„Die letzte Analyse“ von Amanda Cross

Eine feministische Literaturprofessorin geht auf Mörderjagd! Das kann ich mir wirklich nicht entgehen lassen. Amanda Cross hat in ihren literarischen Krimis aus den Sechziger Jahren eine unvergleichliche Vermittlerin erschaffen: Kate Fansler ist intelligent, alleinstehend und neugierig, und klärt in ihrem bewegten Leben mehrere ungeklärte Todesfälle auf.

In diesem Buch wird der mit ihr befreundete Psychiater Emanuel Bauer des Mordes an einer seiner Patientinnen angeklagt. Die schöne Harriet wurde mit einem Messer erstochen und von seiner Frau auf der Psychiatercouch in seinem Sprechzimmer in Manhattan gefunden. Kate ist von seiner Unschuld überzeugt, bemüht einen befreundeten Staatsanwalt und treibt ihn mit ihren Fragen und ihrer „entzückend beflügelten Fantasie“ beinahe in den Wahnsinn. Hartnäckig besteht sie darauf, dass Emanuel nicht der Mörder ist, obwohl alles gegen ihn spricht.

Ein Krimi, auf dessen ersten Seiten bereits Yeats und Millay zitiert werden, ist einfach unwiderstehlich für mich. Die gebildete und leicht überhebliche Art dieser linksliberalen Sechziger-Jahre-Figur, die immer wieder mal Shakespeare bemüht, auf ihre Vergil-Lektüre anspielt oder auf  George Eliot, gibt diesem erzählenden Krimi einen heftigen Drall in Richtung Bildungsroman. Amüsant ist aber auch, wie gleichzeitig die Psychoanalyse  – „.. das ineffektive Herumtasten, diese Mischung aus Verwirrung und Doktrin, die die klinische Psychoanalyse heute charakterisierte…“ -ihr Fett wegkriegt.

„Die Psychiatrie hatte mit Freud begonnen und schien weitgehend damit auch schon an ihrem Ende angekommen zu sein.“

Die Aufklärung des Falles ist nicht gerade ein spannender Pageturner. Aber mit ihren witzigen Dialogen, der Diskussion unlogischer Theorien und einer Parodie auf den amerikanischen Collegebetrieb der Sechziger Jahre erweist sich diese Geschichte als sehr unterhaltsame Lektüre.

Aus dem Amerikanischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger, Dörlemannverlag 2021

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