Stimme“ von Abi Daré“ weiterlesen

„Ein Raum aus Blättern“ von Kate Grenville

In diesem fiktiven Tagebuch der Elizabeth Macarthur hat die bekannte australische Autorin Kate Grenville einer der großen Frauenfiguren Australiens ein Denkmal gesetzt. Macarthur war als eine der ersten Frauen 1790 mit ihrem Ehemann in die Strafkolonie gereist und hat den Handel mit Schafswolle etabliert, und damit diesem Kontinent ihren Stempel aufgeprägt. Sie ziert die australischen„„Ein Raum aus Blättern“ von Kate Grenville“ weiterlesen

„Der Panzer des Hummers“ von Caroline Albertine Minor

„Ein Zwiebelgeruch steigt aus der Erde auf, und in den lanzettförmigen Knospen der Buchenhecken, die sich farblich nicht von den glatten Zweigen abheben, drängen sich die Blätter zusammen wie Gäste einer Überraschungsparty.“ So klingt es, wenn Caroline Albertine Minor den Frühling beschreibt und ich finde das einfach großartig! In diesem Buch schildert sie, wie sich„„Der Panzer des Hummers“ von Caroline Albertine Minor“ weiterlesen

„Komplizinnen“ von Lola Lafon

Ein beeindruckender Roman über Kindesmissbrauch im Tanzmilieu, über Verdrängung und Vergessen, und vor allem das Verzeihen.Sich selbst und anderen: Cléo wohnt im Hochhaus einer französischen Banlieue in den Achtziger Jahren und träumt davon, Tänzerin zu werden. Sie wird von der eleganten Cathy „entdeckt“ und Männern zugeführt, die ihr schmeicheln und sie missbrauchen, ohne dass Cléo„„Komplizinnen“ von Lola Lafon“ weiterlesen

„Sein Name war Annabel“ von Kathleen Winter

In die enge Gemeinschaft der Trapperfamilien im kanadischen Labrador, zwischen Schneemonaten und heftigen, kurzen Sommern wird Treadway, halb Schotte halb Inuit, und seiner Frau Jacinta das erste und einzige Kind geboren. Es weist sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale auf, die sofort nach der Geburt mit einer Baumwolldecke versteckt und später operativ korrigiert werden, obwohl„„Sein Name war Annabel“ von Kathleen Winter“ weiterlesen

„Heiteres Wetter zur Hochzeit“ von Julia Strachey

Diese scharfzüngige Satire auf das bürgerliche Leben ist eine unterhaltsame Lektüre und für mich eine ganz besondere Entdeckung, da von Virginia Woolf gelobt und verlegt in ihrer Hogart-Press 1939.  Etwas verwirrend ist diese quirlige Hochzeitsgesellschaft zunächst schon, die sich in den zwanziger Jahren im Haus von Mrs. Thatcham am Tag der Hochzeit ihrer ältesten Tochter„„Heiteres Wetter zur Hochzeit“ von Julia Strachey“ weiterlesen

„Ein erhabenes Königreich“ von Yaa Gyasi

Sucht, diese leise schleichende Krankheit, schlängelt sich in das Leben von Familien und zersetzt sie mit ihrem Gift. Sorgt für Ohnmacht, Angst und Scham, die traumatisch und chronisch nicht nur das Leben der Abhängigen zerstören. So geht es Gifty, deren Bruder an einer Überdosis Heroin starb als sie zehn war und die nun als Neurowissenschaftlerin„„Ein erhabenes Königreich“ von Yaa Gyasi“ weiterlesen

„Wieviel von diesen Hügeln ist Gold?“ von Cham Pam Zhang

Warum ein Western, fragte ich mich und doch war es mir sofort klar, als ich die ersten Seiten las. Nichts ist weißer, nichts amerikanischer und nichts männlicher und brutaler als der Goldrausch. Nichts bringt die gefährliche Seite des Kapitalismus, die Zerstörung ganzer Landstriche deutlicher zum Ausdruck als die Stollen, die Besessenheit, die rücksichtslose Gier dieser„„Wieviel von diesen Hügeln ist Gold?“ von Cham Pam Zhang“ weiterlesen

„ Muttermilch“ von Melissa Broder

Rachel ist als eine American Jewish Princess von ihrer Mutter erzogen worden, trägt eine Kalorientabelle ins Hirn tätowiert und einen eigenartigen Selbsthass im Herzen, den sie als Comedian in witzige Pointen verwandelt. Sie arbeitet nach gescheitertem Schauspielstudium als Mädchen für alles in der Unterhaltungsindustrie von LA, doch ihre Mutter, die sie mit Telefonanrufen kontrolliert, ist„„ Muttermilch“ von Melissa Broder“ weiterlesen

„Blonde Roots“ von Bernardine Evaristo

Ein früheres Werk von Bernardine Evaristo, das ich allen nur empfehlen kann. Denn es ist unbeschreiblich, was sie mit diesem Buch in den Köpfen der Menschen anstellt, wie sie Tatsachen auf den Kopf stellt, Geschichte umschreibt, um neue Perspektiven erfahrbar zu machen. Sie dreht den Spieß einfach um. Schreibt nichts Geringeres als eine Dystopie in„„Blonde Roots“ von Bernardine Evaristo“ weiterlesen

„Der französische Gast“ von Dorothy Whipple

Dieses Buch, das erstmals in den Fünfziger Jahren veröffentlicht wurde und jetzt erst auf deutsch erscheint, hat natürlich das zu erwartende nostalgische Flair:  Wie in einem Film beschreibt es das zu perfekte bürgerliche Leben einer englischen Familie auf dem Land, der Vater Avery pendelt als Verleger nach London, die beiden Kinder Hugh und Anne sind„„Der französische Gast“ von Dorothy Whipple“ weiterlesen

„Thérèse und Isabelle“ von Violette Leduc

Diese Jugend. Diese Leidenschaft.Dieses Begehren! Violette Leduc ist hierzulande nicht wirklich ein Begriff, dabei war sie Zeitgenossin und Freundin von Simone deBeauvoir, doch ihre Bücher blieben auch in Frankreich lange in deren Schatten. Denn wie sie schrieb schien skandalös. Es waren die Fünfziger Jahre und sie schrieb wie keine Frau vor ihr, nannte die Dinge„„Thérèse und Isabelle“ von Violette Leduc“ weiterlesen

„Strände. Warum sie mich kaltlassen“ von Wanda Coleman

Wanda Coleman (1946-2013) war eine beeindruckende Dichterin, Essayistin und Romanautorin, die als erste afroamerikanische Frau 1999 den Lenore Marshall Poetry Prize der American Academy of Poets erhielt.  In diesem Buch, das erst kürzlich erschien, sind 120 ihrer Gedichte, Essays und „Briefe an eine große Schwester“ in der Übersetzung von Esther Ghionda-Breger versammelt, die eindringlicher und„„Strände. Warum sie mich kaltlassen“ von Wanda Coleman“ weiterlesen

„Sommer“ von Ali Smith

Ali Smith, meine geliebte Sprachkünstlerin, hat ihre Tetralogie beendet und mich in faszinierenden Salti und Volten in ihre komplexe Geschichte „Sommer“ entführt.  Es ist ein verwirrendes, manchmal sogar wirres Buch. Und damit Spiegel der Zeit. Ein Buch, in dem einer Lehrerin ein Ziegelstein über den Kopf geschlagen wird, weil sie das ins Englische eingegangene deutsche„„Sommer“ von Ali Smith“ weiterlesen

„Die Hochzeit“ von Dorothy West

Unterhaltsam und nicht ohne Ironie für den Rassismus sowohl der Weißen als auch der schwarzen Community beschreibt Dorothy West (1907-1998),Mitbegründerin der Harlem Renaissance, den Tag der Hochzeit von Shelby Cole. Diese ist mit einem weißen brotlosen Musiker verlobt, anstatt einen erfolgreichen schwarzen Arzt zu ehelichen und enttäuscht damit beide Seiten ihrer sehr heterogenen Familie, ihre„„Die Hochzeit“ von Dorothy West“ weiterlesen

„Mr. Fortunes letztes Paradies“ von Sylvia Townsend Warner

Eine gelungene Satire voller Exzentrik in pointiertem und dennoch bildreichem Stil aus der Feder von Sylvia Townsend Wagner (1893- 1978), der Autorin von „Lolly Willows“: Ausgerüstet mit den Insignien britischer Lebensart, insbesondere einer Silbernen Teekanne und dem dazugehörigen Silberputzmittel, begibt sich ein alternder Missionar vor dem ersten Weltkrieg auf die Insel Fanua in Polynesien.  „Wie„„Mr. Fortunes letztes Paradies“ von Sylvia Townsend Warner“ weiterlesen

„Was wir scheinen“ von Hildegard E. Keller

Mit diesem beeindruckenden Roman lässt uns die Autorin hinter die Maske von Hannah Arendt schauen, einer Frau, die viel und absichtlich missverstanden wurde. Diese durch ihren Intellekt unnahbar scheinende Denkerin, die ich  Ketterauchend und harsch aus einer Filmbiografie mit Barbara Sukowa kannte und als Autorin durch ihr Buch über Rahel Varnhagen, sie wird in diesem„„Was wir scheinen“ von Hildegard E. Keller“ weiterlesen

„Die Frauen“ von Evie Wyld

Alles beginnt mit einer toten Frau und doch ist dies kein Krimi. Weitere tote Frauen säumen den Weg, den diese Geschichte nimmt. Und die Namenlosigkeit dieser Opfer irritiert nicht nur die Leser*innen, sie geistern durch die Leben und Häuser der Protagonistinnen dieser Erzählung, verwirren diese ebenfalls, teilweise bis hin zur Psychose. Es ist ein starkes„„Die Frauen“ von Evie Wyld“ weiterlesen

„Wo niemand uns sehen kann“ von Bryn Chancellor

Dieses Buch hat mich sehr positiv überrascht, obgleich ich schon bei der Leseprobe begriff, dass diese Autorin mit liegt. Ich mag ihren Stil, die verschränkte, vielstimmige Erzählweise und die unmerkliche Art, wie sie ihre Figuren zu guten Bekannten der Leser*innen macht. „Jess schaute nach oben, und plötzlich war die Stille wie weggefegt. Der pechschwarze Himmel„„Wo niemand uns sehen kann“ von Bryn Chancellor“ weiterlesen

„Vom Ende eines Sommers“ von Melissa Harrison

Ein Buch, welches poetisch das harte Farmleben, das Ackern, Sähen, Mähen und Dreschen mit Pferdeflug, das Garbenbinden, das Feldausjäten, das Waschen von Hand beschreibt. Eine Geschichte, die einen schwülen Sommer heraufbeschwört, in dem sich für die junge Protagonistin alles verändert. Doch die trägen Tage, das gleichförmige arbeitsame Tagwerk wirken trotz der schönen Sprache langatmig, die„„Vom Ende eines Sommers“ von Melissa Harrison“ weiterlesen

„Die einzige Strasse“ von Astrid Rosenfeld

Ich liebe Astrid Rosenfelds Stil, seit ihr Trennungs-Roman „12 Mal Juli“ letztes Jahr eines meiner Highlights war. Dort hat sie es bereits geschafft, die Melancholie der Trennung im Einzelnen mit dem Aufspüren von Verbundenheit im Anderen zu lindern. In diesem ebenfalls sehr melancholischen Buch lernt man die Bewohner eines kleinen Bungalow-Parks kennen, die alle mehr„„Die einzige Strasse“ von Astrid Rosenfeld“ weiterlesen

„Dein ist das Reich“ von Katharina Döbler

Dieses Buch ist UNERTRÄGLICH und gerade deshalb so lesenswert! Die Namenlose Erzählerin führt in der Rahmenhandlung dieser Familiengeschichte Gespräche mit ihren Großmüttern, die in der deutschen Mission in Neuguinea im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts als Missionsbräute lebten. Es wird die Begutachtung und Verschiffung der Frauen wie Vieh im Namen des Herrn beschrieben und der„„Dein ist das Reich“ von Katharina Döbler“ weiterlesen

„Der Tod des Vivek Oji“ von Akwaeke Emezi

„Ich bin nicht, wofür mich alle halten. Das war ich nie (…) Aber wenn dich niemand sieht, bist du überhaupt noch da?“ Nigeria in den Neunziger Jahren. Nicht gerade ein liberales Pflaster. Die Menschen sind noch geprägt von Bürgerkriegserfahrungen, die Mittelschicht überwiegend christlich erzogen, die Kinder bereiten sich auf ein Studium im Ausland vor, sie„„Der Tod des Vivek Oji“ von Akwaeke Emezi“ weiterlesen

„Bei den Wölfen“ von Sarah Hall

Ein erstaunliches Buch, kraftvoll und bewegt, obgleich viel beobachtet wird und nur langsame Entwicklungen beschrieben werden. Es erzählt die Geschichte von Rachel, die als Wolfsspezialistin ein Rudel Wölfe in einem Bereich des Lake District auf dem Grundbesitz eines reichen exzentrischen Lords ansiedeln soll. Sie hat eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Bruder und„„Bei den Wölfen“ von Sarah Hall“ weiterlesen

„Female Choice – Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ von Meike Stoverock

Dieses sehr empfehlenswerte populäre Sachbuch ist eine unterhaltsame Einführung in die Reproduktionsbiologie und in die Folgen für die menschliche, insbesondere unsere androzentrische Gesellschaft. Auf den ersten Hundert Seiten wird zunächst einmal das Sexualverhalten im Tierreich anhand zahlreicher unterhaltsamer Beispiele erläutert, die Tatsache, dass Female Choice auf einem geringen Angebot an Eizellen und einem Überangebot an„„Female Choice – Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ von Meike Stoverock“ weiterlesen

„Die gefallene Stadt“ von Olivia Manning

Während des zweiten Weltkriegs leben 1940 Guy und Harriet Pringle in Bukarest und scheinen wie hypnotisierte Kaninchen dem zunehmenden Chaos und der Bedrohung der Stadt zuzusehen. Guy gibt Englisch-Kurse, die mit verzweifelt auf Visa wartenden Juden überfüllt sind, die sich in englischsprachige Länder flüchten wollen. Harriet schwankt zwischen abwartender Distanz der braven Ehefrau und dem„„Die gefallene Stadt“ von Olivia Manning“ weiterlesen

„Such a fun age“ von Kiley Reid

Ein Unterhaltungsroman, der sich um Klassismus und Rassismus dreht, klang in meinen Ohren etwas schräg und anfangs war ich ziemlich unentschieden, ob das eine gute Idee ist. Emira, die schwarze Babysitterin der Weißen Bloggerin und Buchautorin Alix, die von New York nach Philadelphia gezogen ist, wird in einen rassistischen Vorfall verwickelt, als sie in einem„„Such a fun age“ von Kiley Reid“ weiterlesen

„Always Happy Hour“ von Mary Miller

„Ich treibe auf einer billigen Luftmatratze, pink und schon etwas schlaff…“ So beginnt eine dieser beeindruckenden Kurzgeschichten, die von jungen Frauen sehr unterschiedlicher Art handeln, die alle auf ihre Art mit dem Leben und der Liebe ringen. Sie sind dysfunktional oder überängstlich, leben in emotionaler Abhängigkeit oder gehen völlig unbewegt oder in fortgeschrittener Einsamkeit durchs„„Always Happy Hour“ von Mary Miller“ weiterlesen

„Die Unbezwingbare“ von Katja Kettu

Lempi, eine Frau Mitte Fünfzig und ihrer Familie entfremdet, kommt nach Jahrzehnten zurück ins Ojibwe-Reservat, in dem sie als Kind einer nordamerikanischen Ureinwohnerin und eines Finnen aufgewachsen und aus dem sie später, als „Findianer“ beschimpft und gemobbt, geflohen war.  „Für mich bedeutete das ungefähr dasselbe wie dass die Verbindung zu der Welt ringsum endete, in„„Die Unbezwingbare“ von Katja Kettu“ weiterlesen

„Schwester“ von Mareike Krügel

Iulia ist eine unzufriedene, unsichere, eher unsympathische Protagonistin, die inneren Halt bei Zahlen und Zynismus sucht, einem geregelten Bankjob nachgeht und sich über die Gläubigen der Kirche ihres Mannes, der Pfarrer ist, lustig macht. Sie bezeichnet sie als „Schäfchen“, distanziert sich von der Gemeindearbeit und gibt sich redlich Mühe, eine verständnisvolle Mutter für ihren Sohn„„Schwester“ von Mareike Krügel“ weiterlesen

„Hibiskus – Einfach köstlich nigerianisch kochen“ von Lopè Ariyo

Heute wage ich eine Kochbuchrezension, denn ich habe dieses wunderschöne Buch „Hibiskus- Einfach köstlich nigerianisch kochen“ ausprobiert!Es stammt von der nigerianisch-stämmigen Londoner Autorin Lopè Ariyo und ist darauf ausgerichtet, dass man auch in Europa die nirgerianischen Gerichte nachkochen kann.Es macht soviel Spaß, wenn man in afrikanischen oder asiatischen Lebensmittelläden nach den Zutaten stöbert und sich„„Hibiskus – Einfach köstlich nigerianisch kochen“ von Lopè Ariyo“ weiterlesen

„Weiter Himmel“ von Kate Atkinson

Kate Atkinson schreibt geniale Thriller, die meist parallele Erzählstränge und zahlreiche Rückblenden enthalten und nur nach und nach die Zusammenhänge preisgeben. Dabei ist sie niemals auf schreiende Effekte aus. Das Grauen kommt meist leise daher, oder erbarmungslos lakonisch. Sie hat bereits 2004 mit der Thriller-Serie rund um den Privatermittler Jackson Brodie begonnen und jetzt endlich„„Weiter Himmel“ von Kate Atkinson“ weiterlesen

„Klasse und Kampf“ Maria Barankow und Christian Baron Hrsg.

Es scheint auf der Hand zu liegen, dass das Schriftstellerdasein mit Talent zu tun hat und mit Kreativität. Aber viel hat auch mit einem eisernen Willen zu tun, und dem Mut, sich in den Kampf zu stürzen, denn nicht jeder Autor*in wurden Geschichten vorgelesen, Bücher neben das Bett gelegt, Zeitungslektüre ermöglicht. Hier sind Texte, die„„Klasse und Kampf“ Maria Barankow und Christian Baron Hrsg.“ weiterlesen

„Abendflüge“ von Helen Macdonald

Welch wundervolles Buch! Helen McDonald schreibt so bunt, überschäumend und sprachmächtig, zart und zärtlich, dabei unglaublich kenntnisreich und vielschichtig über die Natur, die Welt, das Leben, dass man es wie einen Schatz in den Händen hält und andächtig von Geschichte zu Geschichte schreitet. Man hört das „durchsickernde Säuseln einer kleinen Brise über uns und ein„„Abendflüge“ von Helen Macdonald“ weiterlesen

„Wetter“ von Jenny Offill

So ein originelles Buch habe ich schon länger nicht gelesen! Formal durchaus anspruchsvoll fordert es besonders zu Beginn einiges an Konzentration. Splitterhaft setzt sich die Geschichte erst nach und nach zusammen, als sei sie auseinander gefallen und die Autorin sammele die Scherben ein.  „Ich war schon immer besessen von verschollenen Büchern, von all denen, die„„Wetter“ von Jenny Offill“ weiterlesen

„Konstellationen“ von Sinéad Gleeson

Wenn es um den Körper geht und seine Vermessung im faustischen Sinne von „Ach neige, Oh Schmerzensreiche“… dann macht wohl niemand Sinéad Gleeson etwas vor. Als Kind ist sie bereits mit 13 Jahren an Monoartikulärer Arthritis der Hüfte erkrankt, die schmerzhaft ist und durch wochenlange Ruhigstellung behandelt wird und ihr Krücken, den Rollstuhl und noch„„Konstellationen“ von Sinéad Gleeson“ weiterlesen

„Die jüngste Tochter“ von Fatima Daas

Meine absolute Favoritin für den internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt 2021: „Er sagt: Du bist nicht meine Tochter. Zu meiner Beruhigung verstehe ich, dass ich sein Sohn bin.“ Fatima ist die jüngste Tochter nach Paris ausgewanderter Algerier. Sie heißt nach Mohameds jüngster Tochter. Sie heißt wie eine kleine entwöhnte Kamelstute. Sie ist„„Die jüngste Tochter“ von Fatima Daas“ weiterlesen

„Country Place“ von Ann Petry

Dieses Buch der schwarzen Autorin Ann Petry von 1947 spielt in einer weißen Kleinstadt. Ich-Erzähler ist der Apotheker, aber es kommen multiperspektivisch auch Wiesel, der Taxifahrer, Johnnie, der junge Kriegsheimkehrer und seine Frau Glory sowie deren Mutter Lillian zu Wort und zahlreiche andere Bewohner des Städtchens.  Wer nicht zu Wort kommt, ÜBER wen sie reden,„„Country Place“ von Ann Petry“ weiterlesen

„Im gleißenden Licht der Sonne“ von Clare Clark

Ein Kunst-Roman im Berlin der Zwanziger Jahre!  Erzählt wird er aus drei verschiedenen Perspektiven: Julius Köhler-Schultz ist ein beinahe sechzigjähriger konservativer Kunstkritiker, der ziemlich von sich eingenommen erscheint. Seine Frau ist halb so alt wie er und verlässt ihn in einem dramatischen Kapitel gleich zu Anfang des Buches. Sie nimmt nicht nur ihren gemeinsamen Sohn„„Im gleißenden Licht der Sonne“ von Clare Clark“ weiterlesen

„Unter Deck“ von Sophie Hardcastle

Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt! Wie kann ein Buch, in dem eine Vergewaltigung vorkommt, schön sein? Dies ist Sophie Hardcastle tatsächlich gelungen, denn ihre poetische Sprache ist wie ein warmer Mantel, in den man sich hüllen, sich darin verstecken kann, wenn die beschriebene Situation einen womöglich überfordert. Sie bietet schöne Sätze an wie eine hilfreiche Hand, die„„Unter Deck“ von Sophie Hardcastle“ weiterlesen

„Die Skrupellosen“ von Sadie Jones

Sadie Jones ist eine wirklich begabte Erzählerin. Wie sie in diesem Psychothriller die Richtung vorgibt, unterschwellig, konsequent und unnachgiebig, ist beeindruckend und beängstigend. Sie benennt die Dinge nicht, sie zeigt sie in den Aktionen und Reaktionen der Menschen und darin liegen eine seltsame Unausweichlichkeit und Spannung. Bea und Dan sind verheiratet und leben von ihrem„„Die Skrupellosen“ von Sadie Jones“ weiterlesen