„Thebanischer Tod“ von Amanda Cross

Ich muss sagen, dass ich voller Ungeduld auf diesen dritten Teil der Krimiserie um die Literaturprofessorin Kate Fansler gewartet habe. Doch irgendwie ist es leider für mich der schwächste Fall. Es gibt zwar wieder die intelligenten Anspielungen, Sprachspiele und Dialoge, die das Herz eines jeden Büchernerds höher schlagen lassen. Aber – und das ist ein wirklich eine schwerwiegende Kritik – es geht auch sehr literaturtheoretisch zu.

Kate Fansler wird an ihr altes College gerufen- das Theban (die Nähe des Namens zur Stadt Theben ist geradezu haarsträubend augenfällig) – um dort eine erkrankte Englischdozentin zu ersetzen und ihr Seminar über Antigone zu halten. Nun vergeht die erste Hälfte des Buches damit, Interpretationen verschiedener Versionen dieser Geschichte, von Sophokles über Anouilh bis zu George Eliot zu thematisieren und den Konflikt dieses Stückes mit den Seminarteilnehmerinnen durchzugehen. Das kommt trotz der Bemühungen, den Stoff durch prägnante Figurenbeschreibungen der Lehrer-und Schülerinnenschaft aufzulockern, doch etwas langatmig daher. 

Dass es darin um Gehorsamsverweigerung geht, die mit dem Tod bestraft wird, wird etwas Holzhammermäßig mit dem herrschenden Vietnamkrieg und dem Problem der Kriegsdienstverweigerung verquickt, Analogien werden ausführlich diskutiert.

Ein König von Theben ist schnell gefunden und die Bruderfigur auch. Als dann auch noch eine Leiche entdeckt wird, scheint das Buch endlich an Fahrt zuzulegen. 

Es wird wie immer viel spekuliert und theoretisiert, ein knackiger Ex-Soldat mit gefährlichen Dobermännern, der auf dem Dach der Eliteschule hockt wie Zerberus mit den Höllenhunden, war mir die eindrücklichste Figur. Dass nebenbei wieder die Psychologie, insbesondere die zur Selbsterfahrung empfohlenen Encountergruppen, einen Seitenhieb abkriegt, ist bei Kate Fansler auch schon Tradition.

Daher mein Fazit: Kein spannendes Buch, aber für Literaturnerds wie immer ein durchaus schöner Zeitvertreib und eine sehr lehrreiche Lektüre.

Aus dem Amerikanischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger, Dörlemann 2022

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