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„Aufruhr der Meerestiere“ von Marie Gamillscheg

Luise forscht über die Meereswalnuss, eine invasive Quallenart, ohne Herz und Gehirn, die giftige Tentakel hat und wunderschöne Regenbogenreflexe verursacht und im Begriff steht, die Nord- und Ostsee zu besiedeln. Luise wird von ihrem Institutschef zurück in ihre Heimatstadt Graz geschickt, um im dortigen Zoo ein Quallen-Projekt zu unterstützen.

In Graz lebt ihr Vater, bei dem sie wohnt, obwohl er nicht da ist. Er hatte einen Herzinfarkt und erholt sich bei Luises Bruder und sie fühlt sich nutzlos, herzlos und unstet in ihrem Leben treibend, selbst der große Zoologe und Vaterfigur ihrer Kindheit Schilling scheint sie und ihre Forschung nicht ernstzunehmen. Sie fühlt sich unverstanden in ihrer Erkenntnis, dass Evolution nicht alles ist, was den Planeten geformt hat. Sie stellt sich vor

„..man fände eine Welt vor, in der Körper und Geschlecht keine Rolle spielten (…)Eine Welt, in der man wirklich keine Entwicklung kannte, kein Kräftiger, kein Größer, kein Mehr, kein Besser, sondern nur die Bewegung und das Singen der Sirenen, in der Zeit nur aus dem Rhythmus des Wellenschlags bestand.“

Während sie nun in der verwaisten Wohnung im staubigen Leben ihres Vaters steht, überschwemmen sie Erinnerungen an ihre Kindheit und ihre Beziehung zu ihm, die ihre Neurodermitis verschlimmern, die sie ebenso wie eine Esstörung seit Jahren plagt.

„Überall kleine Brandherde, aufgerissene Krater, plötzlich sichtbar gewordene Gletscherspalten im aufgetauten Eis, die juckten, die ziepten, brannten, stachen, nässten, sich schuppten(…)Es fühlte sich an wie Schleifpapier oder eine raue Katzenzunge. Es war als könnte ihr Körper sich nicht entscheiden, ob er sich einen Panzer zulegen oder sich doch einfach auflösen wollte.“

Wie die Qualle durchs Wasser, kämpft die ebenso empfindsame Luise sich durch das ermüdende Leben, in sehr poetisch beschriebener Einsamkeit und entfremdeter Sehnsucht nach Auflösung.

Luchterhand 2022

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