„Geisterwand“ von Sarah Moss

Dieses kleine Buch besitzt eine beängstigende, durch die wunderbare Sprache tief berührende Wucht:

Ein Archäologieprofessor möchte ein paar Wochen mit seinen Studenten im Wald in Nordthumberland leben wie in der Eisenzeit. Auch Silvie ist dort mit ihren Eltern, ihr Vater Busfahrer aber passionierter Hobbyhistoriker, ihre Mutter Kassiererin. Sie leben neben den Studenten in einer der nachgebauten alten Hütten, schlafen auf Fellen und sammeln und jagen das tägliche Essen selber.

Für die Studenten ist es ein Jux, für die Teenagerin Silvie eine Qual, denn ihr Vater ist tyrannisch und duldet weder Widerworte noch ein Bad im Fluss. Seine Wut ist so archaisch wie seine Vorstellung von den alten Briten falsch. 

Silvias Vater geht ganz in seiner Rolle auf, Tochter und Mutter wehren sich nicht mehr gegen seine Strafen, und auch die anderen Studenten beginnen, die dominante Position der Eisenzeit-Männer zu übernehmen. In dieser aufgeheizten archaisch-gewaltvollen Atmosphäre spitzt sich die Lage für die Frauen gefährlich zu.

Gewalt gegen Frauen ist zeitlos und brutal und Sarah Moss schreibt darüber in einer beinahe poetischen Sprache, wunderbar übersetzt von Nicole Seifert.

„Ich betrachtete Dads Hände. Haut, dachte ich, seine Haut und meine Haut, die gegerbte Haut seines Gürtels, die weiche, pelzige Haut des Kaninchens, unsere Oberflächen, unsere Grenzen zwischen Blut und Luft.“

Aus dem Englischen von Nicole Seifert, Berlin Verlag 2021

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