„Botschaften an mich selbst“ von Emilie Pine

Emilie Pines Buch ist „Irish Book of the Year“ und es ist wundervoll! Es ist traurig und schockierend. Es ist rührend, erschütternd und doch irgendwie vertraut.Diese Autorin schafft es, mit ihren persönlichen Geschichten den Gefühlen aller Frauen Ausdruck zu verleihen, die solches oder Ähnliches erlebt haben. Denn es sind keine unbekannten Szenarien. 

„Und so sieht es aus, wenn eine Frau ihr Blut auf die Seiten vergießt“:

Alkoholkranker Vater und Scheidung der Eltern. Übergriffiges Verhalten, Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch. Das Hadern mit dem eigenen Körper, Einsamkeit, Esstörung, und Unfruchtbarkeit. Der Kinderwunsch, Fehlgeburten, Totgeburten und die grausame Erkenntnis, niemals eigene Kinder haben zu können. Die Sorge um und für die Gesundheit der Eltern, das Eintreten ins mittlere Alter, Angst, Burn-out und Depression.

„Ich schreibe, um das Schweigen zu durchbrechen, das ich so lange gewahrt habe. Ich schreibe es auf, damit ich mich wenigstens in meinem eigenen Leben gegenwärtig fühlen kann. Ich schreibe es, weil es das Machtvollste ist, zu dem ich mich im Stande sehe.“

Emilie Pine gibt dem Wahnsinn eines durchschnittlichen Frauenlebens Gestalt und sie tut das weder anklagend noch larmoyant, sondern in einem sehr selbstreflexiven Ton, der einen unbesiegbaren Optimismus durchschimmern lässt. Nach wohlkomponierten Kapiteln mit wohldosiertem Schmerz und Schrecken kriegt sie jedesmal wieder die Kurve und lässt Versöhnliches aufblitzen.

„Ich habe aufgehört, mich durch das Fehlen von etwas zu definieren. Ich habe aufgehört, das Wort „scheitern“ in Bezug auf meinen Körper zu benutzen. 

Ich habe mich entschieden, glücklich zu sein. Dieses Glück ist nicht vollkommen oder schmerzfrei. Es liegt Trauer darin. Und es ist dadurch noch stärker.“

Dies sind nicht nur Botschaften an sich selbst, es sind Botschaften an alle Frauen, nicht aufzugeben. Denn es gibt auf der Welt auch Anerkennung und Akzeptanz,Verzeihen Zusammenhalt und Vertrauen. Es ist ein eloquentes und ergreifendes Bekenntnis zu Mut und Liebe, zum Leben und vor allem zu sich selbst.

Aus dem Englischen von Cornelia Röser, btb 2021

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