„Tiefes, dunkles Blau“ von Seraina Kobler


Königin der Atmosphäre, das ist sie, die Autorin dieses ersten Bandes einer geplanten Reihe von Zürich-Krimis. Ihr Ton ist persönlich und streckenweise poetisch, Ermittlerin Rosa ist eine vielschichtige Figur und das Thema Fruchtbarkeit wird mit leisen feministisch Untertönen präsentiert.

Ja, hier dreht sich alles um Eizellen. Rosa von der Wasserpolizei am Zürichsee lässt ihre Eizellen einfrieren. Ihre lesbische Schwester wird Co-Mutter. Dr. Jansen, der Fruchtbarkeitsspezialist, wird ermordet und die große Wels-Dame Georgina steht kurz vor dem Ablaichen im Schilf rund um die Wache der Seepolizei.

Doch spannend wird es leider nicht. Es plätschert weiter in einer Art Einleitungsmodus, denn nach der Hälfte des Buches sind noch nicht alle Figuren im Leben des Ermordeten auf den Plan getreten. Ständig wird ein neuer Laden in der Züricher Altstadt beschrieben, in dem Rosa einkauft oder sich mit jemandem trifft. Das schafft Atmosphäre, bringt die Handlung aber nur mühsam voran. Von Anfang an vermutet man aufgrund vager Andeutungen genetische Manipulationen in einem Start-up Unternehmen, und eine selbstständige Edel-Prostituierte wird zur wichtigen Zeugin. Selbst ein weiterer Anschlag bringt kaum Bewegung in die Geschichte, die sich etwas unentschieden zwischen veganen und genetischen Rezepturen verläuft. 

Ein interessanter Entwurf zum Thema der wichtigsten Ressource und Potenz der Frau: der Fruchtbarkeit, und dazu, wer die Kontrolle darüber hat und wie manipulierbar sie ist. Dennoch als Krimi letztendlich nicht überzeugend.

Diogenes 2022

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