„Die tote Lady“ von Daisy Waugh

„Wie immer regnete es und Sir Ecgbert war tot.“ 

So lautet einer der ersten lakonischen Sätze dieses unterhaltsamen Krimis. Er kommt zwar in nostalgischer Herrenhaus-Manier daher, ist aber überaus modern mit LGBTQ-Figuren versetzt, die sich teilweise nicht für „Cis-Männer“ interessieren oder sich als „nichbinär“ bezeichnen, modernes Beziehungs-Vokabular für Instagram-orientierte Zeitgenossen, die sich plötzlich mit diesem archaischen Ungetüm von altem Schloss konfrontiert sehen.

Die drei Kinder des verstorbenen Sir Ecgbert Tode sind erstmal nicht erpicht darauf, die monströsen Verwaltungsaufgaben, die das Erbe bietet, zu übernehmen. Der eine Sohn wohnt in Australien, der andere in einer Nervenheilanstalt und die Tochter lehnt aus politischer Überzeugung jegliche Verantwortung ab. Deshalb übergibt die verwitwete Lady Tode, die sich nach kühlen Drinks auf dem warmen Capri sehnt, ihrem Neffen das Herrenhaus, auch wenn sie sich für seine Frau India nicht wirklich erwärmen kann. 

„Letztendlich mochte Lady Tode überhaupt keine Frauen. Am allerwenigsten schöne, selbstbewusste, sorglose, fröhliche junge Frauen. Sie stellten etwas Ähnliches mit ihrem Inneren an wie Salz mit Nacktschnecken.“

Nur leider wird sie kurz darauf ebenfalls tot aufgefunden, es gehen Geister um und die neue Verwalterin Alice, aus London stammend und über ihre Großmutter bereits mit dem Schloss verbunden, findet sich plötzlich inmitten einer privaten Ermittlung rund um die komplizierte Familie Tode.

Ein heiterer, recht unblutiger Krimi der Enkelin des Schriftstellers Evelyn Waugh, der mit klassischer britischer Ironie, augenzwinkernden Verweisen auf britische Fernseh-Serien (von „Downton Abbey“ bis „Schwester Ratched“) und moderner Figurenzeichnung dem guten alten Cosy-Crime einen neuen Anstrich verpasst. Für eine gemütliche Krimi-Auszeit unbedingt empfehlenswert.

Aus dem Englischen von Sonja Hauser, Goldmann 2021

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